Grotherath : Das Blumendorf

Die Gesamtbevölkerung von Grotherath passt an einen Tisch. 14 Menschen wohnen in den vier Häusern des Ortes. Der jüngste Bewohner ist mit 32 Jahren der Jungbauer Andreas Pflipsen, der älteste ist der 86-jährige Hermann Pflipsen. Kinder gibt es nicht. "Aber wir arbeiten dran", sagen die Grotherather.

Das größte an Grotherath ist das Blumenfeld. In schnurgeraden Reihen stehen Sonnenblumen, Gladiolen, Löwenmäulchen, Färberdistel, Nelken, Zinnien und Astern so weit das Auge reicht. Also ziemlich weit — fast bis zum Waldrand. Auf einem handgeschriebenen Schild steht: Blumen zum selber pflücken. Der Städter mag sich verwundert die Augen reiben, für die Grotherather ist das normal. An der Hauswand gleich neben der üppigen Blumenpracht haben sie einen Arbeitsplatz geschaffen — für die Selbstpflücker.

 Die Gartenschere ist da, das Blumenband und die Preisliste. Wer möchte, kann sich in Grotherath einen individiduellen Blumenstrauß binden.
Die Gartenschere ist da, das Blumenband und die Preisliste. Wer möchte, kann sich in Grotherath einen individiduellen Blumenstrauß binden. Foto: Isabella Raupold

Da hängt eine Gartenschere, es gibt Schnur von der Rolle, und auf einem — natürlich auch eigenhändig gestalteten — Schild stehen die Preise für die Blumengebinde. Zwei Euro kostet der kleine Strauß, drei der mittlere, und für den großen wirft der Kunde fünf Euro in den Briefkasten von Bauer Pflipsen, Grotherath 1. Was ist groß, was klein? "Das entscheiden die Leute selber", sagt Alfred Schneider, "das kommt sich bei uns nicht so genau."

Alfred Schneider ist streng genommen gar kein Grotherather. Weil er in der ehemaligen Gärtnerei "Adam und Eva" an der Grotherather Straße 24 wohnt. Und die liegt etwa 200 Meter vom Ortseingang Grotherath entfernt. Aber die Grotherather haben den passionierten Heimatforscher adoptiert, er ist einer von ihnen. "Der Alfred weiß sogar Sachen die vor seiner Geburt passiert sind", sagt Hermann Thomassen.

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Das stimmt. Alfred Schneider kann beispielsweise erzählen, dass der jetzige Pflipsenhof auf dem Grund gebaut wurde, auf dem schon im frühen 14. Jahrhundert ein Ritterlehen stand. Der Hof der Familie Pflipsen besteht aus zwei Teilen, der eine trägt die Hausnummer 1, der andere die 2. Und gegenüber stehen die Häuser 3 und 4. "So etwas gibt es nur bei uns in Grotherath", sagt Alfred Schneider. "Überall sonst befinden sich die geraden Hausnummern auf der einen Straßenseite, die ungeraden auf der anderen."

Bis vor fast genau 100 Jahren stand in Grotherath nur der Bauernhof. Dann kamen die Brüder Eckers von der Viehstraße und bauten das Doppelhaus gegenüber. "Grotherath besteht also aus der bäuerlichen Seite und dem Neubaugebiet", sagt Schneider lachend. Was bisher noch fehlte, war ein Zentrum. Aber das ist jetzt da. Es besteht aus zwei Holzbänken und einem massiven Tisch dazwischen. "Das ist unser neuer Treffpunkt", sagen die Grotherather. "Aber hier darf auch jeder andere Rast machen."

Am Montagabend wird die neue Sitzgruppe eingeweiht. Natürlich sind alle Grotherather da, schließlich wird alles und immer gemeinsam gefeiert, und außerdem haben sie die Möbel eigenhändig gebaut und aufgestellt. Genau 14 Tage haben die 14 dafür gebraucht. Eingeladen sind aber auch die Kothausener und die Leute von der Viehstraße direkt um die Ecke. Das Blasorchester aus Günhoven wird für beste musikalische Unterhaltung sorgen.

Immer mal wieder hält ein Auto in der Honschaft an. Das Blumenfeld in Grotherath ist bekannt. Und beliebt. Die Selbstpflücker bedienen sich, überqueren die Straße und werfen ihren Obolus in Pflipsens Briefkasten. Wer genau hinschaut, entdeckt zwischen all der blühenden Pracht ein paar Kräuter. Frisches Basilikum für den Tomaten-Mozarella-Salat findet man am Wegesrand — in Grotherath.

(RP)