Mönchengladbach: Der Unbeirrbare

Mönchengladbach: Der Unbeirrbare

Mit der Präzision des Maschinenbauers stärkte Rektor Professor Hermann Ostendorf die Hochschule Niederrhein. Doch was außerhalb des Motors passierte, interessierte ihn kaum. Darum gibt‘s zum Abschied nicht nur Tränen.

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p class="text">Die Hochschule Niederrhein ist 2010 eine andere als 1994. Seinerzeit wurde Professor Hermann Ostendorf Rektor. Seither hat die Hochschule nicht nur Studenten gewonnen, sondern auch Profil. Als für viele das duale Studium noch eine Vision war, wurde es in Mönchengladbach und Krefeld längst umgesetzt.

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p class="text">Und als das Ministerium die Hochschulen im Land drängte, Leitbilder zu entwickeln, musste das der Hochschule Niederrhein eigentlich nur noch aufgeschrieben werden. Die enge Zusammenarbeit mit den Niederlanden beispielsweise gehört dazu. Ein Teil der Mittel, die die HN vom Land bekommt, ist leistungsbezogen. Dabei schnitt die Hochschule immer sehr gut ab.

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p class="text">Man kann die 16 Jahre, die Professor Ostendorf der Hochschule als Niederrhein vorstand, also mit Fug und Recht als Erfolgsbilanz erzählen. Der Maschinenbau-Ingenieur, der früher Kernkraftwerkle entwickelte, ist seine Aufgabe mit der Analysestärke und Gründlichkeit des Naturwissenschaftlers angegangen. Von seinem Weg, die Hochschule voranzubringen, hat er sich nicht abbringen lassen. Er ist ihn bis zum letzten Tag gegangen. Von inneren wie äußeren Widerständen hat er sich nicht beirren lassen.

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p class="text">Und vielleicht liegt genau in dieser Unbeirrbarkeit auch eine Antwort auf die Frage, warum ein Mann mit so unbestreitbar großen Erfolgen an etlichen Stellen auf Skepsis gestoßen ist. Zunehmende Skepsis sogar. So liegt in Mönchengladbach die Hochschule zwar fast genau im Zentrum der Stadt. Gefühlt aber ist sie weit, weit draußen. Viele Unternehmer beklagen dies. Immer wieder, beteuern sie, würden sie den Kontakt suchen, seien sehr an einem engeren Austausch zur Forschung interessiert. Auf Gegenliebe stoße dies aber nur punktuell.

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p class="text">November 2009. Zum Weinseminar der Hochschule ist die Mönchengladbacher Wirtschaftselite gekommen. IHK-Präsident Heinz Schmidt ist da, auch Eugen Viehof und Scheidt&Bachmann-Chef Norbert Miller, die man beide selten bei offiziellen Anlässen sieht, gehören zu den Gästen. Kaum ein Einladender in der Stadt darf sich rühmen, diese drei gleichzeitig als Gäste begrüßen zu dürfen. Einer fehlt. Der Rektor.

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p class="text">Er war ­ als Gastgeber ­ noch nie beim Weinseminar. Der Grund ist offenbar ein erbittert geführter Streit mit seinem Kanzler Kurt Kühr, der das Weinseminar, ein anspruchsvolles Get Together, einst erfunden hatte. Eine Momentaufnahme. Aber eine mit Symbolcharakter. Bei den meisten repräsentativen Ereignissen in der Stadt fehlt die Hochschule.

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p class="text">Zu verstehen, wie die Hochschulwelt funktioniert, reicht dem Naturwissenschaftler. Nach außen vertreten mag er sie nicht. So fällt bei den kleineren und größeren Unfällen und Skandalen, die es in so einem großen Betrieb über die Jahre zwangsläufig immer gibt, eines auf. Ostendorf mag nach außen keine Stellung beziehen, schaltet im Zweifel das Handy ab.

Auf der Zielgeraden seiner Karriere fing sich Ostendorf, der bis dahin seine Kontakte zum Ministerium stets zugunsten der Hochschule zu nutzen wusste, eine kräftige Watschn von Minister Andreas Pinkwart ein. Die Studenten hatten herausgefunden, dass mehr als sechs Millionen Euro ihrer Studiengebühren noch nicht ausgegeben worden waren. Pinkwart schäumte. Das Geld sei nicht zu horten, sondern unverzüglich zum Wohl der Studenten einzusetzen. Ostendorf sieht das anders. Erst als der Minister mit dienstrechtlichen Konsequenzen und schließlich mit der Rückzahlung der nicht ausgegeben Gebühren an die Studenten drohte, gab der Rektor nach.

(RP)