Mönchengladbach: Der Konzerte-Macher im Westen

Mönchengladbach : Der Konzerte-Macher im Westen

Reinhold Richter ist ein besonders aktiver Kirchenmusiker. Neben seinen Verpflichtungen nimmt sich der 55-Jährige noch Zeit für rege Konzerttätigkeit, dirigiert, unterrichtet und holt anspruchsvolle Konzertprogramme nach Rheindahlen. Dabei hilft ein Förderkreis.

Mit Kritik an der Diözese Aachen hält Reinhold Richter nicht hinterm Berg. Seit das Bistum die renommierte Kirchenmusikhochschule St.-Gregoriushaus in Aachen eingespart hat, macht sich Richter Sorgen um die Zukunft der Kirchenmusik in Bistum und Region.

Das Bistum Aachen ziehe sich aus der Verantwortung für diesen Bereich, urteilt der 55-jährige Organist, der seit 29 Jahren seinen Kirchenmusik-Dienst in der Pfarrgemeinde St. Helena (sowie teilweise in den umliegenden Kirchen) leistet. Zwar seien stets die Pfarrgemeinden bzw. die Kirchengemeindeverbände (KGV) zuständig für die Einstellung von Kirchenmusikern, doch in anderen Diözesen gibt es einen Stellenplan für Kirchenmusiker.

Der fehlt im Bistum Aachen, und so rechnet Richter damit, dass die Zahl der hauptamtlichen Kirchenmusiker in einigen Jahren, wenn viele Ämterinhaber in den Ruhestand gegangen sind, stark rückläufig sein wird. "Das finde ich sehr traurig", sagt der begeisterte Musiker, der selbst 20 Jahre am St.-Gregoriushaus Orgelfrischlingen die Grundlagen des Spiels vermitteln durfte.

Finanzmittel selbst organisieren

Richter war — neben dem damaligen Münsterkantor Viktor Scholz — auch einer von nur zwei Kirchenmusikern in Mönchengladbach, die eine "Kirchenmusikalische Schwerpunktstelle" innehatten. Die ist längst wieder gestrichen. Also hat der Schüler von Viktor Scholz und Norbert Richtsteig (Aachen) sich darauf eingestellt, dass ambitionierte Kirchenmusiker die notwendigen Mittel für anspruchsvolle Projekte selbst organisieren müssen.

"Ein gemeindliches Budget für Kirchenmusik gibt es bei uns nicht", bedauert Richter. Braucht er also für seinen engagierten und aktiven, fast 60-köpfigen Kirchenchor St. Helena einen Satz Noten, muss er großzügige Spender gewinnen. "Oder der Pastor gibt einen Zuschuss aus der Gemeindekasse."

Doch ein kreativer Kirchenmusiker wie Richter schafft es, alljährlich acht bis neun Konzerte nach St. Helena zu holen, mit renommierten internationalen Solisten wie Helen Donath, Anette Maiburg, und vor wenigen Monaten das Gastspiel der Niederrheinischen Sinfoniker mit GMD Graham Jackson.

Auch besondere Kunstaktionen wie ein Abend mit dem Mimen Milan Sládek oder ein Konzert mit Petr Ebens "Hiob" locken Musikbegeisterte, teilweise aus ganz NRW, in den westlichen Stadtteil Mönchengladbachs. "Eine große, vorbildliche Arbeit dafür leistet unser Förderkreis Geistliche Musik in St. Helena", betont ein dankbarer Reinhold Richter.

Der Verein unterstützt die Kirchenmusik an St. Helena durch Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel. "Toll, welche Möglichkeiten dieser tatkräftige Einsatz für uns eröffnet", freut sich der 55-jährige Musiker.

Richter freut auch, dass er mit einer Frau verheiratet ist, die selbst über musikalische Kompetenzen verfügt: Andrea Richter leitet den Kinderchor und das Blockflötenensemble der Pfarre. Und hält ihrem quirligen Mann, der von einem Projekt zum nächsten stürmt, den Rücken frei. Damit er zum Beispiel vor einer Serie von Orgelkonzerten täglich noch zwei bis drei Stunden üben kann.

Reinhold Richter ist ein Mensch, der weit mehr als 100-prozentig seinen Job macht, der im Gehaltsvolumen seines Dienstvertrags indes nur mit 84 Prozent bewertet ist. Gefragt, ob er nach wie vor seine frühere Berufswahl bejaht, antwortet Richter schnell: "Klar — ich kann ja nix anderes" und lacht.

(RP)
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