Mönchengladbach: Der Mann, der sieben Päpste fotografierte

Mönchengladbach : Der Mann, der sieben Päpste fotografierte

Vor zwei Wochen konnte der Fotograf Josef Albert Slominski seine Papst-Serie vervollständigen. Der 77-Jährige machte im Vatikan Bilder von Papst Franziskus. Eine Auswahl seiner Prominenten-Porträts zeigt das Museum Schloss Rheydt.

Auf den Namen des Fotografen Josef Albert Slominski, kurz: Slomi, stieß Museumsdirektor Dr. Karlheinz Wiegmann bei der Vorbereitung der Gedenkausstellung über den ehemaligen Ministerpräsidenten Franz Meyers. Ein gelungenes Schwarz-Weiß-Porträt des Gladbachers fiel im positiv auf. Nun präsentiert das Rheydter Schlossmuseum den 1937 in Bochum geborenen Spitzenfotografen, der seit 60 Jahren das besondere Vertrauen von Politikern, Geistlichen, aber auch von Künstlern, Sportlern und Wirtschaftslenkern genießt, in einer Einzelausstellung. 124 Fotografien von 113 Personen, konsequent einheitlich in Schwarzweiß, schmücken als an den Wänden umlaufender Bilder-Fries die Schauräume der Vorburg. Bei der Auswahl hat dem heute im Tecklenburger Land lebenden, vielgereisten Fotografen seine Ehefrau Gabriele Richter zur Seite gestanden, bei der Hängung beriet Museumskustos Dr. Klaus Möhlenkamp.

Zu absolvieren ist ab Sonntag (Eröffnung: 11.30 Uhr) im Museum ein personalisierter Rundgang durch 60 Jahre Bundesrepublik. "Das erste Foto von Konrad Adenauer machte ich mit 17, das war 1954 beim Bonifatiusfest vor dem Katholikentag in Fulda", erinnert sich der Mann mit dem charakteristischen Kinnbart und der legeren Lederjacke. Ein Jahr später schaffte er es, mit Empfehlungsschreiben des Paderborner Erzbischofs Lorenz Jaeger, Papst Pius XII. fotografieren zu dürfen. Es folgten fünf weitere Päpste. Zuletzt war er vor zwei Wochen erneut im Vatikan - um mit Franziskus seinen siebenten Papst abzulichten.

Freilich hatte und hat Slomi nicht immer Erfolg bei seinen Bemühungen. Schnappschüsse aus dem Medienpulk bei öffentlichen Anlässen sind nicht sein Ding, er bevorzugt die persönliche Begegnung. "Ferdinand Piëch lehnte es ab, fotografiert zu werden, aber er schrieb mir dazu persönlich einen Brief", berichtet Slominski. Der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck habe ihn bei einer Begegnung ermutigt, seine Fotografie-Anfrage trotz Absage durch einen Referenten zu wiederholen. Das hat auch beim zweiten Versuch nicht geklappt. Offene Türen fand er beim Rockstar Peter Maffay. "Ich konnte ihm ein von mir gemachtes Porträtfoto aus dem Jahr 1970 vorlegen, das hat ihn sehr überrascht und sichtlich gefreut", fasst der Künstler, der lange analog mit einer Leica, später einer Hasselblad fotografierte, bevor er zur digitalen Kameratechnik wechselte, das Treffen in Tutzing zusammen.

Der Fotograf, der sich in diesem Metier übrigens selbst ausgebildet hat, stellt auch Doppelporträts nebeneinander, zum Beispiel von den Kanzlern Helmut Kohl und Helmut Schmidt. "Ich mache keine gebauten, inszenierten Fotos", sagt der 77-Jährige. Das gilt auch für das Foto-Shooting Ende März in der Verwaltung des Museums. "Da hatte Jupp Heynckes endlich Zeit, schön, dass das noch rechtzeitig klappte", erzählt Möhlenkamp. Das herzlich lächelnde Konterfei des großen Bundestrainers mit Borussen-Herkunft hätte das Zeug zu einem Kultbild. Tipp: Sie finden das Heynckes-Foto neben dem Box-Champion Vitali Klitschko.

"Ich fotografiere alles - ohne Pornos", erklärt Slomi, um herauszustellen, dass sein Schaffen nicht auf Porträtfotografie begrenzt ist.

(RP)
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