Mönchengladbach Der Mensch, geborgen in der Hand Gottes

Mönchengladbach · Der verstorbene Beigeordnete Antonius Gathen stiftet posthum dem Gladbacher Münster St. Vitus ein Fensterbild.

Als der in der Honschaft Winkeln geborene und dort viele Jahrzehnte schaffende Glasmaler Ernst Jansen-Winkeln 1992 im Alter von 88 Jahren starb, hinterließ er einen riesigen Schatz: zahlreiche Ölbilder, 500 Grafiken, Kirchenausmalungen und vor allem Glasfenster in mehr als 100 Kirchen, darunter auch einige in seiner Heimatstadt Mönchengladbach. Doch in der Basilica minor des Bistums Aachen, dem Gladbacher Münster, findet sich bislang kein Werk von Jansen-Winkeln.

Das ändert sich nun, denn am morgigen Sonntag wird ein kleines, innen quadratisches, von vier halbkreisförmigen Ornamenten umschlossenes Kirchenfensterbild des bedeutenden Glasmalers aus Winkeln bei einer Festmesse in der Münsterbasilika geweiht. Pfarrer Wolfgang Thomé wird darüber in dem um 11 Uhr beginnenden Gottesdienst predigen und die Symbolik des Bildes erläutern.

Die Glasmalerei zeigt einen winzigen Menschen, der seine Hände anbetend nach oben streckt. Er wird von zwei riesigen Händen getragen und gehalten. Die Kunsthistorikerin und Diplom-Ingenieurin Dr. Annette Jansen-Winkeln, Schwiegertochter des verstorbenen Künstlers, sagt dazu: "Der Entwurf entstand in den 1970er-Jahren. Ihn hat der vor einem Jahr gestorbene Mönchengladbacher Beigeordnete Dr. Antonius Gathen vor seinem Tod im vergangenen Jahr ausgewählt, um daraus eine Glasmalerei für das nördliche Seitenschifffenster des Münsters gestalten zu lassen. Eine Firma in Mülheim an der Ruhr hat das Werk ausgeführt, und nun ist es an seinem bestimmten Platz, etwa 45 mal 47 Zentimeter groß, in ungefähr sechs Meter Höhe über dem Kirchenboden." Im Münster St. Vitus.

Der ehemalige Rechtsdezernent Mönchengladbachs war ein hochgebildeter Mensch, der sich stark für die schönen Künste, für Literatur, Musiktheater und Musik interessierte. Und er war, daran erinnert der gleichnamige Sohn des Künstlers Ernst Jansen-Winkeln, rund 15 Jahre lang Vorsitzender der 1993 eingerichteten Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts. Der gemeinnützige Verein hat sich das große Ziel gesetzt, möglichst den Bestand der Glasmalerei ganz Nordrhein-Westfalens zu sichten, zu erfassen und zu dokumentieren. "Dabei kommt es häufig vor, dass wir Glaskunst aus Kirchen retten müssen, denen der Abriss droht", nennt Annette Jansen-Winkeln einen Zweig ihrer vielfältigen Arbeit, die das NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport fördert.

Bisher, so schätzt die Expertin, hat die Forschungsstelle von ihrem Stammsitz in Winkeln aus zwischen 65 000 und 70 000 Glasmalerei-Bilder dokumentiert. "Sie befinden sich in Kirchen, Rathäusern, Schulen, Fabriken, aber auch in Privatwohnhäusern", erklärt sie. Annette Jansen-Winkeln hat nach dem Tod von Antonius Gathen den Vorsitz des Stiftungsvereins übernommen.

Mit dem Jahrgedächtnis für Antonius Gathen wird morgen, 11 Uhr, das von ihm gestiftete Fenster "Der Mensch in der Hand Gottes" ins Eigentum der Münsterkirche übergehen. Dr. Willi Hütz wird eine Toccata von Charles-Marie Widor an der Orgel spielen. "Die hatte er sich schon zum Begräbnis gewünscht", sagt die Witwe Elke Gathen.

(RP)
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