Mönchengladbach: Deportation ins Ghetto Litzmannstadt

Mönchengladbach : Deportation ins Ghetto Litzmannstadt

Seit Donnerstag zeigt die Jugendkirche eine Wanderausstellung, die sich mit dem Schicksal der vom Rheinland nach Litzmannstadt (Lodz) verschleppten Juden befasst. Die eindrucksvolle Schau ist nicht nur für Schüler interessant.

Im Herbst 1941 wurden 3014 Juden aus dem Rheinland in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Bei den drei Transporten Richtung Polen waren auch fast 80 Mönchengladbacher dabei, nur eine Hand voll überlebte. Ein Teil der Deportierten starb an Unterernährung und mangelnder Hygiene, andere wurden im Vernichtungslager Kulmhof umgebracht. Als das Ghetto 1944 zwangsaufgelöst wurde, kamen schließlich fast alle noch Lebenden in Konzentrations- und Vernichtungslagern um. Von den 3014 Deportierten überlebten nur 36 das Kriegsende dauerhaft.

Die Wanderausstellung "Deportiert ins Ghetto" in der Jugendkirche an der Albertusstraße 38 zeigt zunächst die Situation der Juden und das jüdische Leben nach der Machtergreifung der Nazis. Das einschneidende Ereignis für die Juden im Rheinland waren schließlich die drei Transporte nach Litzmannstadt (Lodz). Es war eine Reise ins Ungewisse. Dort angekommen, mussten die meisten feststellen, dass es keine Arbeit mehr gab. Der Schlafplatz in einer Wohnung musste erkämpft werden. 50 bis 60 Deportierte lebten in einer Wohnung und schliefen zum Teil auf einander. "Arbeit oder Vernichtung" war der harte Kampf des Alltages. Denn wer keine Arbeit hatte, hatte keinen Nutzen. Spätestens nach der "Sperre" im September 1942 wurde dies allen bewusst - keine Arbeit war das Todesurteil. Allein 16 000 Alte, Kranke und Kinder wurden an diesem Tag "aussortiert" und so das Ghetto in ein "Arbeitsghetto" umgewandelt.

Aufgearbeitet wurde diese Situation vom Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen von Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, und Dr. Karola Fings, NS-Dokumentationszentrum Köln. Mit biografischen Zeugnissen, Originaldokumenten und Fotografien wird die Geschichte der Deportierten vorgestellt. Stellvertretend für die vielen Deportierten erzählt die Ausstellung auch die Geschichten einzelner Personen, auch von Mönchengladbachern. Bereits für 40 der Mönchengladbacher Opfer wurde ein Stolperstein gesetzt.

"Wir wollen mit der Ausstellung jedoch kein schlechtes Gewissen machen", stellt Christoph Rütten, Gemeindereferent und Leiter der Jugendkirche in Mönchengladbach, fest. Für Max Mannheimer, einen Überlebenden der Konzentrationslager Auschwitz und Dachau, ist immer folgender Satz wichtig: "Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon."

Bereits zehn Schulklassen haben sich für die Ausstellung angemeldet, denn auch sie möchten nicht vergessen, sondern aus der Vergangenheit lernen. "Gut geeignet ist für die Ausstellung dafür die Kirche, es ist ein guter Ort zum Erinnern", meint Helmut Keymer vom Katholischen Forum für Erwachsene und Familienbildung Mönchengladbach/Heinsberg. Die Ausstellung ist für alle Bürger offen und "nichts Konfessionelles". Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Jugendkirche in Mönchengladbach, die Schulseelsorge in der Pfarre St. Vitus, das Katholische Forum für Erwachsene und Familienbildung Mönchengladbach/Heinsberg sowie den Katholikenrat der Bistumsregion Mönchengladbach.

Zudem gibt es ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. So werden beispielsweise die Filme "Der letzte Zug" und "Der Junge im gestreiften Pyjama" gezeigt. Außerdem wird Bernhard Scherger, langjähriger Lehrer am Math.-Nat.-Gymnasium, über Schicksale jüdischer Familien berichten - und zwar am Mittwoch, 24. September, um 19 Uhr. Über das Schweigen in der NS-Zeit und dessen Auswirkungen in Familien bis heute wird Dr. Christoph Hutter in seinem Vortrag "Kein Sterbenswörtchen..." berichten.

Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 26. September werktags von 9 bis 18 Uhr. Auch (Schul-)Gruppen können nach Anmeldung die Ausstellung besuchen. Anhand von Arbeitsbögen können sich die Schüler die Ausstellung eigenständig erschließen.

(RP)
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