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Denkanstoß Mönchengladbach: Über die Hilfe in den Hochwassergebieten

Denkanstoß Mönchengladbach : „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel…“

Auch unseren Autor haben die Bilder der Flutkatastrophe erschüttert und beschäftigt. Er hat aber auch Aufmunterendes gesehen: die große Hilfsbereitschaft der Menschen.

Die Berichte von der Hochwasserkatastrophe, die uns seit zwei Wochen erreichen, entsetzen! Was für die meisten kaum denkbar war, wurde jetzt auf einen Schlag Wirklichkeit: In wenigen Stunden so viele Tote und Vermisste, dazu körperlich und seelisch Verletzte und unglaubliche materielle Zerstörungen, die an Krieg erinnern. Nach Corona ein neuer Einschnitt! Die Natur beweist, wie übermächtig sie ist, und dass sie hart zurückschlägt, wenn die moderne, auf Verschwendung basierende Zivilisation weiter so agiert wie bisher. Unser selbstverordnetes Sicherheitsgefühl, der Wunschtraum, ein risikofreies Leben zu führen – das ist ein Trugschluss!

Mir kam, als ich die Not der Flutopfer sah, der 69. Psalm in den Sinn: „Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.“ (Ps. 69,2-4) Was für eine tiefgreifende Erschütterung des Gottvertrauens, die aus diesen jahrtausendealten Worten der hebräischen Bibel spricht!

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Für mich kristallisierte sich solche Not und Verzweiflung in einem Foto, das ich im Internet fand. Erschöpft und resigniert sitzt eine ältere Frau auf dem Bild in ihrem völlig zerstörten Wohnzimmer und weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll. Alles, was ihr lieb und teuer war, ist in den Wassermassen verloren gegangen. Sie hat vermutlich nicht mehr die Kraft, die Ärmel aufzukrempeln, anzupacken und die Schäden zu beseitigen. Damit wären wohl viele von uns ebenfalls überfordert.

Umso großartiger war es, dass sich Tag für Tag Abertausende auf den Weg machen, um in den Hochwassergebieten wildfremden Menschen zu helfen und ihnen beizustehen. Ich kenne selbst zwei dieser „barmherzigen Samariter“. Sie scheuen nicht Kosten und Mühen, sie nehmen Rückenschmerzen in Kauf, um zu zeigen, dass es sie nicht kalt lässt, was über unsere Landsleute hereingebrochen ist.

Ein ungeheuer starkes und wertvolles Zeichen der Solidarität in unserer Zeit, die angeblich nur von Eigennutz und Ellbogenmentalität geprägt ist! Diese Helferinnen und Helfer sind für mich in ihrer Mitmenschlichkeit Engel Gottes, denn: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel…“, wie Rudolf Otto Wiemer in einem lesenswerten Gedicht sagt.

Ich bin überzeugt, dass die Werke der Barmherzigkeit ihre Wirkung nicht verfehlen. Sie werden den Flutopfern, die diese Katastrophe nun verarbeiten und mit den Folgen leben müssen, helfen nicht aufzugeben. Oft habe ich als Seelsorger gehört, wie entscheidend es war, dass Menschen im Verlust und in der Trauer nicht allein blieben. Hoffentlich finden die Gebeutelten aber auch den Mut, zwischendurch die Hände zu falten und Gott um Kraft zu bitten.

Der 40. Psalm berichtet, was so einem „Dennoch-Beter“ passierte: „Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Felsen, dass ich sicher treten kann; er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. Das werden viele sehen und auf den HERRN hoffen. Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen und denen, die mit Lügen umgehen!“ (Ps. 40,2-5).