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Mönchengladbach: Der Hüter eines kostbaren Schatzes

Mönchengladbach : Der Hüter eines kostbaren Schatzes

Von 1953 bis 1967 hat der damalige Oberstadtdirektor Josef Orth Dokumente, Schriftverkehr und Zeitungsartikel gesammelt. In 14 dicken Bänden sind sie verwahrt - und seit zwei Jahren stehen sie bei Kaspar Müller-Bringmann.

Kaspar Müller-Bringmann hütet 14 schwere gebundene Bände mit historischen Dokumenten. Gut geschützt in stabilen Schubern, stehen sie aufgereiht in einem Regal seines Büros. Sie stammen aus den Jahren 1953 bis 1967. Der damalige Oberstadtdirektor Josef Orth hat sie gefüllt - mit historischen Dokumenten, Vermerken und Zeitungsartikeln. Alles fein säuberlich ausgeschnitten, eingeklebt und datiert - eine aussagekräftige Zeitgeschichte. Nach dem Tod von Josef Orth erbte sein Sohn Franz Orth die Bände. Und der gab sie weiter an Kaspar Müller-Bringmann. "Vor zwei Jahren kontaktierte er mich über Facebook und fragte, ob ich sie haben möchte", sagt der Journalist und Medienexperte. Wegen seines Umzugs wollte Franz Orth sich von den Bänden trennen. Müller-Bringmann nahm sie gerne.

"Und dann habe ich stundenlang geblättert und in Erinnerungen geschwelgt", sagt er. Alles, was in den Jahren wichtig war, taucht auf: kommunalpolitische Themen, Karneval, der Ausbau des Marienplatzes mit dem "Kuchenteller", Diskussionen um höhere Bustarife, Kritik an fehlendem Wohnungsbau. "Durchaus Themen, die so oder so ähnlich auch heute Relevanz haben", sagt Kaspar Müller-Bringmann.

Sein Vater, der Journalist Walter Müller-Bringmann, der von 1956 bis 1969 die Redaktion der Rheinischen Post in Rheydt leitete, hat viel über die Rheydter Blumenwoche und die Goldene Blume von Rheydt geschrieben. 1958 fand die erste Blumenwoche unter dem Titel "Blühendes, schaffendes Rheydt" statt. Daran gekoppelt war die "große Handwerksausstellung". Am 5. September war die feierliche Eröffnung beider Großveranstaltungen. Und am 14. September zog zum ersten Mal der Blumenkorso durch die Stadt. Rheydt verwandelte sich in ein Blumenmeer, das Handwerk präsentierte sich selbstbewusst. Der Auftakt war ein Riesenerfolg. Die Zeitungen berichteten begeistert. In der Rheinischen Post hieß es am 15. September 1958: "Eine große Aufgabe blendend gelöst". Josef Orth schnitt alle Artikel aus, die über das Großereignis berichteten. So blieben sie erhalten. Zum Glück.

"Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind Blumen gesteckt habe", sagt Kaspar Müller-Bringmann, geboren 1955. Er weiß auch noch genau, wo das war. "Am Bahnhof Mülfort standen die Wagen, die mit den Blumen gestaltet wurden." Für ihn war der Blumenkorso stets ein Riesenereignis. "Ich weiß, dass ich das Rheydter Wappen gestaltet habe und von außen an unser Balkongeländer gehängt habe."

Im Jahr 1967 wurde erstmals die Goldene Blume von Rheydt übergeben - an Graf Lennart Bernadotte. 2017 - 50 Jahre später - erhält seine Tochter Bettina Bernadotte den ältesten deutschen Umweltpreis. Und im kommenden Jahr gibt es noch ein Jubiläum: Die Blumenwoche wird 60 Jahre alt.

"Die Bände haben für mich in zweierlei Hinsicht große Bedeutung", sagt Kaspar Müller-Bringmann. "Ich habe Geschichte studiert, von daher interessieren mich die historischen Zeugnisse." Zweitens enthalten die Bände viele, viele Beiträge aus der RP, die sein Vater verfasst hat. Dennoch würde er die Dokumentationen gern in dauerhaft sichere Hände geben. "Ich würde sie gern dem Stadtarchiv schenken. Das wäre der richtige Ort."

(RP)