Karneval in Mönchengladbach: Der Oberbürgermeister fliegt vom Balkon

Karneval in Mönchengladbach: Der Oberbürgermeister fliegt vom Balkon

Das Prinzenpaar wurde per Kran auf den Rathaus-Balkon gehoben, zurück stieg OB Reiners ein. Der Ratssaal blieb erstmals feierfrei.

Die Gardisten verteidigten den Eingang des Rheydter Rathauses mit allen Kräften. Es gab kein Durchkommen. Deswegen stürmten Prinz Guido II. und Niersia Verena das Rathaus in diesem Jahr aus der Luft. Mit einem Kran ließen sich die Tollitäten auf den Balkon tragen - ganz zur Freude der Niersia, der nach dem Flug "ein bisschen übel" war. Im Gegenzug schlug der Prinz - wohlgemerkt nachdem er den Schlüssel zum Rathaus und somit die Macht in Händen hielt - Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners nebst seiner Gattin für den Rückflug vor. Der OB hob ab, ging in die Luft, um Minuten später auf dem Rheydter Marktplatz wieder Bodenhaftung zu bekommen.

War dies noch eine Veränderung im Ablauf, die alle zum Schmunzeln brachte, sorgte eine andere bei vielen für Verärgerung: Wie in all den Jahren zuvor gab es zwar ein Zwiegespräch zwischen dem OB (oben auf dem Balkon mit mit Stadtprominenz) und dem Chef des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV), Bernd Gothe, unten auf dem Platz inmitten der Garden.

Doch der Ratssaal, sonst Ort der anschließenden Feier mit geladenen Gästen, blieb diesmal leer. Wo sonst Bands spielten und Narren tanzten, war schon alles eingedeckt für die Ratssitzung am Donnerstag. Dafür zog eine muntere Karawane vom Empfang im Festzelt auf dem Marktplatz durchs Rathaus nach oben auf den Balkon - und nach dem angefälschten Rathaus-Stürmchen ging's wieder zurück ins Zelt. Das blieb wegen der ausgelagerten Rathaus-Feier bis 14 Uhr für den Rest der Mönchengladbacher gesperrt. Der Grund für all das: OB Reiners will Geld sparen (auch das Freibier für Stadt-Mitarbeiter im Ratskeller soll ausgefallen sein), zudem stellt er die Angemessenheit solcher Partys im Ratssaal in Frage.

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Auch beim Wortduell zwischen Reiners und Gothe gab es klare Worte: "Zu Gladbachs steiler Einkaufsbahn fehlt immer noch der Masterplan. Ich führ ja gerne seit drei Jahr am liebsten mit ner cable car", sagte Gothe zum Busverkehr auf der Hindenburgstraße und setzte zur umstrittenen Gestaltungssatzung nach: "Auch Rheydt will kräftig man beschränken, weg mit Blumenkübeln, Bänken. Geschäftsschilder in Elefantengrau, erlaubt man hier doch keiner Sau. Wie willst du denn mit solchen Dingen Leben und Farbe hierher bringen?" Reiners konterte mit dem Fortschritt bei Sauberkeit und schlug vor, viele Bernie-Clowns zum Sammeln der Zuggroschen aufzustellen. Zug war das richtige Stichwort für Gothe, er legte zum desolaten Hauptbahnhof nach: "Ich frag dich neben all den Sachen: Was willst du mit dem Drecksloch machen?" Reiners nahm die Deutsche Bahn in die Mangel: "Ich werde, und das wirst du sehen, ihr ständig auf die Nerven gehen."

Spannend machte es der wichtigste Mann im Rathaus beim Einlösen seiner Wette. Gothe hatte Reiners mit einer harten Aufgabe herausgefordert: Der OB musste es schaffen, drei Ratsleute, die in Rheydt oder Mönchengladbach geboren sind, in drei Rolltonnen in den Borussia-Farben auf den Rathausbalkon zu bekommen. Doch damit nicht genug: Die Ehepartner der Ratsleute sollten jeweils aus dem anderen Teil der Stadt kommen. "Was haltet ihr davon, wenn wir alle Tonnen so streichen?", rief Reiners ins Mikrofon und präsentierte die drei Tonnen auf dem Balkon. "Den zweiten Teil der Wette löse ich im Zelt ein." Und so wurden auch die Tonnen wieder nach unten transportiert. Immerhin: Man blieb in Bewegung.

Seinen Müll wird der OB zumindest nicht alleine aufräumen müssen. Dank der Hilfe der Ratsmitglieder Doris Jansen, Oliver Büschgens und Michael Schmitz schaffte er zumindest ein Unentschieden bei der Wette. Gothe und er müssen nun die letzte zu leerende Ringtonne und die erste zu leerende Rolltonne vor ihren eigenen Häusern eigenhändig in die Müllwagen kippen.

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(RP)