Serie Denkanstoss: Der Konfessionsscanner

Serie Denkanstoss: Der Konfessionsscanner

Ich hätte lieber über die ersten heißen Tage des Frühlings nachgedacht. Aber an dem, was Kardinal Woelki und Kardinal Marx der Öffentlichkeit präsentierten, komme ich als katholischer Seelsorger nicht vorbei. Ich freute mich, dass Kardinal Marx endlich eine Praxis bestätigte, die ich im Studium und als Kaplan kennengelernt hatte. Die Bischofskonferenz hatte mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, dass in einer konfessionsverschiedenen Ehe dem evangelischen Partner unter bestimmten Bedingungen die Kommunion gereicht werden darf. Kardinal Woelki sperrt sich und lässt den längst überfälligen Beschluss durch den Papst überprüfen. Unabhängig von theologischen Positionen weiß ich als einfacher Seelsorger nicht, wie der Wunsch von Kardinal Woelki umzusetzen ist. Muss mir jeder Kommunikant seinen Taufschein vorlegen? Verweigere ich als Priester in der Messe den evangelischen Mitchristen den Zutritt zur Kommunion? Im Messbuch heißt die Einladung zur Kommunion "Kostet und seht, wie gut der Herr ist." Wird Kardinal Woelki vorschlagen, den Ritus zu ergänzen: "Kostet, wer kosten darf, und seht, wem zu sehen erlaubt ist, wie gut der Herr ist." Ich zweifle, ob der Spruch im Sinne des Herrn ist.

Oma X hat am Sonntag Jahrgedächtnis. Ihr Enkel, der mit einer evangelischen Frau aus Norddeich glücklich verheiratet ist, kommt extra mit seiner Familie aus dem hohen Norden, um die Messe mitzufeiern. Die Frau ist sehr gläubig und in ihrer evangelischen Gemeinde beheimatet. Regelmäßig bereitet sie die Konfirmanden mit vor. Wir kennen uns. Wäre die Frau besser in Norddeich geblieben?

Vielleicht werden demnächst in unseren Kirchen wie am Flughafen Konfessionsscanner aufgestellt, die bei jedem evangelischen Mitchristen sofort piepsen. Solch ein Kathomat wäre die sicherste Lösung. Von einem weisen, alten Pfarrer habe ich einst gelernt: "Wir weisen keinen ab. Soll er kosten, wie gut der Herr ist."

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Es waren doch sehr heiße Tage in der vergangenen Woche.

ALBERT DAMBLON IST SEELSORGER AN ST. BENEDIKT

(RP)