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Mönchengladbach: Der Regiopark ist bald voll

Mönchengladbach : Der Regiopark ist bald voll

Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer von Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Entwicklungsgsgesellschaft, erklärt, warum die Stadt dringend neue Gewerbeflächen braucht, was im Nordpark passiert und warum der Flughafen eine Zukunft hat.

Wie sehr erwischt Mönchengladbach die Wirtschaftskrise im Vergleich zu anderen Städten?

Schückhaus Auf dem Neujahrsempfang der EWMG und WFMG habe ich gesagt, dass wir etwas besser durchkommen als andere. Wir haben zwar auch Probleme in einigen Branchen, beispielsweise im Textilmaschinenbau und in metallverarbeitenden und zuliefernden Betrieben. Aber im Vergleich zu anderen Städten geht es uns einen Ticken besser, wie Zahlen belegen.

Woran liegt das?

Schückhaus Wir sind breiter aufgestellt. Früher gab es hier mit der Textilindustrie eine Monostruktur. Da schlugen Branchenkrisen sofort durch. Wenn dann noch eine Wirtschaftskrise dazu kam, war diese Struktur extrem anfällig. Heute schlagen die Krisensymptome sehr unterschiedlich in der Stadt auf. Der Textilmaschinenbau ist ein Frühindikator. Als 2008 noch alle gejubelt haben, da fing die Krise dort schon an. In der Software-Industrie ist es sehr lange gut gegangen, weil diese tendenziell zu späteren Zeiten krisenanfällig sind. Im Maschinenbau haben Betriebe oft lange Vorlaufzeiten. Die arbeiten ihre vollen Auftragsbücher ab, haben aber einen geringen Auftragseingang.

Sind wir am Schlimmsten vorbei?

Schückhaus Ich glaube, dass es auf den Arbeitsmarkt in 2010 noch durchschlagen wird. In vielen Betrieben herrscht Kurzarbeit und die läuft irgendwann aus. Wir werden auch noch die eine oder andere Insolvenz erleben, weil am Ende einer Wirtschaftskrise oft die Liquidität ausgeht.

Wie schafft man es, Unternehmen davon zu überzeugen, nach Mönchengladbach zu kommen?

Schückhaus Insgesamt müssen wir mit der guten Standortqualität werben, differenziert nach den Bedürfnissen einzelner Branchen. Kreative Branchen sind gut zu überzeugen, weil wir inzwischen mit dem V16 und dem Apparillo eine Szene bieten können. Auch bei der Logistik können wir noch eine Menge entwickeln. Mönchengladbach hat sich als Logistikstandort bereits einen Namen gemacht. Und die Logistiker sind interessant, weil sie keineswegs "Flächenfresser" sind, sondern durch Übernahme von Aufgaben aus der Produktion viele Arbeitsplätze bieten.

Brauchen wir weitere Gewerbeflächen?

Schückhaus Selbstverständlich brauchen wir auf Sicht neue Flächen. Heute haben wir zwar genug, aber 2011 möglicherweise schon nicht mehr. Dann brauchen wir im Norden, aber auch im Regiopark weitere Gewerbeflächen, um Unternehmen ansiedeln zu können. Der Regiopark hat sich als Logistikstandort etabliert. Wir haben diverse Anfragen dafür. Im Norden sollte man sich mit dem Gelände der Trabrennbahn beschäftigen. Insgesamt ist zügiges Handeln gefordert, denn wir brauchen allein schon für Änderungen oder Aufstellung eines Bebauungsplans etwa ein Jahr.

Was ist mit dem Nordpark?

Schückhaus Die meisten Flächen sind veräußert und mit konkreten Vorhaben verknüpft. Wir sind mit der Verwaltung dabei, einen Bebauungsplan aufzustellen, um die weiteren verfügbaren Flächen in Gewerbeflächen umzuwidmen. Das sind dann etwa 400 000 Quadratmeter. Wir haben die BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) angeschrieben, um Gespräche über die Grundstücke an der Lilienthalstraße aufzunehmen, die an dieses Gebiet grenzen.

Hat sich schon jemand bei Ihnen mit einer guten Idee für das JHQ gemeldet?

Schückhaus Durch unsere Skizze im Zusammenhang mit einer Energie-Hochschule gibt es immer wieder mal Anfragen. Aber immer für einen kleineren Teil der Fläche. Zum Beispiel kam das Thema Elektro-Mobilität auf, mit Fahrzeugen, Batterien und Zuliefererbereich. Aber für konkrete Planungen ist es noch viel zu früh.

Welche Bedeutung spielt der Flughafen als Standortfaktor?

Schückhaus Der Flughafen ist eine vertane Chance. Düsseldorf hat uns zehn Jahre vorgeführt. Wir hätten mit dem Ausbau Arbeitsplätze in vierstelliger Zahl schaffen können.

Haben Sie die Hoffnung, dass sich da nochmal was tut?

Schückhaus Warum sollte Düsseldorf seine Anteile halten, wenn sie den Flughafen nicht brauchen? Dann könnten sie uns ja ihre Anteile in irgendeiner Form zurückgeben, und wir könnten uns neue Partner suchen. Ich glaube aber, die Düsseldorfer haben gar kein Interesse, ihre Anteile abzugeben, weil sie sich alle Optionen offen halten wollen.

Wie ist der Stand beim Handels- und Dienstleistungszentrum?

Schückhaus Wir sind im Vergabeverfahren in der Phase, in der Fragen geklärt und verhandelt werden. Ich gehe davon aus, dass wir dem Rat noch vor der Sommerpause einen Vorschlag unterbreiten werden.

Man hatte zuletzt den Eindruck, dass sich die beiden Bieter in herzlicher Konkurrenz verbunden sind. Fürchten sie nach der Vergabe eine Klage?

Schückhaus Das kann man nie ausschließen, auch wenn ich dafür bislang keinen Ansatz sehe. Beide Bieter sind stark interessiert, etwas in Gladbach zu machen. Was auch ein gutes Zeichen für den Standort ist.

Wer ist eigentlich die viel zitierte Kreativbranche?

Schückhaus Das sind Modedesigner, Fotografen, Internetagenturen oder Werbeagenturen, die sich gegenseitig befruchten. Diese haben früher häufig geklagt, dass sie kein Netzwerk haben. Das Wichtigste in diesem Bereich ist, der Kreativszene in Mönchengladbach neue Angebote zu machen, um sozusagen "von unten" zu wachsen. Wenn eine Marke oder eine Marketingagentur hier Erfolg hat, wird sie weiter expandieren in der Stadt.

Ralf Jüngermann und Garnet Manecke führten das Gespräch.

(RP)