1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Gladbach Wahl-Spezial: Das sollten Sie wissen, bevor Sie wählen gehen

Gladbach Wahl-Spezial : Das sollten Sie wissen, bevor Sie wählen gehen

Die ganze Wahrheit über den Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach, die Parteien, die Verhandlungen, Frau Urrutia Garrido - und natürlich das Wahlergebnis. Eine humorvolle Vorschau auf den Super-Wahlsonntag.

1. Warum will eigentlich niemand Oberbürgermeister werden, der den Job kann?

Ein Postbeamter, ein Journalist oder ein Sozialarbeiter können jede Menge nützliche Sachen. Einen Konzern mit 3500 Mitarbeitern führen und einen Etat in dreistelliger Millionenhöhe zu handeln, hat keiner von ihnen gelernt. Diejenigen, die so etwas gelernt haben, sind gewohnt zu entscheiden, und zwar: schnell, eigenständig und strukturiert.

Ein Oberbürgermeister hat es mit Verwaltung und Politik zu tun. Die sind: langsam, renitent und chaotisch. Dazu muss ein Oberbürgermeister noch ständig beim Männergesangverein Reden halten und sich von nervigen Kolumnisten vorführen lassen. Die Bezahlung ist gemessen an der Verantwortung mau. Drum bewerben sich halt gerne Postbeamte, Journalisten und Sozialarbeiter.

2. Wie kann ich Norbert Bude und Hans Wilhelm Reiners überhaupt unterscheiden?

Bude hat etwas grauere Haare. Reiners ist einen Zentimeter größer. Die Positionen unterscheiden sich auch in dieser Größenordnung.

3. Warum wird Nicole Finger nicht Oberbürgermeisterin?

  • Wahlen 2014 : 25 Fragen an Hans Wilhelm Reiners (CDU)
  • Wahlen 2014 : 13 Fragen an Nicole Finger (FDP)
  • Wahlen 2014 : 13 Fragen an Karl Sasserath (Grüne)

Weil sie für eine Splitterpartei antritt. Und die Rheinländer - anders als zum Beispiel die Baden-Württemberger - lieber Parteien als Personen vertrauen.

4. Nur noch einmal schlafen, und wir wissen, wer Oberbürgermeister ist?

Nö. Da auch die Wähler der kleineren Parteien im ersten Wahlgang für ihre Kandidaten stimmen, werden aller Voraussicht nach weder Bude noch Reiners auf über 50 Prozent kommen.

5. Und im zweiten Wahlgang gewinnt dann endgültig der, der im ersten vorne liegt?

Wieder nö. Selbst wenn einer von beiden mit zehn Prozentpunkten vorne liegt, lässt das nur bedingt Schlüsse auf das Ergebnis im zweiten Wahlgang zu. Dann wird nach anderen, nach den Duell-Regeln gespielt. Außerdem gehen bei der Stichwahl viel weniger wählen. Da kann man mit vergleichsweise wenig Stimmen viel reißen. Wir grüßen an dieser Stelle unseren treuen Leser Stefan Wimmers.

6. Ich weiß nicht, was ich wählen soll. Was steht denn in den Wahlprogrammen?

Hier die Kurzversion. CDU: Wir stehen immer noch für Wirtschaft, Sicherheit und Sauberkeit, sind aber trotzdem gaaaanz anders als früher. SPD: Wir lassen niemanden zurück - außer unsere eigenen, starken Leute - und kümmern uns neuerdings auch noch um Wirtschaft. Grüne: Wir sind ökologisch und sozial und bürgerlich und multikulti - und wir haben Karl Punkt. FDP: Wir besetzten immer noch jedes Thema mit liberalem Populismus, lächeln aber ab jetzt beim Die-anderen-über-den-Tisch-Ziehen freundlicher als früher. Linke: Freibier für alle; wir hauen einfach das ganze Geld, das wir nicht haben, auf den Kopf. FWG: Wir sind schlauer als die CDU, und weil wir so schlau sind, lassen wir uns auf keinen Fall in irgendeine Mehrheit zwängen, in der wir dann Positionen der Nicht-so-Schlauen mittragen müssen.

