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Mönchengladbach: Das Geschäft mit russischen Patienten

Mönchengladbach : Das Geschäft mit russischen Patienten

Als er noch angestellter Mediziner war, hat sich der Neurologe Igor Virko speziell um die russischen Patienten gekümmert. Weil der Ukrainer ihre Sprache beherrschte, konnte er die größte Hürde ganz leicht nehmen. "Wir bekamen immer mehr Anfragen", erinnert er sich. Allerdings stellte er ein Defizit zwischen den Vorstellungen der Klinik und der Patienten fest. "Die Klinik wollte nur die Patienten haben, aber sie nicht entsprechend betreuen", ist ihm aufgefallen. "Aber die Patienten zahlen meist selbst und haben Ansprüche." Seine Geschäftsidee war geboren.

Gemeinsam mit seiner Frau Dr. Marina Virko, einer Internistin, gründete er 1998 das Unternehmen CMP Germed GmbH. Damals diente das Zimmer ihres Sohnes als Büro. Das Unternehmen vermittelt Patienten aus Russland, Kasachstan, der Ukraine und Bulgarien an die richtige Klinik in Deutschland zur Behandlung. Büros in Moskau Kiew und Kasachstan stellen den ersten Kontakt her. Bevor ein Patient nach Deutschland kommt, werden seine Unterlagen mit bisherigen Untersuchungen und den Befunden übersetzt. "Zu uns kommen Patienten in besonders schwierigen medizinischen Situationen", sagt Marina Virko. "Wir sind ihre letzte Chance." Denn die medizinische Versorgung in Deutschland hat einen hohen Qualitätsstandard. "Ein Unterschied wie ein Lada zum Mercedes", sagt Igor Virko.

Aufgrund der Unterlagen sucht das Team die richtige Klinik in Deutschland. 99 Prozent der Patienten werden in Nordrhein-Westfalen behandelt, viele davon sogar in Gladbacher Kliniken. "In NRW gibt es gute Ärzte und gute Uni-Kliniken", sagt die Internistin. Per Videokonferenz findet das erste Gespräch mit dem Patienten statt. Dann wird ihm schon vorab erklärt, wie und wo die Therapie geplant ist. Dabei werden ihm die Schritte genau erklärt. "Ohne unseren medizinischen Hintergrund könnten wir das nicht machen" ist Marina Virko überzeugt.

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Auf dem Weg in die Klinik wird er von den CMP-Mitarbeitern begleitet. Transfer, Visa, Unterkunft für Begleitpersonen, Arztbesuche: Alles wird organisiert. "Der Patient muss sich gut aufgehoben fühlen und alles verstehen", sagt Marina Virko. Viele Patienten kommen seit Jahren. Vom jährlichen Gesundheitscheck bis hin zur komplizierten Operation reicht das Spektrum.

Dass die Idee des Medizin-Managements sich auch für deutsche Patienten durchsetzen wird, davon ist Marina Virko überzeugt. Ihr Unternehmen beschäftigt mittlerweile 20 Mitarbeiter. 2008 hat es in den ersten acht Monaten 1,3 Millionen Euro an Kliniken überwiesen. Mehr als doppelt so viel wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

(RP)