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Regenrückhaltebecken für Mönchengladbach: Das ist Gladbachs größte Baustelle

Regenrückhaltebecken für Mönchengladbach : Das ist Gladbachs größte Baustelle

Drei Jahre soll der Bau des Regenrückhaltebeckens in Geneicken dauern. Schon jetzt lässt sich erahnen, wie das Gelände einmal aussehen wird. Archäologen haben bereits einen Sensationsfund gemacht - und hoffen nun auf einen weiteren.

Der Gegensatz könnte nicht größer sein: Hier die riesigen Baumaschinen, deren große Schaufeln sich nahezu mühelos durch das Erdreich fräsen. Dort das junge Mädchen, das auf dem Boden knieend Millimeter für Millimeter Erdreich untersucht. Hier gilt nicht das Recht des Stärkeren, hier geht es erst weiter, wenn sie fertig ist.

Denn beim Bau des Regenrückhaltebeckens Geneicken haben die Archäologen ein wichtiges Wort mitzusprechen. Sie arbeiten mit dem Bauherren, dem Niersverband, bei den Arbeiten auf dem Gelände Hand in Hand. In den Baubereichen dürfen sie nach Fossilien und anderen archäologischen Funden suchen und haben dabei schon Erstaunliches zutage gefördert.

Eine Grafik des Niersverbands zeigt einen Entwurf des Regenrückhaltebeckens nach Fertigstellung. Foto: Niersverband

Anfang 2013 begannen die Arbeiten auf dem 23 Hektar großen Areal. Binnen drei Jahren soll hier ein Hochwasserrückhaltebecken entstehen, um die Niers bei starken Regenfällen zu entlasten. Rund 200 000 Kubikmeter beträgt das angepeilte Stauvolumen des 15 Millionen Euro teuren Projekts.

Nachdem die Bagger im vergangenen Jahr zunächst tonnenweise Erdreich aufgeschüttet haben, lässt sich inzwischen erahnen, wie der Bereich zwischen Bresgespark und Schloss Rheydt später einmal aussehen wird. Das Becken ist von einem Wall umgeben, der aufgrund des abschüssigen Geländes an einigen Stellen nur knapp 50 Zentimeter, an anderen Stellen bis zu 2,4 Meter hoch sein wird. Das Flussbett der Niers wird bereits erneuert. Teilweise wurde schon damit begonnen, riesige Wurzeln und Holzstücke einzusetzen. Sie sollen später den Flussbewohnern als Biotop dienen. Am Uferrand wurde eine meterlange Kiesschicht aufgetragen. Sie soll dabei helfen, dass das Wasser nicht unkontrolliert in die Niers strömt, sondern langsam versickern kann.

Einige Meter weiter ragen festbetonierte Regenkanäle in die Niers hinein. Hier entsteht der Polderdamm, der das Becken in zwei Bereiche teilt. Die Kanäle mussten an die neuen Bedingungen angepasst werden. "Die Rohre sind ungefähr viermal größer als die alten", sagt Jörg Langner, Fachbereichsleiter Gewässer beim Niersverband.

Die Archäologen machten hierbei ihren bislang größten Fund: Sie entdeckten zwischen 40 000 und 80 000 Jahre alte Knochen eines Auerochsen. Weil es kaum Knochenfunde aus der mittleren Altsteinzeit gibt, gelten sie bereits jetzt als Sensation. Auch jetzt untersuchen sie weiter den Boden, erst wenn sie ihr Zeichen geben, können die Bauarbeiter die Arbeiten fortsetzen.

Bürger können sich von den Bauarbeiten am Sonntag, 29. Juni, beim Tag der offenen Baustelle ein Bild machen. Von 11 bis 17 Uhr kann dann das Regenrückhaltebecken besichtigt werden.

Nach dem Ende der Bauarbeiten wird dies nicht mehr möglich sein. Zwar wird es ein Rad- und Fußwegenetz geben, das Betreten des Beckens ist dann jedoch aus Sicherheitsgründen verboten. Wie das Gelände nach dem Ende der Bauarbeiten gesichert wird, ist noch unklar. "Wir wollen hier keinen zwei Meter hohen Stabgitter-Zaun bauen", sagt Jörg Langner. Allerdings müssten auch die Vorschriften der Planfeststellungsbehörden und der Versicherer erfüllt werden.

(RP)