Mönchengladbach: Der "Tiger" ist ein bunter Hund

Mönchengladbach: Der "Tiger" ist ein bunter Hund

Erfolg, Glamour und Skandälchen: Stefan Effenberg hat in seiner Zeit bei Borussia nicht nur auf dem Rasen für Schlagzeilen gesorgt. Alles begann mit einer Flucht aus dem Trainingslager, einem beschädigten Auto und einer 5000-Mark-Strafe. Jetzt will der 42-Jährige als Sportdirektor zurückkommen.

Wie würde wohl Stefan Effenberg als Gladbachs neuer Sportdirektor reagieren, wenn — nur als Beispiel — Borussias Hoffnungsträger Marc-André ter Stegen im nächsten Herbst einfach aus dem Trainingslager ausbüxt und dabei einen geliehenen Wagen beschädigt? Vielleicht wird sich "Effe" dann an den eigenen Karriere-Start 1987 erinnern.

Damals lieh sich Effenberg während eines Trainingslagers in Süchteln mit seinem Mannschaftskameraden Jörg Neun den Geländewagen des Physiotherapeuten Charly Stock aus.

Offiziell wollten sie mit dem Jeep, den Jupp Heynckes nach seinem Wechsel zu den Bayern Stock überlassen hatte, nur zum Minigolf fahren. In Wahrheit blieben sie am Gladbacher Müllberg stecken, ließen das Auto zurück und mussten später jeweils 5000 Mark Strafe zahlen. Es war der Beginn einer an Erfolgen, an Glamour, aber auch an Skandälchen reichen Karriere.

"Wenn ich Stefan treffe, lachen wir noch immer darüber. Auf dem Platz waren wir dann aber fit", erinnerte sich zuletzt Jörg Neun an die stürmischen Anfangsjahre mit seinem Kumpel. Ein anderes Mal ballerten beide im Stuttgarter Waldhotel Degerloch mit einer Luftpistole im Zimmer herum. Effenberg war kein Kind von Traurigkeit, das sollte sich in seiner gesamten Laufbahn nicht ändern. 1994 wurde er während der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA von Bundestrainer Berti Vogts aus dem Kader geworfen, nachdem er beim 3:2-Zittersieg gegen Südkorea in Dallas deutschen Fans den Mittelfinger gezeigt hatte. Wenige Wochen später kehrte "Effe" nach Gladbach zurück — und sorgte wieder für Schlagzeilen.

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So predigte er im Rahmen der "Glaubensreihe" des Rheydter Pfarrers Klaus Hurtz in der St. Franziskus-Gemeinde. Dann wurde er beschuldigt, in einer Winternacht 1996 vor seinem Haus in Niederkrüchten einen alkoholisierten Mann getreten zu haben. Das Verfahren gegen ihn und seine damalige Frau Martina wurde im Februar 1997 allerdings eingestellt. In seiner Wahlheimat wollte Effenberg auch einmal Bürgermeister werden, zumindest soll er dies in einer Bierlaune den Niederkrüchtenern für die Zeit nach seiner Profi-Laufbahn in Aussicht gestellt haben.

Nach seinem zweiten Wechsel nach München füllte er die Klatschspalten. Er trennte sich von seiner ersten Frau, heiratete die Ex seines Mitspielers Thomas Strunz und führte ein öffentliches Leben. Seine Biographie "Ich hab's allen gezeigt" floppte ebenso wie die Doku-Soap "Effenbergs Heimspiel" im Privatfernsehen. Doch seit einiger Zeit versucht der 35-fache Nationalspieler den Fokus wieder auf den Sport zu richten.

Effenberg tritt als Experte beim Bezahlsender Sky auf, absolviert einen Kompaktlehrgang für die Trainer-A- und B-Lizenz. Nun bewirbt er sich für den Job des Sportdirektors bei seiner Borussia, wo er noch viele Fans hinter sich weiß. Die Anhänger verziehen ihm damals jeden Fehltritt, den ersten Wechsel zu den Bayern oder auch seine lange Schwächephase, ehe er die Gladbacher 1998 nochmals zum Klassenverbleib führte.

Sie liebten "Effe" als Anführer, als kämpferisches Vorbild, als den Tiger ihrer Fohlen-Elf, die mit ihm 1995 mit dem DFB-Pokal den letzten großen Titel gewann. Jetzt will der "Tiger" Sportdirektor ihrer Borussia werden.

(RP)
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