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Mönchengladbach: "De Kull" macht Geschichte spürbar

Mönchengladbach : "De Kull" macht Geschichte spürbar

Zusammen mit rund 20 Jugendlichen begeben sich Betreuer des Gladbacher Jugendzentrums "De Kull" morgen auf eine dreitätige Bildungsreise nach Auschwitz. Bereits die erste Fahrt nach Polen hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Philip Hülsen erinnert sich noch gut an dieses beklemmende Gefühl. "Wenn man sich mit 200 Leuten in eine dieser Zellen zwängt, dann kriegt man ein Gespür dafür, wie eingepfercht die Menschen damals in diesen Räumen waren", sagt der 28-Jährige. Der Besuch im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vergangenen Jahres hat nicht nur beim Jugend- und Sozialarbeiter des Mönchengladbacher Jugendzentrums "De Kull" einen bleibenden Eindruck hinterlassen – viele Jugendliche waren beeindruckt von der historischen und zugleich beängstigenden Kulisse.

Nun steht die nächste Fahrt zum größten deutschen Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus an: Morgen werden drei Kleinbusse mit rund 20 Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren Richtung Polen aufbrechen. Das sind doppelt so viele Teilnehmern wie im vergangenen Jahr, bereits nach wenigen Tagen waren alle verfügbaren Plätze für die mehrtägige Reise vergeben.

Tour-Guides werden die Gruppe durch die Gedenkstätten führen und über die Hintergründe der Verbrechen aufklären. Gerade für Schüler, die Auschwitz nur aus Schulbüchern und Fernsehreportagen kennen, eine prägende Erfahrung. "In der Schule wird das Thema zwar häufig behandelt, aber durch die Reise kriegen die Schüler einen emotionalen Bezug zu der Geschichte – diesen Ort mit den eigenen Sinnen zu erleben, das ist schon etwas ganz anderes", sagt "Peppo" Hülsen.

Auch Einzelschicksale einiger Menschen, die in dem Vernichtungslager ihr Leben verloren, werden bei der Führung über das Gelände erzählt, um die Ausmaße der Nazi-Verbrechen darzustellen und die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren.

Hülsen bezeichnet die Aufklärung auf diesem Gebiet als "Hauptarbeitsfeld der Einrichtung", zudem sei es ein weiterer Schritt des Jugendzentrums, präventiv gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

Im vergangenen Jahr gab es bereits einige Veranstaltungen zum Thema, wie die Vorlesung von Ronny Blaschke im Borussia-Fanhaus über sein Buch "Angriff von Rechtsaußen" oder die "Stadtrundfahrt gegen Rassismus" im Januar, bei der Orte in Mönchengladbach besucht wurden, die Schauplatz von Nazi-Verbrechen während der Zeit des Dritten Reiches wurden. "Es geht darum, den Jugendlichen zu vermitteln, was Rassismus ist und wie Menschenfeindlichkeit entsteht. Wir wollen damit einen Teil zur positiven Entwicklung der Gesellschaft beitragen", erklärt Hülsen.

Um die Erlebnisse zu verarbeiten und sich untereinander auszutauschen, wird anschließend in der Lausitz noch ein Zwischenstopp in einer Jugendherberge eingelegt. Auch ein Besuch in einem Abenteuerschwimmbad ist während der dreitägigen Bildungsreise eingeplant. Redebedarf wird es sicher genug geben, wahrscheinlich auch über dieses beklemmende Gefühl in den engen Zellen des ehemaligen Vernichtungslagers.

(jasi)