Mönchengladbach: Die Haut strahlt auch nach 100 Jahren

Mönchengladbach: Die Haut strahlt auch nach 100 Jahren

Dass Ottilia Grachten schon vor einem Jahrhundert auf die Welt kam, sieht ihr kaum einer an.

Als Ottilia Grachten geboren wurde, tobte noch der erste Weltkrieg. "Meine Mutter hat Hosen genäht, damit wir alle zu essen hatten. Wir waren mit neun Kindern", erinnert sich die Jubilarin an die mageren Jahre ihrer Kindheit in Hardt. Sie erzählt von dem kleinen Bauernhäuschen, wo die Mutter ein Gärtchen mit Gemüse hegte und der Vater mit Schafen handelte. Damals mussten alle hart arbeiten.

Morgen feiert Ottilia Grachten ihren Geburtstag und damit stolze 100 Jahre. Sie freut sich, dass sie eine eigene Wohnung hat und doch gut aufgehoben ist in der Gemeinschaft mit Schwiegertochter, Enkelin und Urenkelin, die in den Wohnungen über und unter ihr leben. "Mir geht es gut, und ich hoffe, dass es den anderen auch einmal so gut ergeht wie mir, wenn sie mein Alter erreicht haben", sagt sie still vergnügt.

Für ihre 100 Jahre hat Ottilia Grachten eine erstaunlich glatte Haut, und darauf ist sie stolz. "Mir sagen viele, dass man mir mein Alter nicht ansieht", sagt sie und hat recht. Ein Hörgerät hilft, und ein Rollator steht bereit, doch ansonsten erfreut sich Grachten über eine gute Gesundheit. 1942 heiratete sie ihren Mann Franz, mit dem sie drei Kinder hatte. Die Tochter und einer der beiden Söhne sind bereits verstorben. Franz Grachten war Schlosser im St. Franziskus-Krankenhaus. Darum wohnte die Familie erst gegenüber vom Krankenhaus in einem Wohnhaus für Angestellte, später im elterlichen Haus ihres Mannes. Den Krieg und die Zeit danach hat das Ehepaar gut überstanden. Lebensmittel wurden organisiert.

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Vor knapp 20 Jahren reiste es nach Brasilien zur Goldhochzeit von Verwandten. "Das war wunderschön", denkt Ottilia Grachten noch heute gerne an die Reise zurück. Ansonsten genoss sie mit ihrem Mann eher das nähere Umfeld als die Ferne. "Mein Mann ist bis 1998 Auto gefahren. Da waren wir viel unterwegs nach Wegberg und Hinsbeck zum Beispiel, oft auch in die Niederlande", erzählt Ottilia Grachten.

An der Maas hatte das Ehepaar einen Wohnwagen stehen und ein kleines Segelboot liegen. Jeden Freitag fuhr es dahin, um erst sonntagabends nach Mönchengladbach zurückzukehren. "Wir haben uns schönes Wetter gemacht. Morgens haben wir unsere Arbeit getan, dann sind wir essen gegangen, haben oft mit Bekannten an der Maas gesessen und erzählt. Wir wollten etwas von unseren alten Tagen haben", erzählt sie.

Franz Grachten ist vor etwa 18 Jahren gestorben. Als Ottilia die Arbeit im eigenen Haus und Garten zu viel wurde, hat sie beides verkauft. Eine Luftaufnahme im Flur erinnert an das grün umwachsene Areal. Seit drei Jahren wohnt die Jubilarin jetzt schon an der Pescher Straße. Für ihren Geburtstag wünscht sie sich viel Freude und viel Besuch. Sie hat nicht extra eingeladen, sondern geht davon aus, dass alle wissen: "Wer kommt, der kommt". Dann trägt sie sicherlich auch ihre Ohrringe und eine Kette, wie sie es jeden Tag hält. "Man muss schon ein bisschen auf sich achten", sagt Ottilia mit charmantem Lächeln.

(RP)