Mönchengladbach: Die Kopie des Menschen

Mönchengladbach: Die Kopie des Menschen

Im Golf-Conceptstore der Gladbacher Hosenfirma Alberto kann man sich heute klonen und eine detailgetreue 3D-Figur erstellen lassen.

72 Kameras sind auf mich gerichtet, alle klicken sie zur selben Zeit - jetzt heißt es: Bauch rein, gerade stehen, und bitte lächeln. Aus einem "Shot" soll dann meine Mini-Doppelgängerin entstehen.

Selbst vor der Kamera zu posieren, war noch nie meine liebste Beschäftigung. Macht man dann im Urlaub oder auf der Geburtstagsparty doch ein paar Erinnerungsfotos, sieht man sich darauf aber eigentlich nur von vorne. Beim 3D-Body-hingegen besteht nicht die geringste Möglichkeit, sich hinter irgendetwas zu verstecken - denn gescannt wird hier schließlich der ganze Körper.

Sascha Scheuermann von Clonstudios, zeigt mir den ersten Versuch. So wirklich zufrieden bin ich nicht. Mein Lächeln wirkt ein wenig steif und angespannt - im Großen und Ganzen wirke ich verkrampft. "Vielleicht versuchst du, eine natürlichere Pose zu finden", sagt Scheuermann. "Sei ganz du selbst, kreuz die Beine ruhig einmal, das wirkt lässiger." Gesagt, getan. Der zweite Versuch wird gleich besser. Scheuermann zeigt mir ein Teil der Scans auf dem Monitor. Aus dem zweiten "Shot" soll dann nun mein Mini-Klon werden.

Sascha Scheuermann von der Firma Clonstudios stellt die Anlage ein. Foto: Raupold Isabella

Und schaut man sich die 3D-Figuren, welche die Experten vom Clonstudio ins Alberto-Geschäft an der Hindenburgstraße mitgebracht haben, kann man kaum glauben, wie detailgetreu diese verarbeitet sind. Jede Naht und jede Falte auf der Jeans, ist auf der kleinen Figur zu erkennen. Selbst das schmale Armband einer Frau wird präzise, in all seinen Farben, dargestellt. "Die Ähnlichkeit und das, was den einzelnen Menschen ausmacht, kann man in jeder Figur sehen", so Scheuermann.

Damit auch meine 3D-Figur so exakt wird, werden die Scans in eine 3D-Software eingelesen und errechnet. Von Scheuermann und seinen Mitgründern Denise Voigtländer und Andreas Altmann werden diese dann noch genauer akzentuiert. Danach geht der Druckauftrag an eine riesige Industriemaschine. Das Ergebnis ist zunächst, bezogen auf die Farben, noch nicht originalgetreu. Mit einem speziellen Infiltrat werden die 3D-Figuren noch eingepinselt, so dass sich die korrekten Farben selbst herausarbeiten. Bis die Figur dann fertig ist, dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen. Hat man sie dann einmal, sollte man aber unbedingt behutsam mit ihr umgehen. "So eine 3D-Figur ist keine Action-Figur", erklärt Scheuermann. "Am besten kommt sie auf ein Regal und bleibt auch dort stehen." Denn die Figuren basieren auf feinem Pulver, einem Polymergips, und sind sehr empfindlich.

Neben uns Menschen stellen sich oftmals auch Hunde den 72 Kameras. Viele Kunden möchten ihre Haustiere verewigen, erzählt Scheuermann. Auch wenn Hunde dazu tendieren, sich zu bewegen, stelle das überhaupt kein Problem da. "Man kann sich sogar im Hochspringen scannen lassen."

Neben den 3D Echtzeit-Scans, hat sich die Neusser Firma auch auf Special Effects in der Filmindustrie sowie auf 4D Augmented Reality (dt.: erweiterte Realität) spezialisiert. Bodyscans und Videos können von Clonstudios als holographische Projektion auf gewünschte Printmedien gebracht werden. Durch die selbstkreierte App ist es dann möglich, sogenannte "Targets" zu definieren - das kann ein Foto sein, Logos oder eine Grafik.

Für heute haben sich bereits schon mehrere passionierte Golfer angemeldet, die sich gerne in Sportkleidung und Abschlagsposition verewigen lassen möchte, erzählt Alberto-Storemanager Patrick Lanowy. Wer spontan vorbeischauen und einen 3D Echtzeit-Scan von sich machen lassen möchte, könne das sehr gerne tun. Los geht es bei einem Preis von 199 Euro bei 15 cm. Wie meine 3D-Figur nun aussehen wird, und ob ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, erfahr ich in ungefähr drei Wochen.

(sikr)