Baum: Die glorreichen Sieben

Baum: Die glorreichen Sieben

Klein, aber klasse – so beschreiben die Anwohner ihr Dörfchen Baum. Nicht Mal zehn Häuser stehen in dem winzigen Ort hinter Rheindahlen, zwischen Hilderath und Genholland. Das ist genug Platz für die 27 Baumer, ihre 14 Autos und natürlich eine ganze Menge Bäume.

Klein, aber klasse — so beschreiben die Anwohner ihr Dörfchen Baum. Nicht Mal zehn Häuser stehen in dem winzigen Ort hinter Rheindahlen, zwischen Hilderath und Genholland. Das ist genug Platz für die 27 Baumer, ihre 14 Autos und natürlich eine ganze Menge Bäume.

Ein Blick die Straße Baum entlang. Alle Häuser stehen auf derselben Seite, nur eine Gartenhütte ist ausgebüchst. Foto: Detlef Ilgner

Eigentlich müsste der Ort Bäumchen heißen. Oder Bäumlein. Denn ein ausgewachsener Baum ist er nicht — er hat gerade mal 27 Einwohner. "Das ist vermutlich das kleinste Dorf in Mönchengladbach", schätzt Paul Hilgers. "Aber es ist klasse so, und groß genug", findet er. Hinter Reindahlen, an der Straße zwischen Hilderath und Genholland, besteht Baum gerade mal aus sieben Häuser. Eins davon ist derzeit leer, doch die neuen Bewohner sind schon im Anmarsch.

Sie treffen dann auf eine verschworene Gemeinschaft, die Nachbarschaftshilfe noch groß schreibt und Neuankömmlinge herzlich empfängt. "Ich bin hier hervorragend aufgenommen worden", erzählt jedenfalls Sylvia Clemens. Sie ist im Juli 2008 nach Baum gezogen und fühlte sich sofort wohl. "Wenn man Hilfe braucht, ist immer einer da", sagt sie. Ihren 40. Geburtstag im November hat die "jüngste" Baumerin gleich mit dem ganzen Ort gefeiert.

Wer bauen will, muss kämpfen

"Wir haben hier ein Dorfleben, treffen uns an Geburtstagen oder bei Kommunionen", bekräftigt Paul Hilgers Frau Liselotte. Sie ist die älteste Ur-Baumerin unter den 27 Anwohnern. Die 61-Jährige lebt zwar jetzt im Haus mit der Adresse Baum 9, gebürtig stammt sie aber vom Linges-Hof gleich nebenan. Dort betrieb ihr Vater Viehwirtschaft, er hatte unter anderem Kühe, Hühner und Schweine. 20 Jahre ist das her, jetzt wohnt Sylvia Clemens in dem Gebäude und Familie Hilgers hat nebenan gebaut. "Das war ein Akt", erinnert sich Paul Hilgers. "Wenn man hier was bauen möchte, muss man kämpfen", ergänzt er. Denn Baum liege inmitten landwirtschaftlich zu nutzender Fläche, deshalb werde das Dorf auch nicht größer.

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Das Anwesen von Paul und Liselotte Hilgers ist das letzte an der Straße, dahinter ist der Weg von Feldern gesäumt. Alle Baum-Häuser befinden sich auf der selben Straßenseite: Baum 1, 2, 3, 4, 5, 7 und 9. Baum 6 und 8 gibt es nicht, nur eine Gartenhütte ist ausgebüchst und steht an der anderen Seite des Weges.

Von den 27 Bewohnern sind sieben unter 18 Jahren alt, die älteste Baumerin ist mit 85 Jahren Margarete Beuters. Anders als Liselotte Hilgers stammt sie jedoch nicht gebürtig aus dem Dorf. "Es gibt nur drei Ur-Baumer, wenn man die Kinder mal außen vor lässt", sagt Liselotte Hilgers. Außer ihr sind das Herbert Haupts in Haus Nummer 2 und Matthias Beuters aus Nummer 5.

Geschäfte gibt es in Baum nicht: "Wir haben nicht mal einen Kaugummiautomat", sagt Herbert Haupts. Dafür haben die Baumer 14 Autos, damit sie schnell mal in Rheindahlen sind. Außerdem zwei Schwimmbecken in den Gärten hinter Haus 1 und Haus 9, eine Bushaltestelle, an der morgens und mittags die Linie 27 hält, einen Papagei namens Alexander, Labrador-Mischling Joe und Westhighland-Terrier Bobby. Die Hunde gehören Sylvia Clemens. "Ich kann von hier aus in jede Richtung stundenlang mit ihnen spazieren gehen", sagt sie.

Unterwegs kommt Sylvia Clemens dann an einer ganzen Menge Bäumen vorbei — denn davon gibt es in Baum "so viele wie Sand am Meer", erzählt Paul Hilgers.

(RP)
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