Mönchengladbach: Das letzte Mal Rats-TV?

Mönchengladbach: Das letzte Mal Rats-TV?

Nach sechs Sitzungen live im Netz mit niedrigen Zugriffszahlen entscheidet der Rat heute, ob die Übertragung fortgesetzt wird. Politiker sind dafür und wollen, dass sich die Verwaltungsspitze nicht mehr aus Aufzeichnungen herausschneiden lässt.

Sie war kein Quotenknüller, aber sie hat trotzdem für viel Aufregung gesorgt: Die Live-Übertragung der Ratssitzung und vielmehr noch die später im Netz anzuschauenden Reste des Zusammenschnitts sind heute Thema im Stadtrat. Dann entscheiden die Politiker, wie es mit dem Rats-TV nach der ohnehin bereits einmal verlängerten Testphase weitergeht. Die Verwaltung hat keine eindeutige Empfehlung ausgesprochen und in ihrer Beschlussvorlage beide Varianten (fortsetzen oder einstellen) formuliert. Zwischen den Zeilen wird allerdings deutlich: So richtig traurig wäre im Rathaus offenkundig niemand, wenn man die Übertragungen wieder beenden würde. Die Nachfrage nämlich sei "als sehr gering einzuschätzen", heißt es in dem Papier, das auch die Zugriffszahlen zusammenfasst.

Demnach gab es in den sechs im Netz live gestreamten Ratssitzungen zwischen 64 und 184 IP-Adressen-Zugriffe gegeben, im Schnitt waren es 132. Im Schnitt waren zeitgleich 38 Computer (oder Smartphones und Tablets) zugeschaltet mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 18 Minuten. Der Client-Zugriff lag im Mittelwert bei 540 - so viele Zuschauer schalteten live also ein. Das wiederum entspreche 0,3 Prozent aller volljährigen Deutschen und EU-Bürger aus Mönchengladbach - im Wesentlichen also die Wahlberechtigten (hinzu kommen noch die 16- und 17-Jährigen). Das Videoangebot im Netz (also die zusammengeschnittene Aufzeichnung) sahen sich in 14 Tagen 57 beziehungsweise 83 Nutzer an, was 0,03 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Dem stehen jährliche Kosten für die dauerhafte Übertragung des Rats-TV von wohl 12.000 Euro gegenüber. Hinzu käme ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand von 15 Stunden zur Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung. Bei Letzterem geht es insbesondere darum, dass eben nicht alle Teilnehmer der Ratssitzung damit einverstanden sind, in der Aufzeichnung im Netz gezeigt zu werden. Nicht nur Politiker, sondern auch der gesamte Verwaltungsvorstand fehlten so in den Zusammenschnitten.

  • Wozu dann Gigabit-City?

Was daraus nun wird, ist völlig offen. Die Große Koalition will sich nämlich erst heute kurz vor der Ratssitzung auf eine gemeinsame Linie festlegen. Ganz abgeneigt sind Christdemokraten und Sozialdemokraten offenbar nicht. "Die Zahlen sind natürlich ernüchternd", sagt SPD-Fraktionschef Felix Heinrichs. "Aber ich glaube, wenn man das Rats-TV eingeführt und die entsprechende Transparenz geschaffen hat, sollte man es erstmal fortführen und überlegen, wie man es attraktiver gestalten kann." CDU-Politiker Martin Heinen will sich ebenfalls ungern davon trennen: "Im Vergleich zum Publikum im Zuschauerraum hat sich das Interesse im Netz immerhin mindestens verzehnfacht. Das Spannende ist aber die Mediathek: Die Bürger wollen bestimmte Beiträge sehen, dann aber ganz. Alle sollten bitte in sich gehen und überlegen, ob sie sich nicht doch zeigen lassen wollen. Die FDP will sich heute erst festlegen. "Wir sind aber grundsätzlich aufgeschlossen", sagt die Fraktionsvorsitzende Nicole Finger. "Und wir sollten vielleicht überlegen, ob es nicht eine Verpflichtung gibt, sich auch in Aufzeichnungen zeigen zu lassen." Die Linken und die Grünen sind ohnehin dafür, das Rats-TV fortzusetzen. "Das ist ein erheblicher Teil Transparenz, den ein Rat schaffen kann", sagt Torben Schultz (Linke). "Und die Verwaltung sollte sich hinterfragen, ob sie sich öffentlich so darstellen will."

(RP)