Mönchengladbach: Coverband spielt mit ihren Idolen

Mönchengladbach : Coverband spielt mit ihren Idolen

Normalerweise spielt die Band Chapters in Clubs die Lieder ihrer Lieblingsgruppe Saga nach. Als Keyboarder und Schlagzeuger der kanadischen Rockband während der Tour erkrankten, sprangen die Gladbacher ein. Sie reisten im Tourbus mit, spielten in Hallen und gaben sogar Autogramme.

Als eines Montags im November das Telefon klingelte, ahnte Thomas Elsenbruch noch nicht, dass sich nach dem Gespräch mit dem unbekannten Anrufer ein Traum erfüllen würde. Am Telefon war der Tourmanager der kanadischen Band Saga, die gerade auf Europatournee war. Dass er in Mönchengladbach anrief, war kein Zufall: Thomas Elsenbruch ist Keyboarder von "The Chapters", einer der wenigen Saga-Coverbands weltweit. Die kuriose Bitte: Er solle seinen Idolen aus der Klemme helfen.

Saga-Keyboarder Jim Gilmour hatte sich mitten in der Tournee am Auge verletzt. Die Band stand kurz davor, die restlichen Konzerte absagen zu müssen. Die Keyboarder Thomas Elsenbruch und Hans-Willi Carl nahmen spontan frei und sprangen ein. Kurz vor dem ersten Konzert in Mühlheim trafen sie die Saga-Musiker, bauten die Garderobe provisorisch zum Proberaum um und spielten sich ein. Probleme? Keine. "Musik ist eben eine internationale Sprache", sagt Thomas Elsenbruch.

So tourten die Männer mit Saga durch Europa — Augsburg, Pratteln, Pilsen. Statt die Lieder ihrer Lieblingsband nur nachzuspielen, spielten sie auf einmal mit. Beim ersten Konzert warteten 2000 Fans in der Halle — normalerweise spielen die Chapters höchstens vor ein paar hundert. Und statt wie sonst sechsmal im Jahr traten sie auf einmal fast sechs Tage hintereinander auf. Doch alles ging glatt. "Natürlich hat man sich mal verspielt oder den Ablauf mal durcheinander gebracht", sagt Thomas Elsenbruch. "Aber das ist den anderen auch passiert."

Die alten Songs kannten er und sein Kollege schon, die neuen lernten sie schnell. Zur Premiere in Mühlheim kamen die anderen Bandmitglieder und Freunde aus der Umgebung. Auch Thomas Elsenbruchs Bruder war dabei, der ihn überhaupt zum Saga-Fan gemacht hatte. Als Jugendlicher hörte er die Platten der Band rauf und runter. "Als ich ihm erzählte, dass ich mit Saga auf Tour gehe, hat er gedacht, ich spinne", erzählt Thomas Elsenbruch. Der Tourbus wurde das rollende Schlafzimmer, ab und an stiegen die Musiker auch in Hotels ab. Beinahe jeden Tag erwachten sie in einer neuen Stadt, der Tourkalender gab das Programm vor: proben, spielen, reisen.

Doch schon nach einigen Tagen, sagt Thomas Elsenbruch, sei die Gruppe zusammengewachsen. Wenn Fans nach den Konzerten für ein Autogramm auf dem Band-Poster anstanden, habe der Saga-Frontmann ihm und seinen Kollegen nur zugegrinst und genickt: Unterschreibt ruhig!

Drei Shows waren noch zu spielen, als sich Schlagzeuger Brian Doerner an der Schulter verletzte. Und wieder konnten die Chapters aushelfen: Ihr Drummer Stefan Peschgens sprang ein. Saga bestand auf einmal zur Hälfte aus einer Coverband — und keiner merkte es.

Nach acht Konzerten war der Ausflug in die Saga-Welt vorbei. "Danach war ich ganz schön fertig, Touren ist extrem anstrengend", gibt Thomas Elsenbruch zu. Was geblieben ist? Erfahrung. Obwohl er Berufsmusiker sei, habe er sich auch musikalisch viel von den Saga-Mitgliedern abschauen können. Nie hatte die Coverband testen können, ob sie auch stadionfest sei — "jetzt wissen wir, dass wir dann auch die Nerven behalten — und dass es viel Spaß macht." Die Musiker von Saga würden von ihren Doubles wohl dasselbe behaupten.

(RP)
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