Mönchengladbach: Die digitale Bremse lösen

Mönchengladbach: Die digitale Bremse lösen

Mit Profis aus Radio und Social Media lernten die Schüler des Math.-Nat.-Gymnasiums Gefahren der digitalen Welt kennen.

In der Zeit der fortschreitenden Digitalisierung tauchen auch zunehmend mehr Gefahren im Internet auf. Meist sind es junge Menschen, die als erste damit in berühren kommen und mit gefährlichem Halbwissen im Netz unterwegs sind. Welche Gefahren dort lauern aber auch welche Möglichkeiten das Internet zur persönlichen Entfaltung bietet, erfuhren die Schüler des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium nun in der dreitätigen Workshop-Reihe "Digi-Camps: Immer online - nie mehr allein?" von echten Profis.

"Am besten fangen wir nach dem Intro mit einem Sprecher an, der das Schulfest ein wenig vorstellt", schlägt Sofia vor. Die Schülerin der neunten Klasse hat sich bei der Wahl des Programms für den Radio-Workshop "Geschichten fürs Ohr: Podcast, Beiträge & Co" entschieden. "Und vielleicht bauen wir noch ein paar Hintergrundgeräusche mit in den Beitrag ein", schlägt sie ihren vier Gruppenpartnern vor. Die Aufgabe von Radio-Experte Christopher Schild: einen Radio-Beitrag zum 100-jährigen Jubiläum der Schule planen und aufnehmen. Mit zwanzig Jahren ist Schild zwar noch sehr jung, Erfahrung in der Hörfunkbranche hat er aber dennoch. "Ich habe vorher für den Sender Radio Bonn/Rhein-Sieg gearbeitet." Im Moment widmet er sich komplett der Arbeit mit den Schülern in den vielen Workshops. "Jugendliche in diesem Alter hören Radio meist nur im Hintergrund zum Beispiel beim Autofahren mit und wissen wahrscheinlich gar nicht, was alles dahintersteckt", erklärt der Rundfunk-Experte. Nach den theoretischen Grundlagen über die verschiedenen Beitragsformen geht es für die Schüler dann an die Praxis. O-Töne aufnehmen, schneiden, bearbeiten - das ganze Programm.

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Ähnlich läuft es bei Nina Jasmin im Youtube-Workshop. Nina Jasmin, selber seit einigen Jahren erfolgreiche Youtuberin mit inzwischen knapp 23 Tausend Abonnenten, zeigt den interessierten Schülern, worauf es beim eigenen Youtube-Kanal ankommt. Geübt wird die Präsentation eines Produkts - von Rucksäcken über Uhren bis hin zu Parfüms. In Gruppen wird dann die vorher eigens geplante Präsentation mit einem Camcorder gefilmt. "Wichtig ist mir insbesondere, auch die Schattenseiten des Geschäfts zu zeigen", erklärt Nina Jasmin. Sie selber wurde schon Opfer von Mobbing und sogenannten "Hate-Speeches" im Netz. "Ich habe erkannt, dass oft ganz einfach nur Neid hinter diesen Äußerungen steckt. Sowas soll und darf man gar nicht an sich heranlassen", ist sich die gebürtige Hannoverin sicher. Dies müsse man vor allem den Jugendlichen klarmachen. "Die Resonanz der Schüler ist durchweg positiv", schwärmt Axel Knobel, Fachlehrer im Medienbereich. Den Schülern gefalle es, ein Thema nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern auch einmal selbst aktiv und kreativ zu werden. Insbesondere wenn man solche Experten und Promis als "Lehrer" hat.

Ziel des Projekts sei es, die Schüler nicht nur über die Chancen und Gefahren der digitalen Medien aufzuklären, sondern diese auch langfristig in den Alltag der Schule zu integrieren, so Lara Mergardt von der Agentur BG3000. Darüber hinaus finden auch Elternabende und Lehrer-Workshops statt. Die Pilotphase hat das Projekt mit großem Erfolg überstanden. In den ersten drei Jahren beteiligten sich bundesweit bereits über 60 Schulen an dem Präventionsprojekt, mit einer Wiederbuchungsquote von 96 Prozent. "Die Camps sind kostenlos für die Schulen", erklärt Mergardt weiter. Nach der Bewerbung wird in Zusammenarbeit mit der Schule ein Konzept ausgearbeitet und Experten angeworben.

(dola)