Mönchengladbach: Das teure Orgel-Dilemma

Mönchengladbach: Das teure Orgel-Dilemma

500 000 Euro muss die katholische Gemeinde in Lürrip aufbringen, weil in der Kirche Orgel und Gewölbe vom Holzwurm zerfressen sind. Der Boden ist schon abgesackt, und der Chor darf nicht mehr auf die Empore.

Josef Frings schließt das klapprige Holztörchen auf. Dann lugt er ins Innere der Orgel. "Was für ein Instrument. Ein Schatz", sagt der Lürriper Kirchenvorstand mit einem Seufzer.

Denn die Orgel in der Kirche Sabjt Mariä Empfängnis wird die Pfarrgemeinde nun teuer zu stehen kommen, obwohl es günstigere Alternativen gäbe. Es geht um Kosten von rund einer halben Million Euro, die die Katholiken irgendwie aufbringen müssen. Und zwar so schnell wie möglich.

Instrument aus dem Jahr 1888

Die Orgel, die dort knapp unter dem Gewölbe der Kirche steht, ist kein gewöhnliches Instrument. Es handelt sich um einen Bau der Gebrüder Müller Reifferscheid aus dem Jahr 1888. Im Jahr 1912 tauschte die renommierte Firma Klais das Innenleben aus.

Seitdem sorgen 5000 Pfeifen in 30 Registern für einen Klang, den selbst der Orgelsachverständige des Bistums Aachen Bernd Godemann selten zuvor gehört hatte. Als er vor vor Kurzem das Instrument testete, staunte er: "Vom Klang her im Bistum einmalig."

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Zwei Weltkriege hat das Instrument überstanden, den Holzwurm aber nicht. Mittlerweile liegt im Gehäuse der Orgel haufenweise Sägemehl. Der Schaden ist immens, weil auch der Boden, auf dem die Orgel steht, in desolatem Zustand ist. An einer Seite sackte der Boden um mehrere Zentimeter ein, seitdem stützen Holzlatten die Orgel ab, die sonst möglicherweise in sich zusammenfallen würde.

Grund dafür ist die seltene Bauweise der Kirche: Auf das alte Schiff aus dem Jahr 1860 setzte der Dombaumeister 1908 einfach noch eines drauf. Genau dort, wo sich beide Schiffe überschneiden, thront die tonnenschwere Orgel. Die Holzkeile im Boden haben sich seither zum Teil massiv verschoben. Statiker überprüften daraufhin die Orgelbühne. Seitdem darf der Kirchenchor nicht mehr hinauf.

Nun hat die Gemeinde ein Orgel-Dilemma: Der Kirchenvorstand erkundigte sich nach günstigen Alternativen. "Eine Elektroorgel wäre zum Beispiel schon für 100 000 Euro zu kriegen", sagt Josef Frings. Oder es wären andere Instrumente aus geschlossenen Kirchen günstig zu bekommen. Doch die Klais-Orgel steht seit den 80er Jahren unter Denkmalschutz und muss auf der Empore bleiben. Daher muss auch der Boden renoviert werden. Kostenpunkt: Mindestens 200 000 Euro, von denen das Bistum 60 Prozent übernimmt. Die Kosten für die Restaurierung der Orgel werden jedoch weit über 300 000 Euro liegen. Und die muss die Gemeinde alleine bezahlen. Wohl erstmal mit Krediten.

Um die für die Gemeinde riesige Summe abbezahlen zu können, will sich in zwei Wochen ein Orgel- und Kirchenbauverein gründen. Josef Frings und Maria Dreßen, die den Verein mit gründen will, sind optimistisch: "Wenn es um ihre Kirche geht, tun die Lürriper alles."

Das wissen sie aus jüngster Vergangenheit. 1993 wurde die Kirche für rund eine Million Mark saniert. Der Kredit ist mittlerweile abbezahlt.

(RP)
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