Mönchengladbach: Die Königin der Kartenspiele

Mönchengladbach: Die Königin der Kartenspiele

Bridge ist Psychologie, Sport und Geselligkeit. Wer mag, kann die Grundzüge nun in einem Anfängerkurs des Mönchengladbacher Bridge-Clubs kennenlernen. Das Kartenspiel ist gar nicht so elitär wie sein Ruf.

Ein Saal im Dorint-Hotel. Neun quadratische Tische. Je eine Person an jeder Kante. Konzentrierte Stille. Auf den Tischen befinden sich vier kleine rote Boxen, ein Board in der Mitte mit 52 Karten markiert die Himmelsrichtungen: Norden, Osten, Süden, Westen. Es wird gelegt und überlegt, jeder Spielzug genau geplant, zwischendurch mal am Kaffee genippt. Eines aber fällt besonders auf: Immer wieder beobachten sich die gegenüber sitzenden Partner, teilen sich mit sogenannten Biet-Karten, auf denen mal "Pass", "Stop" oder ein "X" steht, versteckte Botschaften mit. Für einen Außenstehenden wirkt der ganze Prozess wie eine undurchdringbare Geheimsprache. Was hier im Saal wohl vor sich geht?

Die Lösung ist einfach. Gespielt wird: Bridge - "die Königin der Kartenspiele", wie es Ulrich Bongartz vom Mönchengladbacher Bridge-Club ausdrückt. Bereits seit 1961 existiert der Club, der heute über 70 Mitglieder zählt. Jeden Freitag trifft man sich um 15 Uhr zum großen Turnier: Dann wird dreieinhalb Stunden lang gemessen, welcher der Teilnehmer die Finessen des Kartenspiels am besten durchblickt hat. Denn mit Kartenspielen, dessen Regeln bereits nach wenigen Minuten sitzen, hat Bridge recht wenig zu tun. Um als Sieger aus einem Turnier hervorzugehen, braucht es weit mehr an Achtsamkeit, als etwa daran zu denken, beim Ablegen der letzten Karte "Mau-Mau" zu rufen.

Bevor es richtig losgeht, geben sich die Nord-Süd und die Ost-West Partner in einer Art Versteigerungsprozess - das Reizen - durch einen Karten-Code Hinweise, wie viele Karten sie von jeder Farbe (Pik, Coeur, Karo, Treff) haben. Erst wenn diese Phase vorbei ist, wird im Uhrzeigersinn gespielt und versucht, gemeinsam zu gewinnen. Ob das, was zu Beginn versprochen wurde, erfüllt werden konnte? Das überprüft unter anderem Bongartz. Er ist der Turnierleiter im Bridge-Club. Als solcher trägt er die Ergebnisse zusammen, greift bei Diskussionen um Strafkarten ein oder sorgt dafür, dass "niemand pfuscht und die Kinder sich nicht schlagen", wie er lachend sagt. Bereits als Kind wurde er zum Bridge-Kursus geschickt. Heute hat er unter dem Titel "Leicht reizbar. Die Reizung im Bridge" bereits ein Buch zum Thema veröffentlicht und gibt selbst Bridge-Unterricht. Und nicht nur das: Er ist auch einer von sechs Sportlern im Gladbacher Bundesliga-Bridge-Team des Deutschen Bridge-Verbandes. Zusammen treten sie an drei Terminen im Jahr an einem langen Wochenende in Kassel gegen neun andere Teams aus ganz Deutschland an. Ein Kartenspiel als Leistungssport? Ja, das geht. Denn beim Bridge-Turnier sind Zufall und Kartenglück ausgeschaltet: Allein Leistung und Strategie zählen. Und damit die verbessert werden können, ist vor allem Vertrauen zum Bridge-Partner wichtig. Bongartz vergleicht das mit der Verbindung zwischen einem Tanz-Paar. Auch das ist Bridge: die Brücke zum Gegenüber.

Erklären kann man das anspruchsvolle Spiel in so wenigen Zeilen nicht - man muss es selbst ausprobieren. Der Bridge-Club lädt darum ab heute, 12. September, 19 Uhr, einmal wöchentlich zu einem neuen Kursus für Anfänger ein. Die Teilnahme an den ersten beiden Terminen ist kostenfrei und auch unangemeldet möglich, danach kann frei entschieden werden, ob der Kursus weitergeführt werden möchte. Welche Eigenschaften man für das Erlernen des Spiels mitbringen muss? "Man benötigt nur die Fähigkeit, bis 13 zählen zu können, Freude am Spiel und intellektueller Herausforderung sowie ein bisschen Logik und Kombinationsfähigkeit. Die Erfahrung zeigt, dass Menschen, die vorher schon andere Kartenspiele spielten, es ein wenig leichter haben. Aber auch komplette Neulinge holen das schnell auf", sagt Bongartz. Laut ihm lohnt sich die Mühe allemal: "Es gibt alle möglichen Kartenspiele, aber Bridge ist das Spiel, an dem man hängenbleibt. Die Kommunikation und das Reizen verleihen ihm eine unglaubliche Tiefe. Übung macht den Meister, aber man hat nie ganz ausgelernt".

Ab heute, 12. September, bietet der Bridge-Club Mönchengladbach um 19 Uhr einen Kurs für Anfänger im Dorint-Hotel (Hohenzollernstraße 5) an. Die ersten beiden Male sind kostenlos. Weitere Informationen gibt es unter 02431 73709.

(mcv)