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Mönchengladbach: Das Schweigen der Schulschwänzer

Mönchengladbach : Das Schweigen der Schulschwänzer

In einer Studie wollte die Hochschule Niederrhein der Frage nachgehen, warum in Mönchengladbach rund 300 Kinder und Jugendliche regelmäßig die Schule schwänzen. Allerdings war die Rücklaufquote so schwach, dass keine statistische Auswertung vorgenommen werden konnte.

Es war ein hohes und ehrenwertes Ziel, das sich der Lions-Club Mönchengladbach auf die Fahnen geschrieben hatte. Anhand einer Studie wollte der Club herausfinden, warum in Mönchengladbach rund 300 Kinder und Jugendliche regelmäßig die Schule schwänzen.

Jetzt, nur wenige Monate später, sind die Mitglieder des Arbeitskreises "Schulverweigerer" hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Denn so wie sich die Schüler der Schule verweigern, haben sich viele auch geweigert an der Studie teilzunehmen.

Nur 14 Schulen nahmen teil

Um an die Adressen der Schulverweigerer zu kommen, wurden alle Mönchengladbacher Regelschulen um Mitarbeit gebeten. Es sollten die Schüler genannt werden, die im ersten Halbjahr des Schuljahres 2009/2010 mehr als 100 Stunden unentschuldigt gefehlt haben.

Zum Leidwesen von Professor Michael Borg-Laufs, der die Studie von Seiten der Hochschule betreute, gaben 21 von 35 Schulen an, an dem Projekt nicht teilnehmen zu wollen.

Die meistgenannte Begründung: Es gebe an ihrer Schule keine Schulverweigerung. Die restlichen 14 Schulen stellten letztlich 141 Adressen von Familien zur Verfügung, die gebeten wurden, an der Befragung teilzunehmen. "Allerdings war die Rücklaufquote mit neun Prozent so schwach, dass keine statistische Auswertung vorgenommen werden konnte", erklärt Borg-Laufs.

Gründe dafür sieht Borg-Laufs im Desinteresse der Eltern, in mangelnden Sprachkenntnissen und der Angst vor möglichen Konsequenzen.

Völlig umsonst war die knapp 4000 Euro teure Studie aus Sicht des Arbeitskreises aber nicht. "Allein die Rücklaufquote ist schon an sich ein Ergebnis", sagt Klaus Peter Diller, Sprecher des Arbeitskreises. So habe die Studie gezeigt, dass es die höchste Zahl von Schulverweigerern an den Hauptschulen gibt, denn dort würden alle landen, die wegen schlechter Leistungen und vieler Fehlstunden von den Gymnasien über die Gesamt- und Realschule bis zu den Hauptschulen durchgereicht werden.

Zudem fiele auf, dass 80 Prozent der Eltern von Schulverweigerern geschieden sind, 60 Prozent der Eltern die Schulverweigerer nicht bei schulischen Angelegenheiten unterstützen und 40 Prozent der Schulverweigerer Eltern haben, von denen mindestens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurde. Zudem scheinen viele Eltern das tatsächliche Ausmaß der Fehlstunden ihrer Kinder nicht zu kennen und auch nicht zu wissen, wie sie die Zeit während des Schulschwänzens verbringen. Deshalb müsse ein geregeltes Meldesystem mit einer EDV-Erfassung her, damit diese Schüler nicht mehr so leicht durchs Raster fallen, so das Fazit des Arbeitskreises.

Zudem hat der Arbeitskreis festgestellt, dass "wir nur den Weg über die Politik suchen können, denn nur sie könnte eine einheitliche Behandlung bei Schulverweigerungen durchsetzen. Sie könnten als wirkungsvolle Sanktion die Kürzung der Sozialleistungen oder des Kindergeldes erwirken.

(RP)