Mönchengladbach: Die Augen der heiligen Odilie im Kunstwerk

Mönchengladbach: Die Augen der heiligen Odilie im Kunstwerk

Noch keinen richtigen Namen hatte das Wohnheim für geistig Behinderte in der Stadt Eschweiler, wo der Mönchengladbacher Wolfgang Franken früher gearbeitet hat. Der 62-jährige Künstler, inzwischen im Ruhestand, hat für das "Odilienhaus", so heißt es ab dem kommenden Wochenende, nun ein besonderes Kunstwerk entworfen.

"Das Heim wird damit der heiligen Odilie oder Odilia geweiht", informiert Franken. Odilie wurde blind geboren, erlangte das Augenlicht jedoch bei der Taufe, berichtet Franken. Daher ist die Heilige, die als Äbtissin um das Jahr 700 n. Chr. im Elass gewirkt hat, Patronin der Blinden und Sehbehinderten.

Dies spielte eine wichtige Rolle bei der Arbeit, die Wolfgang Franken mit zwölf gehandicapten Bewohnern des nahe Aachen gelegenen Odilienheims gestaltete. Er schnitt aus einer hölzernen Platte die Silhouette der Heiligen heraus, so dass vom Körper Odilias nur eine goldene Mitra und der Abtsstab künden. Ein aufgeschlagenes Buch, dessen Doppelseite auf Holzgrund mit Spachtelmasse angedeutet wird, zeigt ein Auge. Das Symbol der Heiligen. "Aber auch ein Zeichen, das mich seit meiner Beschäftigung mit der koptischen Kunsttradition in Ägypten fesselt", erzählt der Rheindahlener Künstler. Die leere Hohlform soll zeigen, "dass Odilie aus ihrem irdischen Leben herausgetreten ist in ein anderes, entrücktes Leben."

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Die Aufgabe der zwölf Laienkünstler aus Eschweiler bestand nun darin, bei einem zweistündigen Treffen auf einer zweiten Holzplatte mit blauem Fond eine Reihe Augen zu malen. Franken gab den Behinderten per Schablone die Grundform des menschlichen Auges vor. "Denn man darf Behinderte nicht bloßstellen", erklärt Franken. "Wenn Sie jemanden auffordern: ,Male ein Auge', wird er sich vielleicht frustriert abwenden, weil er überfordert ist." Die Ergebnisse der Gemeinschaftsarbeit des Doppelkunstwerks können sich auf jeden Fall sehen lassen. Die Varianten an Formen und Farben der 15 Augen auf dem blau-weißen Malgrund sind sehenswert.

"Es waren zwei wunderbare Stunden, voller Fröhlichkeit, besonders nachdem alles geschafft war", berichtet der Künstler. Am Samstag, 10. September, wird die fertige Skulptur im Odilienhaus zu Eschweiler aufgestellt.

(RP)
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