Mönchengladbach: Der Kümmerer und das politische Schwergewicht

Mönchengladbach : Der Kümmerer und das politische Schwergewicht

In den Bezirken West und Ost werden am Dienstag Vorsteher gewählt. Arno Oellers (CDU) und Hermann-Josef Krichel-Mäurer (SPD) gelten als sichere Kandidaten.

Er macht es noch einmal. Arno Oellers wird heute von der Bezirksvertretung wieder zum Vorsteher für den Stadtbezirk West (Wickrath und Rheindahlen) gewählt. Der CDU-Mann, am 7. August 1950 in Hehn geboren, hat soeben sein zehntes Jahr in diesem Job hinter sich - und noch lange nicht genug. "Wenn ich in den vergangenen Jahren Menschen aus meinem Bezirk bei der Bewältigung von Problemen behilflich sein konnte, hat mich das glücklich gemacht", sagt der Geschäftsführer der Firma Lüttgen an der Max-Reger-Straße in Rheindahlen. Oft seien das Hilfestellungen bei Behördenangelegenheiten gewesen. "Ich nenne den Menschen die entsprechenden Partner bei den Ämtern, gebe Tipps, und manchmal begleite ich sie auch zu den Verwaltungsstellen." Und wenn die Bemühungen von Erfolg gekrönt sind, "habe ich echt Spaß an meinem Job". Er kümmert sich halt gern.

Als er vor zehn Jahren als Bezirksvorsteher die Nachfolge von Hermann Spinnen antrat, setzte er Schwerpunkte für seine zukünftige Arbeit. Der Erhalt des Schulzentrums an der Geusenstraße stand auf seiner Liste, ebenso die Wirtschaftsförderung und da besonders die Entwicklung des Gewerbegebiets an der Erkelenzer Straße in Rheindahlen. Und um den Einzelhandel in Wickrath und Rheindahlen machte er sich damals auch schon Gedanken. "All das ist nicht zu Ende", sagt er heute. "Da gibt es in sämtlichen Bereichen noch genug zu tun."

Das Schulzentrum in Rheindahlen ist vorläufig sicher. "Jetzt ist auch noch das Hallenbad saniert worden. Das freut uns alle sehr." Zwischen den beiden Bezirken gebe es immer mehr Berührungspunkte. "Es wird immer besser." Sehr froh ist Arno Oellers darüber, dass die Bezirksverwaltungsstellen erhalten werden konnten. "Es war und ist uns wichtig, dass die Menschen möglichst kurze Wege zu den Behörden haben."

Für das Gewerbegebiet an der Erkelenzer Straße wünscht er sich, "dass die Verwaltung endlich mal in die Pötte kommt." Da sei so viel falsch gemacht worden, "wir könnten viel weiter sein." Ein Sorgenkind des Bezirksvorstehers ist der Einzelhandel. "In Wickrath und Rheindahlen fehlt jeweils ein Drogeriemarkt", sagt er. Aber in beiden Stadtteilen gebe es keine wirklich geeigneten Flächen.

Überhaupt sei die Lage für den Einzelhandel in den Außenbezirken schwierig. "Die Gesellschaft hat sich verändert", sagt Oellers. "Viele Menschen kaufen im Internet ein oder fahren zu den großen Einkaufszentren." Ihm sei es aber wichtig, dass die Menschen vor Ort die für das Leben notwendigen Dinge kaufen können. "Damit das so bleibt, müssen auch die Vermieter mal umdenken und gegebenenfalls die Mieten senken." Aber Arno Oellers hat ein Gefühl für die Zukunft. "Ich glaube an die Wiederauferstehung des Tante-Emma-Ladens. Die Zeit wird kommen."

Hermann-Josef Krichel-Mäurer gilt als fleißiger Arbeiter

Er ist nicht der Mann, dem alles in den Schoß fällt. 1962 als viertes Kind in einem klassischen Arbeiterhaushalt geboren, hat Hermann-Josef Krichel-Mäurer sich nach dem Hauptschulabschluss beruflich weiterqualifiziert. Auch in seiner Partei, der SPD, musste der 52-jährige Hobbykoch, der "Wert auf große Konfessionsgrößen" legt, oft kämpfen. Er gehört nicht zu denen, die auf Wahlergebnisse von 90 Prozent und mehr programmiert sind. Er ist eben ein Mann mit Ecken und Kanten, und seine Art wird oft als bärbeißig beschrieben.

Aber Hermann-Josef Krichel-Mäurer gilt auch als fleißiger Arbeiter, als einer, der zuhören und vermitteln kann. Als er nach sieben Jahren in der Doppelfunktion als Bezirksvorsteher und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks an die Grenzen dessen gekommen ist, was neben seinem Beruf als Polizeibeamter im Leitungsstab des Düsseldorfer Polizeipräsidiums ehrenamtlich leistbar ist, entscheidet er sich für den Vorsteher-Job. 2011 lässt er sich nicht mehr zur Wahl als SPD-Chef aufstellen.

Als junger Polizist begann Hermann-Josef Krichel-Mäurer sich politisch für die Grünen zu engagieren, weil er zu der Zeit "oft da eingesetzt wurde, wo Politik meiner Meinung nach gefragt war". Damals waren das Kalkar, Wackersdorf, Startbahn-West. "Nicht jammern, selbst etwas tun", war und ist seine Devise. Anfang der 1990er Jahre wechselte er zur SPD, weil ihm das Prinzip einer Volkspartei näher liege, sagte er einmal. Auf die "soziale Kernkompetenz" seiner Partei legt er großen Wert. 2004 wurde Krichel-Mäurer zum Bezirksvorsteher des Stadtbezirks Volksgarten gewählt. Als der mit Neuwerk und Giesenkirchen zusammengelegt werden sollte, ging der damals 47-Jährige dagegen juristisch vor, scheiterte, und wurde schließlich Vorsteher des neuen Konstrukts. Auch das ging nicht locker-leicht vonstatten. Hermann-Josef Krichel-Mäurer wurde per Losentscheid gewählt, weil er in den beiden Wahlgängen davor keine Mehrheit bekommen hatte.

Hermann-Josef Krichel-Mäurer ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter. Seit Ende der 1980er Jahre lebt er in der Wohnsiedlung Grasfeed in Hardterbroich, die er mit Freunden und Nachbarn realisiert hat. Die Siedlung gilt heute als ökologisches Vorzeigeprojekt in der Stadt.

(RP)
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