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Mönchengladbach: Die Angst vor den Windrädern

Mönchengladbach : Die Angst vor den Windrädern

Nicht nur südlich des Hardter Waldes, auch nördlich des Buchholzer Waldes sollen jeweils zwei neue Windkraftanlagen entstehen. Die NEW-Tochter NEW Re startete in Mennrath jetzt den ersten Versuch, die Anwohner von ihren Plänen zu überzeugen. Doch das misslang.

"Erneuerbare Energien ja, aber bitte nicht bei mir", so resümierte Markus Palic, Geschäftsführer der NEW Re, die Reaktionen der Bürger im Mennrather Gasthaus Zum Stefanus. Diese wiederum fühlten sich damit falsch verstanden.

Die zwei geplanten Windkraftanlagen nördlich vom Buchholzer Wald seien an dieser Stelle schlichtweg fehl am Platz — zu nah an Wohngebieten in Baum, Hilderath, Griesbarth und Mennrath, zu laut zum Schlafen bei offenem Fenster in warmen Sommernächten, zu gefährlich für seltene Vogelarten. Die NEW-Tochter hatte die Anwohner eingeladen, um über erste Planungsschritte zu informieren und zu konstruktiver Kritik aufzurufen.

Furcht vor Gesundheitsgefahr

4100 Flyer seien dazu in die Briefkästen der Umgebung verteilt worden, versicherte Markus Palic. Schon da brach im Saal Gelächter aus. Viele Haushalte hatte das Infoblatt offensichtlich nicht erreicht, Menschen fühlten sich hintergangen. So war die Stimmung von Anfang an geladen, und sie heizte sich im Laufe der zweistündigen Veranstaltung immer mehr auf. Eine konstruktive Diskussion war daher kaum möglich. Zu emotional waren die Reaktionen der Planungsgegner.

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Sie machten ihre Gefühle deutlich: Furcht vor Gesundheitsgefahr und Wertverlust des Eigenheims, Existenzangst, Wut auf die Planer, Unverständnis über die Ortswahl, Zweifel an der Notwendigkeit des Projekts. Die Vertreter von NEW Re und dem Planungsbüro BMR Energy Solutions beriefen sich immer wieder auf die Vorschriften der Bundesregierung, den Anteil regenerativer Energien bis 2020 von aktuell 3,4 Prozent in Gladbach auf 35 Prozent zu erhöhen. Am vorgesehenen Standort würden die Gesetze des Landes außerdem eingehalten. Bis zu 150 Meter soll die Höhe der beiden Windräder betragen, der Abstand zum nächsten Wohngebäude muss mindestens die dreifache Länge haben.

Die Planer rundeten von vorgeschriebenen 450 Metern auf 500 Meter auf. Eine Entfernung von 750 Metern wird sogar zu reinen Wohngebieten eingehalten. Dass Baum und Hilderath allerdings nicht als solche deklariert und somit nur 500 Meter entfernt sein würden, was gesetzlich erlaubt wäre, sorgte bei Anwohnern für Verärgerung. Sie schlugen vor, die Entscheidung über die Zukunft des JHQ abzuwarten, um dort einen vielleicht sogar größeren Windpark anzulegen. Markus Palic möchte ein solches Projekt hingegen lieber zusätzlich umsetzen.

"Es ist genau das eingetreten, was ich erwartet hatte", kommentierte Anwohner Günter Peters den Ausgang der Diskussion. "Viele Leute hatten eine vorgefasste Meinung, und waren nicht bereit, sich die Informationen anzuhören." Nur zwei der mehr als 100 Bürger hatten sich zu Vorzügen der Windräder geäußert. "Die Befürworter sind heute wohl zu Hause geblieben", resümierte Palic.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hier könnten die geplanten Windräder stehen

(RP/rl)