Mönchengladbach: Der Teufel wütet in der Krypta und wird durch die Lilie verbannt

Mönchengladbach : Der Teufel wütet in der Krypta und wird durch die Lilie verbannt

Im ältesten Raum der Stadt soll sich Unheimliches zugetragen haben. Daran erinnern drei Risse in der Grabplatte des Heiligen Adelberts. Albert Damblon hat die Geschichte aufgeschrieben.

Die Geschichte vom Teufel, der die Grabplatte des Heiligen Adelbertus mit seinem Pferdefuß spaltete, müsste jeder kennen, der einmal eine Führung durch die Münsterbasilika inklusive der unterirdischen Krypta - übrigens der älteste Raum in der Stadt - gemacht hat. Für alle, denen die Sage unbekannt ist, hat der ehemalige Regionaldekan und Ex-Propst Albert Damblon die Geschichte noch einmal neu und wunderbar szenisch aufgeschrieben und in einem Buch veröffentlicht. Erschienen ist es unter dem Titel "Eine Geschichte des Teufels" im Mönchengladbacher Kühlen-Verlag. Zusammengefasst geht die Sage so:

In der Krypta haben sich drei Soldaten verschanzt, um ungestört ihrer Spielleidenschaft frönen und der Langeweile entkommen zu können. Denn während der Kaiser auf dem Feld von Schlacht zu Schlacht eilt, bleibt es in der kleinen Stadt um die Abtei ruhig. Zu ruhig für die Landsknechte, deren Beruf eigentlich der Kampf ist. Sie haben ihr Kartenspiel mitgebracht und fünf Flaschen Rotwein. Sie machen den Sarkophag des Heiligen Adelbertus zu ihrem "Spieltisch", die Krypta zur "Spielhölle". Als die Sonne untergegangen ist, gesellt sich eine dunkle Gestalt zu ihnen. Die Kriegsknechte lassen ihn mitspielen, obwohl er bedrohlich wirkt. Es kommt, wie es kommen muss: Alle drei verlieren ihren kompletten Sold an den Fremden.

Inzwischen ist die Sonne aufgegangen, die dunkle Gestalt bietet den Soldaten ein letztes Spiel an. Der Einsatz - ihre drei Seelen. Unterbrochen wird das schreckliche Kartenspiel, als in der Krypta der Klang der Sakristeiglocke zu hören ist. Die Frühmesse der Mönche beginnt, der Teufel erstarrt. Er springt auf die Grabplatte, und mit seinem Pferdehuf tritt er auf den Stein ein - bis dieser zerspringt. Der Rotwein kippt auf die Platte, der Teufel reißt das keine Fenster der Krypta aus der Verankerung - und verschwindet. Was bleibt, sind die drei Risse im Stein und die Rotweinflecken - und das bis heute.

Foto: pixabay

Albert Damblon ist ein geübter Erzähler. Er schreibt diese Geschichte wunderbar lebendig. Er lässt die Soldaten miteinander sprechen, der Leser lauscht der groben Konversation und meint, die Bedrohung durch den Teufel regelrecht zu spüren. Und irgendwie liegt während der Lektüre ein beißender Schwefelgeruch in der Luft. Ob sich diese Geschichte so oder ähnlich zugetragen hat - wer weiß? Damblon berichtet: "Die Besucher der Krypta reagieren unterschiedlich, wenn am Grab des Heiligen Adelbertus die Teufelssage erzählt wird. Kinder sind ganz wild darauf."

300 Jahre lang blieb das Fenster der Krypta offen. Erst in den 1980er Jahren schuf der bekannte Glaskünstler Georg Meistermann seine Fenster mit dem Marienzyklus für die Krypta. - eines davon mit einer Lilie im Mittelpunkt. Albert Damblon schreibt: "Ich behaupte, dass die Fensterbilder Schutz vor dem Bösen bieten." Der Teufel muss draußen bleiben.

Foto: Kühlen-Verlag

Der Autor berichtet nicht nur von der Sage, er stellt auch Zusammenhänge zu den Domen in Aachen und in Köln her, an deren Erbauung der Teufel beteiligt gewesen sein soll. Ein weiteres Bauwerk galt als Satans Werk: die römische Wasserleitung, die von der Eifel bis nach Trier und Köln führte. Die Grabplatte in der Krypta des Münsters, auf denen die Soldaten mit dem Teufel Karten spielen, stammt aus dieser Wasserleitung. Es handelt sich um Sinter - abgelagerten Kalk. Lesenswert ist dieses Buch - sagt es doch viel aus über den Volksglauben der Vorfahren.

Albert Damblon/Wolfgang Löhr: Eine Geschichte des Teufels, B. Kühlen Verlag, ISBN 978-3-87448-486-2

(isch)
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