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Wolfsittard: Das Glück im Garten

Wolfsittard : Das Glück im Garten

Früher nannten Geographen Wolfsittard auch Hufendorf, weil hinter jedem Haus ein hufförmiges Stück Land lag. Bauernhöfe gibt es kaum noch, auch keine Kapelle oder Gaststätte. Das Miteinander ist den Bewohnern wichtig.

Jetzt will es Dr. Wolfgang Löhr aber genau wissen. Er steht von seiner Wohnzimmercouch auf, geht rasch ins Nebenzimmer und holt ein Buch, setzt sich wieder, blättert schnell zum Register auf den letzten Seiten - "Ah, da", sagt der ehemalige Leiter des Gladbacher Stadtarchivs dann und tippt mit dem rechten Zeigefinger auf eine Zeile. Einmal hat er Wolfsittard in seinem neuen Buch "Kleine Mönchengladbacher Stadtgeschichte" erwähnt. Wäre auch traurig gewesen, wenn nicht: Schließlich wohnt Dr. Wolfgang Löhr seit 1974 in dem Straßendorf zwischen Dorthausen und Hehn.

Karte aus vergangener Zeit

"Geografen nennen es auch ,Hufendorf'", erklärt er. Weil früher zu jedem Haus ein etwa hufförmiges Stück Land dahinter gehört habe. Auf Wolfgang Löhrs Couchtisch liegt nicht nur sein Buch, sondern auch der Städteatlas Rheindahlen, den er in den 70er Jahren zusammengestellt hat. Aus der großformatigen Mappe zieht Löhr eine alte gezeichnete Karte hervor und klappt sie auseinander. "Der französische Militäringenieur Tranchot hat sie Anfang des 19. Jahrhunderts erstellt", sagt der ehemalige Archivar.

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Wolfsittard ist deutlich zu erkennen, "das war damals schon eine größere Gemarkung". Einige Höfe sind zu sehen, und die Landwehr, die bis heute zwischen Hehn und Wolfsittard verläuft. "Die Landwehr war früher auch eine politische Grenze", erzählt Löhr. Hehn gehörte zum Amt Mönchengladbach-Grevenbroich, Wolfsittard zum Amt Brüggen. Heute zählt das kleine Dorf jedoch zu Hehn, und zwar etwa seit der große Nachbar 1858 seine eigene Pfarre Mariä Heimsuchung gründete.

Wolfsittard schloss sich damals an, bis jetzt hat der Ort kein eigenes Gotteshaus nicht mal eine kleine Kapelle. Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hatte Wolfsittard noch zum Kölner Stift Maria im Kapitol und zu Rheindahlen gehört, Hehn dagegen zur Mönchengladbacher Abtei. "Schon im 15. Jahrhundert ist Wolfsittard eine größere Siedlung gewesen", sagt Wolfgang Löhn nach einem weiteren Blick ins Kartenmaterial. "Hier haben immer relativ bescheidene Verhältnisse geherrscht", erzählt er. "Es gab bis ins 20. Jahrhundert viele Weber und Bauern."

Neben Flachs sei vor allem Roggen angebaut worden, aber auch Bohnen und Kartoffeln. "Auch heute haben wir hier noch ein paar Bauernhöfe. Aber nicht mehr als fünf." Der Ort hat keine eigene Kapelle, keine Vereine, keine Gaststätte - aber immerhin ein Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Außerdem habe Wolfsittard eine gute Nachbarschaft, sagt Wolfgang Löhr. "Sie funktioniert ausgezeichnet, man kann sich immer auf seine Nachbarn verlassen", meint er. Es gebe im Dorf noch viele Alteingesessene, doch auch Neue würden "integriert."

(RP)