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Knoor: Das Dorf mit den schönen Hecken

Knoor : Das Dorf mit den schönen Hecken

Eine eigene Kapelle hat Knoor zwar nicht, die teilt sich das Dorf mit den Nachbarn aus Merreter. Dafür thronen im Ort ein Buddha aus Köln und eine selbst gebaute Holzbank. Es wächst dort jede Menge Grün, und die Frösche quaken in den Teichen um die Wette. Etwa 150 Meter lang ist die Hauptstraße, an der zehn Häuser stehen.

Neulich erzählte Karl-Heinz Kohlen einem Bekannten, wo er wohnt. "Ach, in Knoor", antwortete besagter Bekannter, "das ist doch das Dorf mit den schönen Hecken". Genau das ist es. Sie sind unterschiedlich hoch, dicht gewachsen, bestehen aus Koniferen und diversem anderen gepflegten Grünzeug. Die Knoorer rahmen damit ihre großen Grundstücke mitten auf dem Land zwischen Merreter und Genhausen ein.

 Auch Frauke Schnoor hat natürlich eine eigene gepflegte Hecke, in ihrem Garten steht außerdem ein großer Buddha. Zusammen mit Heinz Steffens schleppte sie ihn dorthin, darum musste sie ihren Nachbar nicht mal bitten.
Auch Frauke Schnoor hat natürlich eine eigene gepflegte Hecke, in ihrem Garten steht außerdem ein großer Buddha. Zusammen mit Heinz Steffens schleppte sie ihn dorthin, darum musste sie ihren Nachbar nicht mal bitten. Foto: Detlef Ilgner

Weitläufige Gärten, Frosch-Teiche und Einfamilienhäuser befinden sich hinter den Hecken — und zwar gerade Mal zehn Stück. "Unsere Straße ist etwa 150 Meter lang", schätzt Karl-Heinz Kohlen. Er ist gebürtiger Knoorer, davon gibt es im Dorf noch ein halbes Dutzend. Wie viele Einwohner Knoor hat? "Vor Jahren hatten wir mal 33", sagt Heidi Steffens. "Da sind nicht viele zu gekommen."

Nicht zögern, sondern anpacken

Sie lebt im einzigen ehemaligen Bauernhof und gleichzeitig dem ältesten Haus in Knoor. "Bis 1800 konnten wir es zurückdatieren", erzählt Heidi Steffens. "Als wir es umgebaut haben, kamen ganz viele Nachbarn und haben geholfen." Das schöne in Knoor sei, dass man meistens gar nicht um Hilfe bitten müsse. Denn die Leute packten ganz selbstverständlich mit an.

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So wie damals, als Frauke Schnoor der schwere Buddha aus Köln geliefert wurde. Da hat Heidi Steffens Mann Heinz nicht gezögert und mit ihr die Figur in den Garten geschafft. Doch selbst, wenn ein Knoorer mal um Unterstützung bitten muss: "Ich habe noch nie vergeblich gefragt", sagt Karl-Heinz Kohlen. Das liegt nicht daran, dass er ein gebürtiger Knoorer und somit besonders ehrwürdig wäre — auch die Zugezogenen genießen diesen Service.

"Wir sind hier mit offenen Armen aufgenommen worden", sind sich Frauke Schnoor und Rolf Ketels einig. Frauke Schnoor kramte ihr in Rheydt längst abgelegtes Platt wieder hervor und fühlte sich sofort heimisch dort draußen auf dem Land, wo so ziemlich alle per Du sind. Für den Mönchengladbacher Bund für Umwelt und Naturschutz und den Naturschutzbund Deutschland war sie von Knoor aus aktiv und gehörte unter anderem zur Bürgerinitiative "Gegen Braunkohleabbau".

Auch gegen die Verlegung der Bundesstraße 57 gleich in die Nähe von Knoor hat sie sich erfolgreich mit aufgelehnt. "Hier war die Keimzelle vieler Aktivitäten", meint Karl-Heinz Kohlen. Knoor sei "eins der letzten natürlich gewachsenen Dörfer in Mönchengladbach", ist er sicher. Der neuste Neubau entstand vor 30 Jahren, es ist Frauke Schnoors Haus. Mittlerweile gebe es keine Baugenehmigungen mehr, sagt Kohlen.

Es bleibt in Knoor also in Zukunft bei zehn Häusern. Die sind jedoch nicht mit den Hausnummern eins bis zehn versehen, stattdessen gibt es zum Beispiel die 23 und die 19. Das sei so, weil die Baulücken zwischen den Gebäuden mitgezählt würden, erläutert Kohlen. Er nimmt in Knoor eine Sonderstellung ein: Sein Haus ist das einzige mit gerader Hausnummer. Knoor 2 steht ganz alleine auf der "anderen" Straßenseite, natürlich umgeben von einer Hecke.

Wenigstens hat Familie Kohlen noch die Bushaltestelle auf ihrer Seite, an der mehrmals täglich die Linien 26 und 27 stoppen. Die Wartezeit können sich die Knoorer dort seit dem 1. Mai gemütlich auf der neuen Holzbank sitzend vertreiben, Heinz Steffens hat sie selbst gebaut. Auch beim Kanalbau sind die Dorfbewohner selbst aktiv geworden: "Einer hat den Bagger geliehen, wir haben uns die Kosten geteilt und übers Wochenende Gräben aufgeworfen", erzählt Heidi Steffens.

Seit 30 Jahren lebt sie in Knoor, das Jubiläum hat ihre Familie vor ein paar Monaten groß gefeiert. "Das ganze Dorf wurde mit Fahnen geschmückt", sagt sie. Blau-weiße Wimpel hatte sich Heidi Steffens ausgesucht, an denen blieben dann regelmäßig Lastwagen und Traktoren bei der Ortsdurchfahrt hängen. Mit den Bettrather Musikanten im Schlepptau zogen die Jubilare von Haus zu Haus und holten ihre Nachbarn singend zum Feiern ab.

Einen eigenen Chor oder Musikverein hat Knoor nicht, deshalb kamen die Gäste aus Bettrath dazu. Dafür hat das Örtchen seine eigene Makarius-Bruderschaft mit 13 bis 14 Mitgliedern — drei davon kommen jedoch aus Merreter.

(RP)