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Mönchengladbach: Der Pfarrer traute uns vor dem Zapfhahn

Mönchengladbach : Der Pfarrer traute uns vor dem Zapfhahn

Erich und Mienchen Heckmann sind 67 Jahre glücklich verheiratet. Dass sie immer noch so fröhlich sind, hat vielleicht auch etwas mit dem selbstgebrannten Rübenschnaps zu tun, den es bei ihrer Hochzeit gab.

Das war schon eine ungewöhnliche Trauung: Erich Heckmann (91) und seine Frau Mienchen (87) denken gerne an ihren "schönsten Tag im Leben". Auch wenn das Leben damals ziemlich entbehrungsreich war. "Wir sind immer noch fröhlich", sagt Erich Heckmann. Und weil das so ist, wollte das Paar uns ihre schöne Geschichte zur Juppekerk in Rheydt erzählen, in der gerade ein tränenreicher letzter Gottesdienst stattfand. Denn die Josefskirche wurde entwidmet. Sie ist nun eine Grabeskirche. Vor 70 Jahren dachte noch niemand an so etwas.

Die Juppekerk war noch ein Ort, an dem Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten stattfanden. Allerdings nicht, als Erich und Mienchen Heckmann heiraten wollten. Es war das Jahr 1947, die Josefskirche im Zweiten Weltkrieg zerstört und noch nicht wieder aufgebaut worden. Das damals junge Paar musste in die 100 Meter entfernte Gaststätte Schmitz ausweichen. "Der Tresen wurde mit einer Decke abgedeckt, und der Pfarrer stand hinter dem Zapfhahn und traute uns", erzählt Erich Heckmann. Anschließend gab es selbstgebrannten Rübenschnaps. Es sollte eine lustige Hochzeit werden, eine sehr lustige. "Deshalb sind wir auch heute noch so lustig", berichtet Erich Heckmann, und seine Frau stimmt lachend zu.

So ungewöhnlich die Trauung, so ungewöhnlich ist auch die Vorgeschichte. Das liegt an dem Umstand, dass Erich Hackmann evangelisch ist, seine Frau katholisch. Eine Hochzeit zwischen den beiden Konfessionen ist heute nichts Ungewöhnliches, damals aber sehr wohl. Eigentlich sollte die Hochzeit in Kaldenkirchen stattfinden, wo die Braut damals lebte. Doch der Pfarrer wollte das Paar nicht trauen. Auch der Pastor der Franziskuskirche in Rheydt-Geneicken, wo der Bräutigam wohnte, lehnte ab, was vielleicht auch daran lag, dass Erich Heckmann nicht am Brautunterricht teilnehmen wollte.

Der Pfarrer in St. Josef sagte zu. Das Paar durfte heiraten, nur nicht in der Kirche - aus den anfangs erklärten Gründen. Weil das Gotteshaus kriegsbeschädigt war, wurde die Trauung kurzerhand in die Gaststätte verlegt. Kneipe statt vor dem Altar, kein weißes Kleid für die Braut und kein Fotoapparat, um das Ereignis festzuhalten - "damals gab es ja nichts", berichtet der 91-Jährige, der deshalb keineswegs traurig ist. "Wir sind seit 67 Jahren verheiratet und immer noch so glücklich wie am ersten Tag", sagt Erich Heckmann. Und: "Unseren ersten Herd haben wird aus einer alten Scheune geholt und erst einmal entrostet. Im Laufe der Ehejahre kamen ein Kind und zwei Enkelkinder dazu. Zusammen verbringen sie ein "ziemlich lustiges Leben", wie das Paar noch einmal versichert.

(RP)