Mönchengladbach: Die Stadt Mönchengladbach muss Friedhöfe schließen

Mönchengladbach : Die Stadt Mönchengladbach muss Friedhöfe schließen

Immer mehr Gladbacher werden in Urnen bestattet. Darum entstehen in Odenkirchen 630 weitere Kammern. Zunehmend liegen Friedhofsflächen brach. Doch an das überfällige neue Friedhofskonzept traut sich niemand heran.

Auf dem evangelischen Friedhof in Odenkirchen wird ein neues Kolumbarium gebaut — mit vorläufig 630 Kammern und der Option auf mehr. "Die Urnenplätze in der alten Friedhofskapelle sind komplett weg", sagt Manfred Brücher. Der Vorsitzende des Friedhofsausschusses bestätigt den Trend: "Immer mehr Menschen werden verbrannt und in Urnen beigesetzt." Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sind alle 192 Kammern in der Kapelle verkauft worden. Die Hälfte davon ist bereits belegt. "Derzeit rechnen wir mit durchschnittlich 40 Prozent Urnenbestattungen auf unserem Friedhof", sagt Brücher. In den nächsten Jahren werden es mehr werden. "Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der Urnenbestattungen im Laufe der nächsten 15 Jahre auf etwa 70 Prozent steigern wird." Gesamtstädtisch gibt es jetzt schon mehr als 50 Prozent Bestattungen dieser Art. Die Gründe liegen auf der Hand: Urnenbestattungen sind preiswerter als Erdbestattungen, und der Pflegeaufwand für die Hinterbliebenen ist minimal.

Friedhofsleiter Wolfgang Rethmeier hat auf dem Friedhof an der Kirchhofstraße zusätzliche Urnen-Stelen mit insgesamt 28 Kammern vor die ehemalige Kapelle stellen lassen. Aber die werden nicht lange vorhalten — deshalb das neue Kolumbarium. Das moderne Gebäude entsteht am Ende des Friedhofs auf einer Fläche von 18 an 18 Metern und soll im Herbst eröffnet werden.

Mit der steigenden Zahl der Urnenbestattungen auf Friedhöfen und in den (bisher zwei) Grabeskirchen vergrößern sich die ungenutzten Flächen auf den Friedhöfen. Auf dem Rheydter Hauptfriedhof an der Preyerstraße hat die Stadt bereits reagiert und ein 3000 Quadratmeter großes Teilstück, das für die Erweiterung des Friedhofs reserviert worden war, zum privat betriebenen Tierfriedhof umnutzen lassen.

Die Friedhofssatzung für Mönchengladbach ist in die Jahre gekommen. Nach Auskunft der Verwaltung werden die Ausschüsse und der Stadtrat im Herbst ein Friedhofskonzept mit einer neuen Friedhofssatzung und einer neuen Friedhofsgebührensatzung vorgelegt bekommen. "Dabei wird eine Bestandsaufnahme der benötigten und der vorhandenen Flächen und die Größe der zu unterhaltenden Grünflächen ein Teil des Friedhofskonzeptes sein", sagt Stadtsprecher Walter Schröders.

Der Zeitpunkt ärgert des Fraktionsvorsitzenden der SPD, Lothar Beine. "Ich habe noch kürzlich mit der Verwaltung über das Thema diskutiert, und mir wurde zugesagt, dass wir noch vor der Sommerpause die neue Satzung bekommen", sagt er. Seit Jahren würde die Stadt an der Gebührenschraube drehen. "Wir müssen die reservierten Erweiterungsflächen aufgeben und anderweitig nutzen", sagt Beine. Außerdem seien Friedhofsschließungen unabwendbar.

Sinnvoll verwenden könnte man diese großzügigen Areale etwa auch für muslimische Beerdigungen. "Die muslimischen Familien überführen ihre Toten zu fast 100 Prozent in die Heimatländer, um sie da bestatten zu lassen", sagt Beine. In seinen Augen wäre ein muslimischer Friedhof ein zentraler Schritt in Richtung Integration.

Ein weiteres Problem sieht er auf den beiden großen Hauptfriedhöfen. Inmitten dieser riesigen Areale liegen parkähnliche Flächen mit uraltem Baumbestand. "Diese müssen als Grünflächen aus der Gebührenkalkulation herausgenommen werden", sagt Lothar Beine. Denn die Pflege dieser Parkflächen führt zu immer höheren Beerdigungskosten. "Diese Maßnahme würde den Haushalt kurzfristig belasten", sagt der SPD-Fraktionschef. "Aber auf lange Sicht würden wir so den Trend zu immer mehr Urnenbestattungen ein wenig bremsen können."

(RP/ac/top/rl)
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