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Mönchengladbach: Der Hüter des Sparschweins

Mönchengladbach : Der Hüter des Sparschweins

Lothar Schumacher zertrümmert Sparigel, -kamele und -elefanten. Der Gründer der "Schutzgemeinschaft Deutsches Sparschwein" will stattdessen das "einzig wahre" Spartier in Ehren halten. Morgen ist Weltspartag.

Wenn Lothar Schumacher einen Sparigel, Sparelefanten oder ein Sparkamel sieht, dann packt er den Hammer aus. Er zertrümmert die Nachahmer des einzig wahren Porzellantiers mit Schlitz – des Sparschweins. "Wir wollen das deutsche Sparschwein in Ehren halten", sagt der 70 Jahre alte Rheinländer vor dem Weltspartag. Den Scherbenhaufen tauscht Schumacher gegen ein echtes Sparschwein. Das Geld wird vorher rausgenommen.

Der in Köln geborene Schumacher ist der "Retter der Sparschweine". Letztens war wieder so ein Fall: Auf dem Tresen einer Autobahnraststätte machte sich so ein "widerwärtiges, fremdartiges Spartier" breit, wie der Internetunternehmer – der in Mönchengladbach wohnt – sagt. Er holte einen Jutesack aus dem Auto, steckte das "Spartier" hinein und schlug – "Zack, zack" – kräftig zu. Der Raststättenbetreiber nahm ihm die Aktion genauso wenig übel wie die vorher aufgesuchten Ärzte, Imbissbudenbesitzer oder Blumenhändler. Denn der Tausch ist vorher abgesprochen. "Ich sage immer: ,Ich würde ihnen ja gerne einen Euro reinstecken, aber nicht in dieses Spartier'", erklärt Schumacher, der die Schutzgemeinschaft Deutsches Sparschwein gegründet hat, seine Masche. Im Kofferraum hat er immer 20 Sparschweine auf Vorrat. Schumacher wirkt bisweilen wie ein noch nicht groß gewordenes Kind. Er erfreut sich an jedem Coup wie ein Lausbub nach einem Streich. Eigentlich lacht er schon fast mehr, als dass er redet.

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Rund 500 "Spartiere" zerdeppert

Auch Sparschildkröten, Sparfische und Sparfrösche mussten schon dran glauben. Mittlerweile hat Schumacher bis zu 500 "Spartiere" auf dem Gewissen. Ob ihn andere für verrückt halten oder ihm einen gehörigen Knall vorhalten, ist ihm völlig egal. Bei der Büroarbeit schauen ihm rund 40 Sparschweine zu. Zu Hause warten weitere. "Sie gucken mich immer so liebenswürdig an", sagt Schumacher. "Das Schwein hat eine positive Ausstrahlung." Am liebsten hat er das mit der Matrosenmütze.

Einer Legende nach hat der Ritter Wilhelm Spieß von Büllesheim um 1550 als Erster ein Sparschwein herstellen lassen. Der Ritter residierte in Euskirchen nahe Bonn. Dort haben Schumacher und seine rund 20 Mitstreiter dem Sparschwein inzwischen ein Denkmal gesetzt. Den Sparschweinschutz wollen sie ins Grundgesetz schreiben lassen. Längst ist das Porzellantier zum Designerstück avanciert. Manche haben große, manche kleine Nasen. Andere tragen Landschaften, Hundertwasser-Gemälde oder Blümchen auf dem Hängebauch. Wieder andere sind aus Holz, Glas, Plastik oder Metall. Schumacher hat mit alldem kein Problem – Hauptsache Schwein. Nur einmal musste er einen Bekannten zurückpfeifen, der ihm ein Sparschwein auf Hinterbeinen aufdrücken wollte. "Das Schwein muss von oben befüllt werden", sagt Schumacher und meint damit den Schweinerücken.

Das neueste Projekt hat Lothar Schumacher bereits vor Augen: Er will ein Griechenland-Schwein schaffen. "Das Sparschwein ist natürlich größer, hat keinen Verschluss und unten fällt das ganze Geld wieder durch", erklärt Schumacher. Allzu gerne würde er das Porzellantier dem griechischen Botschafter überreichen. Schumacher lacht sich jetzt schon schief bei diesem Gedanken.

Internet: www.sparschweinschutz.de

(DDP)