Mönchengladbach: Das unscheinbare Schmuckstück

Mönchengladbach: Das unscheinbare Schmuckstück

Broich (togr) Den Rummel hat Hilde Heinrichs natürlich nicht vergesssen. "Da war das ganze Dorf in Aufruhr", erzählt die 79-Jährige, die 1954 dabei war, als die St. Sebastianus-Kapelle mit Hilfe mächtiger Stahlträger um 50 Zentimeter angehoben wurde. Der Ausbau der Broicher Straße machte die ungewöhnliche Aktion an dem damals schon 200 Jahre alten Gebäude notwendig. Heute steht der Fachwerkbau unter Denkmalschutz und ist der "Stolz der Nachbarschaft".

So nennt die Kapelle jedenfalls Willi Wyen, der sich zusammen mit seiner Frau Gerda auch in der Kapellen-Gemeinschaft engagiert. "Wir sind eine lose Gruppe, die sich darum bemüht, die Kapelle in Ordnung zu halten", sagt Wyen. Als 2000 das Gebäude einzustürzen drohte, renovierten die Broicher in Eigenleistung ihr Schmuckstück, wobei Einheimische und Hinzugezogene gleichermaßen Hand anlegten.

Große Veranstaltungen organisieren die Anwohner allerdings nicht, um das nötige Geld für die Instandhaltung zu sammeln. Es genügt, bei Bedarf mit dem Klingelbeutel von Haus zu Haus zu gegen. Muss jedoch etwas besprochen werden, trifft sich die Kapellen-Gemeinschaft bei Hilde Heinrichs, die auch die Hüterin der Kapelle ist. Sie hat den Schlüssel zum Innenraum, in den rund 30 Leute passen, sorgt für Sauberkeit und stellt vor den Gebeten Kerzen und Blumen auf. Denn auch wenn seit 1906 die zwei Jahre zuvor erbaute St. Rochus-Kirche in Broich für den Gottesdienst genutzt werden durfte, wurden Toten- und Rosenkranzgebete weiterhin in der Kapelle abgehalten. Ein Höhepunkt ist natürlich der Gottesdienst am 20\. Januar zu Ehren des St. Sebastian.

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Die 1754 erbaute Kapelle hat schon einiges hinter sich und ist mit Sicherheit eine der älteste Kapellen rund um Rheindahlen. In den Vordergrund schiebt sie sich allerdings nicht, auch wenn sie direkt an der Broicher Straße liegt. Besonders im Sommer versteckt sich das Gebäude hinter mächtigen, alten Bäumen. "Sie wird oft übersehen", sagt Gerda Wyen, die schräg gegenüber dem unscheinbaren Schmuckstück der Broicher wohnt.

(RP)
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