7. Wenn sich Leistung lohnen soll, welche Partei muss ich angesichts der vergangenen fünf Jahre wählen?

Die Ampel hat sich immerhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten Mühe gegeben und sich selbst entleibt, als alles gar zu abstrus wurde. Die CDU hat drei Jahre nach der Wahl auf einem Betriebsausflug nach Shanghai nachgeschlagen, was Opposition eigentlich ist. Die FWG hat die öffentliche Hinrichtung wieder salonfähig gemacht. Mein Rat:" Leistung muss sich lohnen" ist ein tolles Prinzip. Aber es gibt ja auch die Prinzipien Hoffnung und Gnade vor Recht.

8. Wird die Wahlbeteiligung höher sein als bei den letzten Wahlen?

Ja - falls es in den Wahllokalen morgen Freibier, Borussia-Videos, Karnevalsmusik und Riemchentorte gibt.

9. Kommen NPD und FDP in den Rat?

Weil es kein Freibier, keine Borussia-Videos, keine Karnevalsmusik und keine Riemchentorte gibt, sollte man damit rechnen.

10. Zeit für die wichtigste Frage in vielen Lebenslagen: Wer mit wem?

Die Antwort ist auch in dieser Lebenslage kompliziert. Möglicherweise sind am Ende nur zwei Zweiparteien-Bündnisse rein rechnerisch möglich: CDU und Grüne sowie CDU und SPD, die Mönchengladbacher GroKo. Beides wäre Neuland - und für manchen Alteingesessenen in etwa so erstrebenswert wie ein Fußmarsch nach Neufundland. Seit der Ampel hat sich die altmodische Frage, ob es bei Bündnissen inhaltliche Schnittmengen der Partner geben muss, allerdings erledigt. Wir sollten also auf allerlei Überraschungen gefasst sein.

11. Wird der Rat noch bunter?

Noch bunter? Ehrlich gesagt hatten wir zu hoffen gewagt, wir hätten den Gipfel vergangenen Mittwoch erklommen. Da bat die SPD-Ratsfrau Monika Berten die versammelten Ratsvertreter zu Beginn der Sitzung gebeten, möglichst schnell zu machen - sie wolle abends fernsehen.

12. Dann fragen wir anders: Kommen noch mehr Parteien in den Rat?

Ach so. Ja klar. Kann gut sein, dass 1000 Stimmen für ein Ratsmandat reichen. So viele Facebook-Freunde haben viele.

13. Wenn die Parteien nach der Wahl ihre Verhandlungen über ein Bündnis aufnehmen, spielt was die größte Rolle?

Nur die Inhalte, sagen die Parteien. Und das stimmt auch. Denn der wichtigste Inhalt sind nun mal Personen. Darum wird auch besonders lang über alle zu besetzenden Posten geredet.

14. Und die SPD schickt tatsächlich einen 25-Jährigen, der noch nie im Rat saß, als Verhandlungsführer los?

Erstens ist Felix Heinrichs gefühlt schon 15 Jahre Berufspolitiker. Zweitens wird es bei Päpsten nie der, der vorher als Favorit gehandelt wurde. Und drittens entscheiden das einzig und allein diejenigen, die für die SPD in den Rat gewählt werden - und zwar, damit sie nicht zu lange überlegen können - schon am Montagabend.

15. Lohnt es sich am Sonntag, den Wahlzettel in der Kabine länger zu studieren?

Unbedingt! Sie erfahren, wo der Oberbürgermeister wohnt, wie alt Nicole Finger ist und dass Luisa Angelica Urrutia Garrido kandidiert. Für die Marxistisch-Leninistische Partei. Bei der Europawahl.

16. Oh Gott! Europawahl ist ja auch noch! Interessiert die jemanden?

Nö.

17. Vier Wahlzettel reichen mir nicht. Wie schaffe ich es, auch den Integrationsrat mitwählen zu dürfen?

Geht alles. Auswandern. Türkische Staatsbürgerschaft annehmen. Wieder einwandern. Doppelte Staatsbürgerschaft beantragen. Wird aber eng bis morgen.

18. Und nun mal unter uns: Wer gewinnt denn nun die Wahl?

Unter uns - wie beim Fußball: nicht immer der Bessere. Manchmal auch einfach derjenige, der das Glück hat, dass der Linienrichter seine Gleitsichtbrille vergessen hat.

Hier geht es zur Infostrecke: Die wichtigsten Antworten zur Wahl in Mönchengladbach

(RP)