Mönchengladbach: Der singende Friseurmeister

Mönchengladbach: Der singende Friseurmeister

Peter Lauven (66) liebt seine Frau, seinen Beruf und Schlager: Über eine ungewöhnliche Karriere zwischen Bühne und Friseursalon.

Ja, diese Stimme. "In den Augen der Andern gehörst du nicht mir / denn wir zwei sind zusammen, ohne Ring und Papier. / In den Augen der Andern, darf das nicht sein / Aber wir beide, wir seh'n das nicht ein." Peter Lauven sitzt in einem Friseurstuhl im Herrenbereich und singt weiter: "Judy, oh Judy die Leute reden so viel / wir lassen jeden, denken und reden, was er nur will." Seine Stimme ist leise, aber klar. Die Texte von Christan Anders mag der 66 Jahre alte Friseurmeister besonders. "Mein Mann hat eine gute Stimme", sagt Brigitte Lauven, die ihre Arbeit im Damensalon kurz unterbricht.

Seit 1981 betreiben die beiden ihren Salon auf der Dohrer Straße. Damals gab es noch drei oder vier Friseure in Dohr, erinnert Peter Lauven sich: "In Dohr hieß es an der Kneipentheke, ihr habt nicht lange. Das war eine schwere Zeit, bis wir dazu gehörten. Aber wir haben uns davon nicht beeinflussen lassen." Für ihn und das Geschäft war es wichtig, im "Dorf" präsent zu sein. So war Peter Lauven natürlich Mitglied in der Feuerwehr, im Gesangverein und im SV Dohr. Über die Jahre sind die Dohrer Stammkunden geworden. Laufkundschaft gäbe es in diesem Ortsteil zwischen Rheydt, Mülfort und Giesenkirchen kaum.

Der Aachener kam der Liebe wegen nach Rheydt. Da er als gelernter Feinmechaniker keine passende Arbeit fand und ihn ohnehin die Arbeit seiner späteren Frau faszinierte, lag die Entscheidung auf der Hand. Mit Mitte 30 setzte er sich noch einmal auf die Schulbank, neben 16-Jährige. Er machte bei Axel Boes in Rheydt, "damals der größte Salon in Rheydt, in zwei Jahren die Ausbildung. Danach den Meister."

Im Salon Lauven läuft immer Musik. "Ausschließlich WDR 4", betont der Friseurmeister. Das hat nicht nur damit zu tun, dass ihm die Arbeit mit Schere, Kamm, Fön oder Rasierapparat mit Musik leichter von der Hand geht. Neben den Liedern von Christian Anders sind auch die Schlager von Michael Holm, Dennie Christian oder auch Bernd Clüver sein Ding. Vor allem in den 70ern ist Peter Lauven durch die Diskotheken im Raum Aachen, Düren, Köln, aber auch in Belgien und in Holland, wie er sagt, getingelt: "Zwei-, dreimal in der Woche." Zunächst sang er zur Musik seiner Vorbilder, "deren Stimme einfach etwas leiser gedreht wurde. Später gab es Diskotheken, in denen ich playback gesungen habe." Und das sehr erfolgreich, wie er sich erinnert: "Ich bin bei Ausscheidungen mit Erfolg gegen andere Coversänger angetreten." Seinen größten Coup habe er im damaligen Hotel Romantika in Baesweiler eher unfreiwillig gelandet: "Ich war nicht nominiert. Aber der Diskjockey fragte nach der Vorstellung der zehn Kandidaten, wer aus dem Publikum sein Glück versuchen wollte." Sein Freund machte "den DJ gegen meinen Willen auf mich aufmerksam. Obwohl ich mit der dortigen Band noch nie aufgetreten war, und ich kaum glauben mochte, dass sie den Song ,In den Augen der andern' kannte, wurde es ein voller Erfolg. Der Applaus der Zuschauer schon zu Beginn hat mich getragen." 800 Gäste seien dort gewesen. Am Ende hat Peter Lauven den Wettbewerb gewonnen. Er hat damals "Aufträge genug bekommen können. Viele Agenturen wollten mich buchen."

Peter Lauven hat als Sänger unter anderem Marianne Rosenberg und Bernd Clüver kennengelernt. Dass er doch Feinmechaniker geblieben ist und später Friseurmeister, hat mit einem schicksalhaften Umstand zu tun. Ein holländischer Diskobesitzer in Eschweiler hatte ihm ein Treffen mit Schlagerproduzent Erik Silvester verschafft. Es ging um einen Schallplattenvertrag. Aber: "Ich wollte an dem Tag meine damalige Freundin in Aachen vom Zug abholen. Aber der hatte zwei Stunden Verspätung. Ich habe natürlich gewartet. Daher habe ich das Treffen in Eschweiler verpasst." Seinen vorerst letzten großen Auftritt hatte der singende Friseurmeister von drei Jahren bei einer Frauensitzung in Aachen.

(akue)