Mönchengladbach: Die Legende vom Heiligen Vitus

Mönchengladbach: Die Legende vom Heiligen Vitus

Sein Schädelknochen führte zur Gründung des Klosters, aus dem die Stadt entstehen sollte. Auch heute noch prägt der Name Vitus Mönchengladbach. Christian Wolfsberger, Leiter des Stadtarchivs, erzählte in einem Vortrag die Geschichte des Stadtpatrons.

Ein Schädelknochen des Heiligen Vitus, der Legende nach von Erzbischof Gero und seinem Begleiter Sandrad auf dem Abteiberg unter einem hohlen Stein gefunden, führte zur Gründung des Klosters, das die Keimzelle der Stadt Mönchengladbach wurde. Das ist über 1000 Jahre her, noch heute aber nennt sich die Stadt "Vitus-Stadt". Bezeichnungen wie Vitus-Straße, Vitus-Park, Vitus-Bruderschaft, Vitus-Brunnen, das Gasthaus St. Vith, Vitus-Center, Vitus-Bad bezeugen bis heute eine enge Verbindung zum Stadtpatron.

Christian Wolfsberger, Leiter des Stadtarchivs, gab in einem kurzen Vortrag der Bylandt-Gesellschaft im Schloss Rheydt einen Überblick über das, was man vom Märtyrer und dem Weg, den seine Gebeine machten, weiß. Viel liegt im Dunkel des Mittelalters, das Heiligenleben ist Legende: Vitus, reiches Heidenkind, von Amme und Lehrer zum Christentum bekehrt, wirkte schon als Siebenjähriger in seiner Heimat Sizilien Wunder. Sein Papa ließ ihn deshalb verprügeln (wobei den Knechten die Arme verdorrten) und verführen (aber sieben Engel bewahrten ihn vorm Zugriff der mit ihm eingesperrten Frauen, der durchs Schlüsselloch schauende Vater erblindete).

Kaiser Diokletian warf den Wunderheiler in den Kerker, nachdem er zwar seinen besessenen Sohn geheilt hatte, von seinem Glauben aber nicht lassen wollte. Eisenplatten konnten ihn nicht erdrücken, in einem siedenden Ölkessel wurde er nicht gar, ein Löwe legte sich lammfromm zu seinen Füßen, statt ihn zu zerfleischen, schließlich schlugen Blitze in die Folterbank, Engel kamen geflogen und schafften den Jüngling samt Begleitern ans Ufer des Flusses Sele in Kampanien. Dort starb Vitus im Jahre 304 oder 305.

Vitus ist als einer der 14 Nothelfer einer der meistbeschäftigten Schutzheiligen: Apotheker, Bergleute, Blinde, Taube, Epileptiker (Veitstanz), Bierbrauer, Winzer wenden sich Beistand suchend an ihn; bei Gewittern, Augenleiden und von Sterbenden wird er angerufen, weil er offenbar einen guten Draht zu Engeln hatte.

Deshalb waren seine Knochen ein kostbares und wirkmächtiges Gut im Kampf der Kirche gegen Andersgläubige. Vitus' Gebeine wurden vom Kloster in Saint-Denis bei Paris 836 nach Corvey bei Höxter gebracht – als starke Glaubens-Waffe der Christianisierung des Ostens. Ob Gladbachs Vitus-Knöchelchen bei dieser Reise am Gladbach blieb oder später zur frühen Kirchen-Gründung hier landete, ist ungewiss. Der Weg der Vitus-Gebeine geht jedenfalls von Corvey weiter nach Prag in den Veits-Dom.

So weit die von Wolfsberger vorgetragenen Fakten. Die Fragen der Zuhörer, ob der Name Vitz mit Vitus in Verbindung gebracht werden kann; warum die Abtei Gladbach aus der Vitus-Reliquie nicht ein profitables Marketing-Instrument (Wallfahrtsort) gemacht hat, mussten die Fachleute im Plenum selbst beantworten oder offen lassen. Nur bei der Heiligtumsfahrt locken Überreste der Stadtpatrons, eingefasst ins prunkvolle Reliquiar, heute noch regelmäßig große Menschmengen ins Vitus-Münster.

(RP)