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Mönchengladbach: Die praktische Seite der Wissenschaft

Mönchengladbach : Die praktische Seite der Wissenschaft

Im "Innovatorium" erleben 15 Berufskollegschüler eines Workshops das Thema Energie hautnah.

Ein Laubsauger simuliert den Windkanal, und ein Scheibenenteiser erzeugt Wärme von 40 Grad. Das Bindeglied zwischen den beinahe alltäglichen Dingen ist die pfiffig umgesetzte Verfügbarkeit für Experimente im Energielabor "Innovatorium". Das hat nun seinen Betrieb im NEW-Blauhaus aufgenommen und bietet erstmals Schülern die Möglichkeit, das Thema Energie hautnah zu erleben.

Vorreiter sind 15 junge Menschen des Berufskollegs "Platz der Republik für Technik und Medien". Unter dem Motto "Wissenschaft trifft Praxis" können die 16- bis 17-Jährigen im fünftägigen Workshop ihr im interaktiven Theorieunterricht erworbenes Wissen direkt an realen Beispielen anwenden. Sie lernen Technologien wie Photovoltaik, Windenergie, Heizsysteme und Wärmedämmung im Experiment kennen und setzten sich dabei mit Energieeffizienz, erneuerbarer Energie und mit energieorientierter Wirtschaftlichkeitsanalyse auseinander. Michael Wirtz (17) prüfte etwa die Wärmeübertragung eines Heizkörpers, der tief in einer Nische verbaut ist. "Das ist schon sehr interessant", sagte der Schüler mit Schwerpunkt Maschinenbau. Er setzte sich erstmals mit energieorientierten Kostenkalkulationen auseinander. Beeindruckt war ebenso Mitschüler Mathias Zohlen, der sich technisch gut vorbereitet fühlte und nun Berechnungen an der Windenergieanlage durchführte.

"Die gehen an ihre Grenzen", lobte Hochschulprofessor Ulrich Nissen die Schüler und freute sich über deren Wissbegierde und Aufgeschlossenheit. Er hat das "Innovatorium" in einer Kooperation von NEW und Hochschule Niederrhein mit dem Doktoranden Nathanael Harfst und Renate Gluth entwickelt. Das Austüfteln und Herstellen der benötigten Versuchsgeräte war schon eine Ideenschmiede für sich.

Zu den besonders lebensnahen Versuchsanordnungen gehört ein Fahrrad, das an eine Motorradbatterie angeschlossen ist, die wiederum einen Camping-Kaffeekocher speist. Der Energieverbrauch muss nach dem Kaffeekochen wieder ein geradelt werden. "So bekommt jeder ganz direkt ein Gefühl, wieviel Energie nötig ist, und die Schüler werden sich wundern, wie lange sie für das gekochte Wasser strampeln müssen", verriet Nissen.

Er ist überzeugt, dass neben den Schülern auch die Hochschule Niederrhein vom Energielabor profitiert: Die Gerätschaften für Versuchsreihen sind da und können auch von Studenten benutzt werden. Die könnten beispielsweise auch die Solarversuche weiterführen. Zudem sieht Nissen, wie auch Renate Gluth, das Potential für Talententdeckungen.

Im Mai wird eine Schülergruppe des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums in dem Energielabor forschen. Dann werden die bis dahin gemachten Erfahrungen sowie ein Feedback der Schüler ausgewertet. Die Ergebnisse sollen dann die Grundlage für die planmäßig ab dem Jahr 2018 regelmäßig stattfindenden Workshops bilden.

(anw)