Hautarzt Peer Wieneke: Das Leiden der Haut im Winter-Blues

Hautarzt Peer Wieneke : Das Leiden der Haut im Winter-Blues

Der in Mönchengladbach niedergelassene Hautarzt und Allergologe, Peer Wieneke (50), erläutert, welchen Belastungen die Haut im Winter ausgesetzt ist. Er rät dazu, sich auch in dieser Jahreszeit der Sonne nicht schutzlos auszusetzen.

In der kalten Jahreszeit gehen Menschen in der Regel nicht leicht bekleidet nach draußen. Wie kann es dennoch geschehen, dass Gesicht, Schädel, Hände trotz des niedrigen Sonnenstandes zu viel UV-Strahlung abbekommen, so dass die Haut leidet?

Peer Wieneke Die Gefahr eines akuten Sonnenbrandes ist in unseren Breiten im Winter deutlich geringer als im Sommer. Die hautwirksame Strahlung im UV-Bereich ist im Sommer um das Dreißigfache stärker als im Januar. Auch wenn die UV-Belastung derzeit deutlich geringer als im Sommer ausfällt, heißt das nicht, dass man sich bedenkenlos dem Sonnenlicht aussetzen sollte. Kumulative Effekte, abhängig von der Bestrahlungszeit, können zu vorzeitiger Hautalterung und chronischen Lichtschädigungen führen. Daher würde ich auch im Winter bei längerer Sonnenexposition einen Lichtschutz empfehlen.

Man kann sich also auch im Winter einen Sonnenbrand einfangen?

Wieneke Zweifellos. Wer schon mal ohne Sonnenschutz im Hochgebirge unterwegs war, kann davon berichten. Ohne Sonnencreme würde ich nicht Ski fahren, übrigens auch nicht bei bedecktem Himmel. Oft wird die Wirkung der die Wolkendecke passierenden hautwirksamen Strahlung unterschätzt.

Patienten klagen im Winter verbreitet auch über austrocknende Haut. Ist dafür allein Heizungsluft ursächlich?

Wieneke Neben den klimatischen Bedingungen, die zu einer Austrocknung der Haut führen können, spielen auch zivilisatorisch bedingte Effekte wie zum Beispiel Schwankungen der Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen eine Rolle. Durch Heizungen oder Klimaanlagen kommt es zu einem Absinken der Luftfeuchtigkeit, was sich negativ auf den Hautzustand auswirken kann. Aber auch Angewohnheiten wie das tägliche Duschen oder das lange, heiße Entspannungsbad können zum Austrocknen der Haut führen, wenn keine entsprechende Pflege durchgeführt wird.

Was empfehlen Sie zur Behandlung trockener Haut?

Wieneke Die Haut ist eine anatomische und physikalische Barriere, die für ein Überleben unverzichtbar ist. Die äußere Schicht kann man sich wie eine Ziegelwand vorstellen, die aus etwa 20 gestapelten Hornlamellen besteht. Diese Schicht ist von einer Art Mörtel umgeben, der aus speziellen Matrixlipiden und Fettsäuren besteht. Eine solche Wand dient als Schutz vor dem Eindringen von Mikroorganismen und Allergenen. Sie schützt aber nicht nur vor Einwirkungen von außen, sondern schafft zudem eine Barriere, die dem Wasserverlust entgegenwirkt, verhindert also, dass Wasser über die Haut verloren geht. Regelmäßige Basispflege mit feuchtigkeitsspendenden Lotionen und schonenden Reinigungsprodukten ist bei trockener Haut empfehlenswert. Um die Wasserbindungskapazität der Hornschicht zu erhöhen und so die Barrierefunktion zu gewährleisten, sind Moisturizer wie zum Beispiel Harnstoff gut geeignet.

Zum Leidenskanon der Haut im "Winter-Blues" gehört auch die saisonale Zunahme von Juckreiz. Viele kratzen sich dann. Worauf ist zu achten, wenn man juckende Stellen behandeln will.

Wieneke Eine der Beschwerden, die sich aus dem Wasserverlust der oberen Hautschicht ergibt, besteht im Auftreten von Juckreiz. Infolge der Austrocknung der Hornschicht können Entzündungen in der Haut entstehen, die ärztlich behandelt werden müssen. Wenn die trockene Haut nicht ausreichend eingecremt wird, können Austrocknungsekzeme auftreten, die schließlich den Einsatz rezeptpflichtiger entzündungshemmender Substanzen erforderlich machen. Bevor es so weit kommt, würde ich hier die Pflege mit rückfettenden und hydratisierenden Cremes empfehlen.

Sie sprachen vorhin von chronischen Lichtschädigungen. Vor allem ältere Männer mit Glatze sind davon betroffen, sie erleben es, dass sich auf dem Kopf sogenannte Keratosen bilden. Warum müssen solche Hautveränderungen untersucht und behandelt werden?

Wieneke Bei Menschen, die sich in ihrem Leben über längere Zeiten dem Tageslicht ausgesetzt haben und zu den empfindlicheren Hauttypen gehören, können aktinische Keratosen auftreten. Dabei handelt es ich um lichtbedingte Hautschädigungen, die der Patient oft als relativ unscheinbar erlebt. Solche Lichtschäden schmerzen nicht, aber wenn eine entsprechende Behandlung versäumt wird, kann aus ihnen weißer Hautkrebs entstehen.

Wie sind Keratosen zu behandeln?

Wieneke Es ist erstaunlich, dass die Therapie solcher durch Licht entstandenen Schäden wiederum in der Behandlung mit Licht, etwa per Laser oder mithilfe der Photodynamischen Therapie, erfolgen kann.

(ri-)
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