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Mönchengladbach: Das Geschäft mit dem Leder

Mönchengladbach : Das Geschäft mit dem Leder

Seit drei Generationen hat das Handwerk in der Familie Titz Tradition. In Rheydt ist der Betrieb fast schon eine Institution. Neben Schuhen fertigt Schuhmachermeister Reiner Titz dort Gürtel an und kann auch bei Portemonnaies und Koffern helfen.

Rheydt Der Geruch von Leder, der Umgang mit dem Material und das handwerkliche Geschick — das ist das, was Reiner Titz liebt. Der Schuhmachermeister steht selber in seinem Geschäft, das gleichzeitig seine Werkstatt ist. Jeder Kunde kann sehen, wie Reiner Titz sein Handwerk ausübt.

Dass er sich für diesen Beruf entschieden hat, ist kein Zufall. Schon sein Großvater war Schuhmacher und arbeitete in Stendal. Dort kam Reiner Titz als Kind das erste Mal in Kontakt mit dem Handwerk. Sein Vater Josef Titz eröffnete schließlich vor 50 Jahren ein eigenes Geschäft in Rheydt, das Reiner Titz 1994 übernommen hat. Im September zog er mit seinem Betrieb in ein neues Ladenlokal an der Odenkirchener Straße kurz hinter dem Marienplatz. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum wurde das Unternehmen nun von der Handwerkskammer Düsseldorf ausgezeichnet.

Mit dem Material aufgewachsen

"Als Kind habe ich meinem Opa viele Fragen gestellt und ihn bei der Arbeit beobachtet. Er hat mir alles erklärt", erinnert sich Reiner Titz. Hier und da durfte er als Kind auch einmal etwas ausprobieren. Da es früher nicht viele Schuhmacher gab, war der Beruf sehr angesehen. Mit der Zeit fand Reiner Titz heraus, dass der Beruf seines Großvaters der ist, den er auch ausüben möchte.

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Daher entschloss er sich zu einer Lehre im elterlichen Betrieb. 1992 bekam er schließlich seinen Meisterbrief. "Viele wissen gar nicht mehr, was man alles reparieren kann. Man muss nicht immer alles wegwerfen", sagt seine Frau Elisabeth Titz. Doch Reiner Titz ist nicht nur ein Schuhmacher, der defektes Schuhwerk wieder repariert. Er fertigt auch Maßschuhe an. Die kosten zwar etwas mehr, haben dafür aber eine hohe Qualität. "Mit einem guten Schuh kann man viel für die Gesundheit tun", sagt Reiner Titz. Wichtig sei dabei immer die Sohle. Hat zum Beispiel jemand Probleme mit der Achillessehne, kann eine angepasste Sohle die Sehne entlasten.

Seit einiger Zeit schon ist das Geschäft mit Schuhen nicht mehr das einzige, das Reiner Titz betreibt und er ist bekannt für seine Gürtel. Die stellt der Handwerksmeister selber her und passt sie individuell den Bedürfnissen seiner Kunden an. "Wenn die Motorradsaison anfängt, kommen viele Biker mit Gürtelschnallen zu mir und kaufen einen Riemen", sagt Titz. Aber auch wenn ein Kunde Probleme mit seinem Koffer oder seinem Portmonnaie hat, kann Reiner Titz helfen. "Ein so kleiner Betrieb ist eine Macht", sagt Carsten Schmitz, Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf. Dass sich das Geschäft seit 50 Jahren hält, sei keine Selbstverständlichkeit. Nicht zuletzt deshalb steht auf der Urkunde auch geschrieben: Für meisterliches Schaffen, Wahrung der Standesehre und berufliche Treue.

Potenzielle Nachfolger hat Reiner Titz bereits. Seine Söhne Florian, Robin und Nick packen hin und wieder im Geschäft an und dürfen sich auch an den Maschinen versuchen. "Wenn einer von ihnen den Betrieb einmal übernehmen möchte, ist das schön. Ich lasse ihnen da aber die freie Wahl. Sie können den Beruf ergreifen, den sie möchten", sagt Reiner Titz.

(cli)