Mönchengladbach: Die Operation Mozart gelang

Mönchengladbach : Die Operation Mozart gelang

Mit Geige und Flöte können die Mitglieder des Deutschen Ärzteorchesters genauso gut umgehen wie mit Skalpell oder Stethoskop. Das bewies das Ensemble bei einem Konzert in der Kaiser-Friedrich-Halle. Ihr Honorar: Viel Applaus.

"Die Arche Noah wurde von Laien gebaut, die Titanic von Profis" – mit diesem Bonmot versuchte Dr. Klaus Laumen in seiner launigen Begrüßung den Einsatz des "Deutschen Ärzteorchesters" zu legitimieren, in dem der Mönchengladbacher Arzt als Stimmführer der Bratschen agiert. "Wir sind Laien, allerdings zum Teil mit professioneller Ausbildung", so Laumen. Unterstützt von Sponsoren und fleißigen Helfern hat er das erste Ärzteorchester-Konzert in Nordrhein-Westfalen organisiert. 70 von 130 Instrumentalisten des als klassisches Sinfonieorchester konzipierten Ensembles musizierten in der gut gefüllten Kaiser-Friedrich-Halle.

Die Mitglieder sind überwiegend Ärzte, aber auch Angehörige medizinverwandter Berufe, Medizinstudenten und einige Physiker spielen mit. Seit 2004 leitet der professionelle Dirigent Alexander Mottok (48) das Orchester. Er verstand es ausgezeichnet, präzise und voller Emotionen alle Instrumentengruppen zu motivieren und zu koordinieren. Das spieltechnische Potenzial der Musiker ist beachtlich, der Gesamtklang homogen und blühend. Auch offen liegende, allseits gefürchtete Soli wurden gut bis sehr gut gemeistert.

Der als Benefizkonzert für das Hospiz Mönchengladbach und die Beja-Flor-Stiftung zur Behandlung von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspaltung veranstaltete Abend begann mit einer anmutig gespielten Zauberflöten-Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart, der man die spieltechnischen Fallstricke dieser nur vordergründig "leicht" wirkenden Musik kaum anmerkte. Großartig und mit Beifall überschüttet gelang nach der Pause die beliebte Symphonie Nr.9 e-Moll op.95 "Aus der neuen Welt" von Antonín Dvorák. Glutvoll und mit faszinierender Klangschönheit agierte das Gesamtorchester, Soloflöte, Solooboe.

Das vor allem im letzten Satz geforderte Blech und die erstklassige Englischhornistin machten ihre Sache hervorragend. Bei dem jungen, türkisch stämmigen Cellisten Cem Cetinkaya war das einzige Cellokonzert von Robert Schumann a-Moll op.129 in kundigen Händen. Gelang auch der Anfang noch ein wenig kühl und nicht recht inspiriert, so war der Student der Musikhochschule Lübeck spätestens im einschmeichelnd zelebrierten Mittelsatz ganz in seinem Element. Auch dem abschließenden, technisch hoch anspruchsvollen "Sehr lebhaft" blieb der Künstler nichts schuldig.

Viel Applaus und eine beglückend introvertierte Zugabe.

(RP)
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