1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Diabetiker - schneller abnehmen mit der Tüte

Mönchengladbach : Diabetiker - schneller abnehmen mit der Tüte

Als Vorreiter in der Region bietet das Bethesda-Krankenhaus mit "EndoBarrier" ein innovatives Verfahren für stark übergewichtige Diabetes-Patienten an. Zum Welt-Diabetes-Tag wird es vorgestellt.

Auf Halle Berry trifft zu, dass sie Diabetikerin ist; aber von Übergewicht lässt sich bei dem Filmstar gewiss nicht sprechen. Allerdings weist Dr. Detlef Saric, seit April Chefarzt der Diabetologie und Ernährungsmedizin am Bethesda-Krankenhaus, auf ein verbreitetes Phänomen hin: So entwickeln viele mit Insulin behandelte Diabetiker aufgrund des veränderten Stoffwechsels starkes Übergewicht, immer häufiger laute die Diagnose "Adipositas" (Fettsucht). "Die Adipositas breitet sich weltweit epidemieartig aus", weiß Dr. Saric. Rund 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sei von extremem Übergewicht betroffen — mit negativen gesundheitlichen Konsequenzen. Dadurch erhöhe sich massiv das Risiko, an Diabetes, Asthma, Gelenkleiden, Bluthochdruck oder Tumoren zu erkranken, betont Saric: "Bei einem Body Mass Index (BMI) über 40 reduziert sich die Lebenserwartung um zehn Jahre."

Dr. Detlef Saric, Chefarzt der Diabetologie am Bethesda, und seine Mitarbeiterin Heike Schiffers. Foto: Isa Raupold

Zur wirksamen Gewichtsreduzierung bei Typ 2-Diabetespatienten bietet das Krankenhaus Bethesda nun ein innovatives Verfahren an. Mit dem sogenannten "EndoBarrier" steht eine Therapieform zur Verfügung, die exklusiv bei adipösen Diabetikern zur Anwendung gelangt. Dabei wird eine Art Tüte aus Teflon ab dem Eingang des Zwölffingerdarms implantiert. Ohne operativen Eingriff per Magenspiegelung durch die Speiseröhre und den Magen. "Es handelt sich um eine 60 Zentimeter lange, netzartige Auskleidung, mit der in einem Teil des Dünndarms eine Barriere zwischen der Darmwand und der Nahrung errichtet wird", erläutert der Diabetologe. "Dadurch wird das hormonelle Wechselspiel verändert, und die Nahrung kommt erst später mit dem Sekret der Bauchspeicheldrüse in Kontakt", ergänzt Saric. Der Erfolg stelle sich umgehend ein: "Der Patient nimmt deutlich ab, zwischen 20 und 30 Kilo in wenigen Monaten." Dadurch könnten, willkommener Nebeneffekt, auch die Insulingaben zügig reduziert werden. EndoBarrier wirke also wie ein "Magen-Bypass", aber ohne dass ein operativer Eingriff notwendig werde. Nach einem Jahr wird die "Tüte" wieder aus dem Dünndarm entfernt. Die Krankenkassen, so Mitarbeiterin Heike Schiffers, übernehmen die Behandlungskosten.

Diabetiker sollten sich, so Schiffers, "mit normalen Nahrungsmitteln ernähren, in ein normales Essverhalten zurückfinden". Dazu beraten Mitarbeiter des Krankenhauses auch ausführlich am Welt-Diabetes-Tag. Am Donnerstag, 14. November, sind alle Interessierten kostenfrei ab 9 Uhr zur Teilnahme an einem umfänglichen Programm eingeladen. Stargast ist die sechsfache Kickbox-Weltmeisterin Anja Renfordt. Die Typ 1-Diabetikerin wird um 14 Uhr einen Vortrag halten. "Dazu wird sie ihren Hund Candy mitbringen, einen Diabetes-Spürhund", berichtet Heike Schiffers. Candy vermag zu erschnuppern, wann sein Frauchen unterzuckert ist, und meldet das ihr umgehend. "Solche Hunde bewahren Diabetiker vor der Unterzuckerung", so Heike Schippers.

Außerdem gibt es Schnupperseminare in Nordic und Power Walking sowie Informationen über Krafttraining für Diabetiker. Und auf dem Gelände des evangelischen Krankenhauses wird eine große Ausstellung rund um das Thema Diabetes gezeigt. Der Eintritt ist frei.

(RP)