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Mönchengladbach: Der Hirnforscher weiß, wie Mario Götze traf

Mönchengladbach : Der Hirnforscher weiß, wie Mario Götze traf

Bilder aus seinem Familienalbum, Anekdoten vom schwedischen Königspaar und der Moment, der die Fußball-WM entschied: Nobelpreisträger Thomas Südhof machte Neurobiologie anschaulich.

Im ersten Moment klingt es nach Understatement, wenn Professor Thomas Südhof, der Mann, der für seine Forschungen über das menschliche Gehirn 2013 den Nobelpreis bekam, sagt: "Wir verstehen noch immer extrem wenig, wie unser Gehirn funktioniert." Denn natürlich weiß Südhof so gut wie kaum jemand sonst auf diesem Planeten, was in unserem Gehirn abläuft. Er forscht seit über 30 Jahren dazu. Wie Synopsen Informationen von einer Zelle zur anderen weiterleiten. Welche chemischen Prozesse dabei ablaufen. Welche Rolle zum Beispiel Kalzium und Synoptotagmin spielen. Doch erklären, wie Bewusstsein und Gedächtnis sich formen, was bei Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz im Gehirn schief läuft und wie man das verhindern kann? "Wir sind noch sehr weit davon entfernt", sagte Südhof gestern bei seinem Vortrag in der Kaiser-Friedrich-Halle. Nicht frustriert. Nicht fishing für compliments. Nicht amüsiert. Sondern mit dem unbändigen Drang des Forschers, mehr begreifen zu wollen.

 Die Rockstreicher der Musikschule spielten vorab - zur Freude des Hirnforschers, der die Bedeutung von Musik in seinem Vortrag betonte.
Die Rockstreicher der Musikschule spielten vorab - zur Freude des Hirnforschers, der die Bedeutung von Musik in seinem Vortrag betonte. Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Südhof, der in Göttingen aufwuchs, zeitweilig in Aachen studierte und seit 1983 mit kurzer Unterbrechung in Amerika lebt, hatte seinen Zuhörern eingangs ob der schwierigen Materie scherzhaft geraten: "Wenn es Ihnen zwischendurch zu kompliziert wird, steigen Sie einfach kurz aus und denken an was Schönes." Tatsächlich wird sich mancher gewünscht haben, früher in Biologie und Chemie besser aufgepasst zu haben. Doch die Grundbotschaften Südhofs konnte jedermann verstehen, da sich Südhof nicht nur auf die Forschung, sondern auch auf die Lehre versteht. Ein Foto seiner alten Waldorf-Schulkasse zeigte er ("Ich bin der erste Waldorfschüler mit Nobelpreis); ein Bild, als er 16 war ("Den Gürtel habe ich noch, die langen Haare leider nicht mehr"), Larry Hagman als J.R. Ewing, um zu demonstrieren, wie Freunde und Verwandte reagierten, als er seine Pläne bekanntgab ("Dallas? Wirklich Dallas?"). Er zeigte die Sekunden vor dem WM-Endspiel-Tor von Mario Götze und erklärte, was in einer einzigen Sekunde im Gehirn des argentinischen Torwarts Sergio Romero biochemisch ablief: "Er hat sich falsch entschieden - Gott sei Dank."

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Schließlich erzählte Südhof, im Interview mit Sven Lorig auf der Bühne, was der Nobelpreis ihm gebracht hat: gute Partys, ein interessantes Gespräch mit Königin Silvia (während seine Frau sich mit König Gustaf wenig zu sagen hatte), nicht so viel Geld, wie man denkt und eine unerwartete TV-Karriere: als Gegenstand einer 100 Euro-Frage bei "Wer wird Millionär?" Was Südhof antreibt, wurde immer wieder klar an diesem Abend: Jetzt Einfluss darauf nehmen zu können, welche Forschung gefördert wird - das ist ihm das Wichtigste an den Folgen des Nobelpreises. Alles, was er als Wissenschaftler wirklich brauche, habe er als Kind beim Fagottspielen gelernt. Darum riet er allen Eltern: "Lasst Eure Kinder kreativ sein, frei spielen, Musik machen. Das bringt ihnen mehr als Fakten."

(RP)