Mönchengladbach: Der Visionär

Mönchengladbach: Der Visionär

Der Borussia-Park ist das letzte und bekannteste Werk von Dr. Adalbert Jordan. Doch er hat sehr viel mehr bewegt in seinen 25 Jahren als Stadtplaner. Am Ende hat der Architekt aus Leidenschaft den Bundesligaverein aus seiner größten Krise geführt.

Es ist ein imposanter Rundumblick aus dem Penthouse im 13. Stock am Berliner Platz. Adalbert Jordan hat ihn genossen, wenn er zu Hause war. Aber eher still und bescheiden. Großmannssucht und Lautsprecherei war nicht die Art des Mannes, der aus seiner Wohnung herunter blicken konnte auf so vieles, was er in dieser Stadt mitgestaltet und geschaffen hat. Und das ist längst nicht nur der Bau, dessen spinnenartige, stählerne Dachkonstruktion im Westen den Horizont beim Blick aus dem großzügigen Penthouse an der Viktoriastraße begrenzt: der Borussia-Park, Dr. Adalbert Jordans letztes und bekanntestes Werk.

Dieses Stadion hat Mönchengladbachs größtem Verein, Image- und Werbeträger, die wirtschaftliche Basis dafür geschaffen, dass er in der bel étage des deutschen Fußballs wieder mitmischen kann. Der Borussia-Park hat dafür gesorgt, dass der Architekt, Stadtplaner und Borussen-Präsident Adalbert Jordan zu einem der bekanntesten Männer der Stadt wurde. Die RP-Leser wählten ihn im vergangenen Jahr zu „Gladbachs Besten“ – unter 50 Kandidaten aus der gesamten Stadtgeschichte. Es war die posthume Würdigung eines Mannes, der sein letztes Werk fast bis zur Vollendung begleitete, die Eröffnung aber nicht mehr erleben durfte: Vier Monate vorher, am 27. März 2004, war Borussias Präsident gestorben, nur 66 Jahre alt.

Geblieben ist in dieser Stadt vieles, was seine Handschrift trägt, auch wenn nur an einem Objekt das große „J“ prangt: am Jordan-Haus am Berliner Platz, gegenüber seinem 13-stöckigen Büro-Hochhaus, auf dessen Dach Dr. Jordan lebte. „Den ersten Entwurf für das Jordan-Haus hat er im Urlaub am Strand in Südfrankreich gemacht, auf Pergamentpapier, das er sich aus der Hotelküche geholt hatte“, erzählt seine Frau Eleonore.

Malen, planen, zeichnen: Das war es, was Adalbert Jordan liebte, was ihn prägte. „Er war ein sehr guter Stadtplaner“, sagt Helmut Freuen, als Mönchengladbacher Oberstadtdirektor lange Jordans Chef. „Aber er plante und entwarf nicht nur. Er hatte vor allem auch die Eigenschaft, gute Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen.“ Der Umbau des Abteiberges mit Museum und dem neuen Stiftisch Humanistischen Gymnasium, des Alten Markts, der Stadtzentren, die Sanierung des innerstädtischen Kerngebietes, Schaffung von Wohngebieten in Eicken, Beltinghoven, Ahrener Feld, Hockstein und so vieles mehr: Etwa 850 Bebauungsplanverfahren hat das städtische Planungsamt unter Adalbert Jordan abgewickelt, den ersten Flächennutzungsplan für die Gesamtstadt geschaffen, erinnert sich sein langjähriger Mitarbeiter und Nachfolger Norbert Schulz. Und dann war da die Entwicklung des Nordparks, bevor das ehemalige Militärgelände für Borussias neues Stadion ausersehen wurde.

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Adalbert Jordan erlebte, wie der damalige Manager des Bundesligisten, Rolf Rüssmann, den Umbau des altehrwürdigen Bökelbergs zu einem modernen „Sportpark“ mit Therme und Hotel für 100 Millionen Euro plante – was letztlich am massiven Widerstand der Anwohner scheiterte. Adalbert Jordan erlebte aus der Distanz die erfolglosen Versuche, im Nordpark eine Multifunktionsarena für bis zu 180 Millionen Euro zu bauen.

Adalbert Jordan hat als Präsident geschafft, was beim Deutschen Fußball-Bund niemand mehr Borussia zugetraut hatte: den Bau des Stadions. Eine Fußballarena, die bis in Details Jordans Handschrift trägt. Sie war für den Verein mit Gesamtkosten von 90 Millionen Euro (einschließlich Grunderwerb und Trainingsgelände) finanzierbar. Und ist auch für anderes als Fußball zu nutzen: Konzerte mit Elton John, Herbert Grönemeyer oder Udo Jürgens gab es. Und allein im vergangenen Jahr 440 Veranstaltungen verschiedenster Größenordnungen mit einem Millionen-Umsatz, die dem Verein ein neues Geschäftsfeld schufen, dessen Gewinn dem Fußball zugute kommt.

„Adalbert Jordan war ein kreativer Kopf und in einer für den Verein sehr schwierigen Zeit ein guter Präsident“, sagt Rolf Königs, der als „Vize“ den wirtschaftlichen Part beim Stadionbau übernahm und seit Jordans Tod der neue Mann an der Vereinsspitze ist.

Im Gelände neben dem Borussia-Park erinnert ein Straßenname an Adalbert Jordan. „Er hat die Visionen gesetzt, die Stück für Stück umgesetzt wurden“, sagt Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers. Ein Traum blieb Jordan unerfüllt: Mönchengladbach als Austragungsstätte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

(RP)
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