Merreter : Daheim bei Lucky Luke

In Merreter leben Lamas, ein Leguan, ganz viele Pferde, Katzen, Hunde – ja,und auch ein paar Menschen. Sie genießen die Ruhe fernab des Stadtzentrums, feiern gemeinsam Feste und sind so ziemlich alle per Du.

In Merreter leben Lamas, ein Leguan, ganz viele Pferde, Katzen, Hunde — ja,und auch ein paar Menschen. Sie genießen die Ruhe fernab des Stadtzentrums, feiern gemeinsam Feste und sind so ziemlich alle per Du.

 Der Kamphof lockte schon viele Besuicher an. Er war Schauplatz für besinnliche Weihnachtsmärkte und lustiges Kabarett.
Der Kamphof lockte schon viele Besuicher an. Er war Schauplatz für besinnliche Weihnachtsmärkte und lustiges Kabarett. Foto: Isabella Raupold

Renate Schiffers hat kürzlich extra nochmal nachgezählt: 76 Bewohner leben in dem verwinkelten Örtchen Merreter. "Ich sieze keinen hier", sagt die 51-Jährige. Sie ist eine waschechte Alteingesessene, "noch nie im Leben bin ich umgezogen", erzählt die Dorfbewohnerin. Ihrer Familie gehört der Biohof Schiffers — einer von sieben Höfen, die seit Jahrhunderten in Merreter stehen und den Ort vermutlich teilweise mitbegründeten. Der Ortsname bedeutet Mariarath, denn Merg und Meren sind mundartliche Formen für Maria, -ter ist gleich -rath.

Nur eine Kuh macht noch "Muh"

"Ich mag das Zusammengehörigkeitsgefühl hier", schwärmt Renate Schiffers. Auch Helmut Schröder und Karoline Heinrichs fühlen sich in der kleinen Gemeinschaft im Westen der Stadt richtig wohl, "weil es hier relativ ruhig ist", sind sie sich einig. Nur ab und zu durchbricht das Geräusch eines Autos die Stille, das die Hauptstraße als Abkürzung nach Wegberg nutzt. Oder eine Motorsäge, die eine der vielen Buchenhecken zurecht stutz, heult auf. Manchmal erklingt auch ein langgezogenes "Iiiaaa" des Esels Lucky Luke oder Kuh Annabelle macht laut "Muuuh". Die beiden sind auf dem Tierschutzhof Mon-Ro-Ranch zuhause, den Monika und Roman Kremers in einem der sieben Höfe betreiben.

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Mittlerweile ist Annabelle, die noch nie gekalbt hat, weit und breit die letzte ihrer Art. "Heute wird in Merreter keine Kuh mehr gemolken, dafür haben wir hier viele Pferde", sagt Renate Schiffers. Anfang dieses Jahrtausends habe der letzte Milchbauer aufgehört, ergänzt Helmut Schröder. Der 54-Jährige ist einer von vier Feuerwehrmännern des Löschbezirkes Woof, die in Merreter wohnen. "Bei uns ist es nie langweilig", sagt er. "Wir feiern Feste und gehen mit dem eigentlich schon eingemeindeten Nachbarort Knoor im Rheindahlener Karnevalszug mit", nennt Schröder Beispiele für das aktive Dorfleben.

Bis vor wenigen Monaten hat auch der Kamphof regelmäßig das Leben in Merreter bunter gemacht und viele Gäste von außerhalb angelockt. Weihnachts-, Herbst- und Ostermärkte gehörten ebenso wie Kabarett in der Kunstscheune zum Programm auf dem Fachwerkanwesen. Dessen Pächter lassen sich in Dokumenten bis ins Jahr 904 zurückverfolgen. "Der Hof gehörte anfangs dem Kölner Kloster Sankt Marien im Kapitol", erläutert Karoline Heinrichs, die seit 1969 dort lebt. Der Name Kamphof leite sich von "auf dem Kamp", also "auf der Höhe" ab, erklärt sie.

Weil Anfang des Jahres ihr Mann Willi, der alle Hof-Aktionen organisiert hat, verstorben ist, wird es fortan keine Märkte mehr geben. "Vielleicht machen wir noch mal Kabarett", überlegt Karoline Heinrichs. Eins steht fest: Bei der "Offenen Gartenpforte" will sie weiterhin Besucher in ihrem Garten begrüßen. So können sie auch in Zukunft das wohl bunteste Fleckchen in Merreter aus der Nähe bewundern.

(RP)