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Mönchengladbach: Der EWMG gehen die Grundstücke aus

Mönchengladbach : Der EWMG gehen die Grundstücke aus

Das gute Jahresergebnis der Stadttochter wird durch die Tatsache getrübt, dass die Neubau-Optionen zur Neige gehen. 2013 soll wieder mehr investiert werden. Die Entwicklungsgesellschaft würde gerne häufiger als Bauträger auftreten.

Wer in Mönchengladbach derzeit neu bauen möchte, hat die Qual der Wahl. Aber nicht etwa, weil das Portfolio der städtischen Entwicklungsgesellschaft EWMG vor freien Grundstücken nur so übersprudeln würde. Sondern weil es in der Stadt kaum noch freie Grundstücke gibt. Wie die beiden Geschäftsführer Dr. Ulrich Schückhaus und Andreas Wurff sowie Aufsichtsratsvorsitzender Horst-Peter Vennen gestern bei der Präsentation der Jahresbilanz aufzeigten, waren Ende 2012 in insgesamt neun Baugebieten nur noch 44 Grundstücke verfügbar. Fünf weitere wurden am Bökelberg seit Jahresbeginn verkauft, dort sind jetzt nur noch vier frei, sieben weitere bereits reserviert. Im ersten Bauabschnitt der Dahlener Heide, dem größten Baugebiet der Stadt derzeit, sind acht Grundstücke reserviert und nur noch zwei verfügbar.

42 Grundstücke wurden 2012 verkauft, nach dem Rekordjahr 2011 (61) ein immer noch stolzer Wert. Mit dem zweiten Bauabschnitt der Dahlener Heide sind seit Anfang März nun 59 neue Grundstücke auf dem Markt, die dort wegen der starken Nachfrage jedoch nicht allzu lange herumlungern dürften. 2014 soll dann ein dritter Bauabschnitt folgen, mit weiteren rund 40 Parzellen. Die Erschließungsstraßen Antonie-Boetzelen-Ring und Anna-Künning-Weg will die EWMG noch in diesem Jahr in Angriff nehmen. Doch wenn diese Maßnahmen umgesetzt sind, kann die EWMG dem Markt nach derzeitigem Stand keine weiteren Grundstücke zuführen. "Wenn wir nicht zügig neues Bauland produzieren, ist das Ende der Fahnenstange bald erreicht", resümiert Schückhaus.

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Insgesamt blickt die Stadttochter auf ein erfolgreiches Jahr 2012 zurück. Das operative Ergebnis wird im unteren sechsstelligen Bereich liegen. Das Umsatzvolumen der An- und Verkäufe in Höhe von 21,3 Millionen Euro bedeutet das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte – nur 2011 war mit 23,1 Millionen noch besser gewesen. Das Volumen der Verkäufe betrug davon 16,8 Millionen (2011: 21,2). Beide vergangenen Jahre lagen damit über dem Durchschnitt von zehn bis zwölf Millionen, den Schückhaus und seine Kollegen als "normal" betrachten. "Aber es gab in diesen beiden Jahren mit den Verkäufen an DHL, Mfi und Zalando einige gewichtige Sonderfaktoren." Auch für 2013 prophezeit der Geschäftsführer, "dass wir wieder ein solches Sahnehäubchen hinbekommen werden". Und das, obwohl die Ansprüche gestiegen seien: "Jemanden, der in den Regiopark will, aber lediglich zehn Mitarbeiter und damit Stellen pro Hektar bringt, wollen wir nicht." Doch insgesamt gilt auch für verfügbare Gewerbegrundstücke: Sie schwinden. Im Regiopark etwa sind bis auf 130 000 Quadratmeter alle Flächen verkauft oder optioniert. Da die EWMG in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 100 000 Quadratmeter pro Jahr verkaufte, ist davon auszugehen, dass bald keine Flächen mehr übrig sind. Deshalb wiesen die Verantwortlichen gestern noch einmal eindringlich darauf hin, dass die Politik die Ausweisung neuer Gewerbeflächen in den kommenden 15 Jahren im Regionalplan verankern müsse – und sich im "Verteilungskampf auf Regionalebene" als durchsetzungsstark erweisen müsse.

Zufrieden zeigten sich Schückhaus, Wurff und Vennen mit der Tatsache, dass Mönchengladbach – durch seit 2006 steigende Beschäftigungszahlen, aber auch durch eine Trendwende beim Bevölkerungsschwund – wieder auf den Radar größerer Immobilienfirmen gerückt sei. "Gladbach wird wieder sexy, um hier mit Immobilien Geld zu verdienen", sagte Schückhaus. Ausgesprochen unzufrieden äußerten sich die drei hingegen, wenn es um die Rolle der EWMG geht. Nur 1,5 Millionen Euro wandte sie 2012 als Investitionsvolumen für Erschließungsleistungen auf. "Das ist zu wenig", so Schückhaus. Durch die vielfältigen Geschäftsbesorgungen für die Stadt sei die Gesellschaft häufig nicht in der Lage, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen – das Entwickeln von Brachen. "Wir treten nie als Bauträger auf, und das reine Grundstücksgeschäft wirft eine zu geringe Marge ab", sagte Wurff. "Das könnte anders aussehen, wenn man an die Stadttöchter GWSG und Kreisbau denkt, die das Bauträgergeschäft beherrschen." Auch Vennen mahnte eine bessere Organisationsform als die bisherige an. "Wir sind ressourcentechnisch nicht gut aufgestellt. Bei GWSG und Kreisbau sind städtische Grundstücke eingelagert, die niemand kennt. Das ist eine einzige Katastrophe."

(RP)