Peel : Das Dorf neben England

Als die Welt nach Peel kam: Das Dorf im Westen Gladbachs führte ein beschauliches Leben, als 1950 das JHQ direkt neben der Honschaft entstand. Seitdem hat das Dorf mit den etwa 60 Wohnhäusern, ein paar Kuhweiden und der malerischen Landschaft England zum Nachbarn.

Etwas besseres war den Erfindern des städtischen Busfahrplans offensichtlich nicht mehr eingefallen. Als das Dorf Koch zwischen Hardt und Rheindahlen ans Busnetz angeschlossen werden sollte, da fehlte noch ein Name für die letzte Bushaltestelle an einem kleinen Landweg zwischen Kuhweiden und Pferdekoppeln. Der Weg endet mitten im Zuckerrübenfeld von Bauer Georg Bolten, praktisch im Nirgendwo. Und sie nannten diese Bushaltestelle "Weg nach Peel".

Nein, die Honschaft Peel hat es nicht verdient, als Wegbeschreibung auf einem Bushaltestellenschild zu enden. Peel ist ein Dorf von Weltrang. Das Dorf neben England.

180 Bewohner, darunter 30 Kinder, genießen in diesem Örtchen mit seiner malerischen Natur ihr gemütliches, ländliches Leben. Alles, was man braucht, war und ist noch immer im Nachbardorf Broich: eine Schule, der Sportplatz, die Kirche, Geschäfte. Das Maifest wird von der Dorfgemeinschaft organisiert. Reihum wird jedes Jahr woanders gefeiert. Man kränzt gemeinsam, wenn irgendwo geheiratet wird. Vor ein paar Jahren kam Bauer Georg Bolten schließlich diese Idee, für Peel eine kleine Revolution: Am Eingang zu seinem Hof, direkt unter einer Linde, stellte er einen Kartoffel-Automaten hin, der Eier und Kartoffeln verkauft. Nun können die Peeler also nachts Kartoffeln kaufen. Immerhin.

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Peel ist seit jeher ein Ort, in dem die Landwirtschaft das Geschehen bestimmte. Einst gab es elf Höfe, erinnert sich August Amend, der seit seiner Geburt mit einer kurzen Unterbrechung in Peel lebte. Heute werden noch zwei von ihnen bewirtschaftet. Im Zweiten Weltkrieg errichteten die Nazis ein Gefangenenlager in Peel. Dort wurden Bürger aus Polen untergebracht, die die Felder bestellten. Nicht mehr viel erinnert an diese Zeit, selbst die alten Fachwerkhäuser wichen moderneren Backsteinbauten.

In Peel gibt es etwa 60 davon, dazu Kuhweiden und Bäume. Und weil die komplette Gegend unter Naturschutz steht, wird das auch so bleiben. Ein beschauliches Dörfchen, mit Anschluss an eine Militärbasis. Irgendjemand kam nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Idee, man könnte die Briten in Mönchengladbach stationieren. Seitdem teilt sich Dorfbewohnerin Doris Bodden einen Gartenzaun mit dem Hauptquartier. Einer der Einfahrten ins HQ liegt direkt am Dorfausgang. Die Welt kam nach Peel. Aus den neuen Nachbarn wurden Freunde, viele Peeler arbeiten mittlerweile im Hauptquartier. Obwohl, wie August Amend sagt, damals in Peel keiner Englisch sprach. "Hier konnte man nur Platt", sagt er in breitestem Dialekt. Nicht selten trabte ein Trupp Soldaten auf Gepäckmarsch durch Peel. Dass die Streitkräfte bald, wie vom englischen Parlament beschlossen, abrücken könnten, das will Amend noch immer nicht so recht glauben.

Doch die Briten waren nicht die Ersten, die Peel besuchten. "Selbst die Römer waren schon da", sagt Dorfbewohner Johannes Jussen. Vor ein paar Jahren bemerkte Bruno Bolten, Vater von Georg Bolten, beim Kartoffelroden ein seltsames Knirschen. Er stieg vom Traktor, schaute nach und entdeckte in der lehmigen Erde Scherben. Sie stammen von römischen Gefäßen, wie Bruno Bolten vermutet. So muss es einst gewesen sein, in dem Dorf von Weltrang.

(RP)