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Serie Kulturmarkt (4): Das Publikum wird zum Spontan-Chor

Serie Kulturmarkt (4) : Das Publikum wird zum Spontan-Chor

Beim Theater-Kulturmarkt am Samstag, 13. Juni, darf das Publikum sich im Circlesinging erproben. Worum es dabei geht, erläutert der 54-jährige Grafik-Designer Frank Ebeling. Der erfahrene Sänger denkt sich Singmuster spontan aus.

Mit dem Singen fing in Urzeiten all das an, was seither unter dem Oberbegriff Musik gefasst wird. Die menschliche Stimme als Klangerzeuger nicht nur fürs sprechende Kommunizieren, sondern auch für über Wegstrecken hinweg gerufene nachdrückliche Aufforderung, Signale, was später zum Liedgesang verfeinert wurde. Durch Singen wurde und wird das Gemeinschaftsgefühl von Gruppen gefestigt, es ist das Ur-Instrument des Menschen.

Darauf fußt das Prinzip von Circlesinging. Einer, der sich damit seit zehn Jahren gut auskennt, ist Frank Ebeling aus Moers. Der 54-jährige Grafik-Designer erzählt, woher seine Begeisterung für das improvisierte Singen in Gruppen auf vorgegebene rhythmische oder melodische Patterns rührt: "Ich hatte im Jahr 2004 ein Konzert mit Bobby McFerrin besucht. Der Sänger hatte mit dem Publikum Circlesinging live von der Bühne aus durchgeführt. Das hat mich tief beeindruckt", sagt Ebeling. Er probierte es nun selbst auf einsamen Spaziergängen im Wald aus: repetierte Ton-Lautfolgen, die auf beliebigen Silben oder Vokalen intoniert werden, eine Technik, die auch Jazzmusiker beim sogenannten Scat-Singen pflegen. Dann nahm er an einem Workshop mit Bobby McFerrin teil.

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Ebeling hatte sich fürs Singen auch schon in seiner Jugend interessiert und Gesangsunterricht genommen. Noten kann er daher problemlos lesen. Aber darauf kommt es, wie er betont, beim Circlesinging gar nicht an. "Notenkenntnisse sind keine Voraussetzung", erläutert Ebeling. Wichtiger ist die Bereitschaft zum Improvisieren. "Alle Pläne sind nichts im Vergleich zu der Augenblicks-Idee: Wähle ich ein klassisches Pattern, so kann ich das Muster im nächsten Moment in ein afrikanisch wirkendes, stark rhythmusbetontes verwandeln. Man muss die Patterns auf sich zukommen lassen, sich selbst aufs Spiel setzen. Das kann sehr aufregend sein", hat Frank Ebeling immer wieder bei seinen Sing-Aktionen mit Publikum erfahren. Denn das Publikum wird bei ihm immer zum Klangkörper, zum eigentlichen Subjekt des Geschehens. Dabei komme auch der Begriff Freiheit ins Spiel. "Mit dieser Freiheit beim Singen verantwortungsvoll und kommunikationsorientiert umzugehen, ist das A und O beim Circlesinging", hebt Ebeling hervor. Um Anarchie oder absolute Freiheit gehe es hier nicht, anders als etwa beim Free Jazz. "Dort hat die Entwicklung auch dazu geführt, dass die beteiligten Musiker wie Inseln im Musikstrom wirken, das kann die Musik ad absurdum führen."

Im Zentrum des Circlesinging steht die Wiederholung, technisch: der Loop. Das bedeutet eine kreisförmige Folge von Klangmustern, die ähnlich wie bei der Minimal Music fortwährend repetiert werden. Doch da die singende Gruppe wie bei einem Chor aufgeteilt wird - zum Beispiel in vier Stimmregister Sopran, Alt, Tenor, Bass -, kommen andere Patterns als Varianten ins Spiel. "Diese durchdringen, ergänzen oder überlagern sich", erläutert Frank Ebeling.

Beim Kulturmarkt am 13. Juni wird der Programmpunkt Circlesinging das Fest im Theater beschließen. "Wir sind von 21 bis 22 Uhr im Konzertsaal", sagt Ebeling, "alle sind eingeladen mitzusingen."

(RP)