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Coronavirus in Mönchengladbach: Infizierter Klinikarzt war Rosenmontag noch im Dienst

Coronavirus in Mönchengladbach : 15 Patienten des infizierten Arztes in Quarantäne

Der mit dem Coronavirus infizierte Klinikarzt war nach Ansteckung einen Tag im Dienst. 35 Kontaktpersonen wurden getestet, noch liegen die Ergebnisse nicht vor. Ein zweiter Verdachtsfall bestätigte sich nicht.

Die erste bestätigte Corona-Infektion in Mönchengladbach hat Folgen: 15 Patienten, die am Rosenmontag von dem positiv getesteten Arzt in den Kliniken Maria Hilf behandelt wurden, befinden sich im Krankenhaus vorsorglich in Quarantäne. Bis zum Abend wiesen sie aber keine Symptome auf, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Auch die rund 20 Mitarbeiter der Kliniken Maria Hilf, die mit dem Arzt Kontakt hatten, wiesen bis dahin keine Symptome auf. Sie befinden sich auf Anordnung des Gesundheitsamtes der Stadt ebenfalls in häuslicher Quarantäne. „Alle bekannten Kontaktpersonen wurden vorsorglich getestet“, teilte die Stadt mit. „Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.“ Der Arzt, der im Kreis Heinsberg wohnt, hatte sich dort am 15. Februar bei der Karnevalssitzung bei dem ebenfalls infizierten Paar aus Gangelt angesteckt, das in der Düsseldorfer Uniklinik behandelt wird. Nach der Ansteckung war der Arzt an Rosenmontag zum Dienst in der Klinik erschienen. Am Mittwoch wurde er zum Verdachtsfall, der sich dann am Abend bestätigte. Der Mann befindet sich seitdem in häuslicher Quarantäne.

Ein anderer Verdachtsfall bestätigte sich hingegen nicht. Die Patientin, die am Mittwoch vom Gesundheitsamt in die Kliniken Maria Hilf eingewiesen worden war, hat sich nicht mit dem Virus infiziert, wie die Stadt mitteilte. Die Frau wurde am Donnerstag nach Hause entlassen. Weitere Verdachtsfälle gab es am Donnerstagabend nach Angaben von Stadtsprecher Wolfgang Speen nicht. Das sind jetzt die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie geht es jetzt in den Kliniken Maria Hilf weiter? Vorerst nahmen die Maria Hilf Kliniken am Donnerstag keine Notfallpatienten mehr auf, die gewöhnlich der Rettungsdienst einliefert. Man konzentriere sich auf die Behandlung der vorhandenen Patienten, hieß es. Patienten, die eigenständig die Notaufnahme aufsuchen und nicht intensivmedizinisch betreut werden müssen, sollten weiter aufgenommen werden. „Wer etwa mit einem gebrochenen Daumen kommt, der wird mit allem versorgt, was er braucht“, sagte Klinik-Sprecher Guido Dückers. Sollte ein Patient auf eigene Faust kommen und Intensivmedizin benötigen, werde ihm ein Bett in einem anderen Krankenhaus besorgt. Dass Menschen, die so schwer krank sind, es noch eigenständig ins Krankenhaus schaffen, sei freilich sehr selten.

Was bedeutet das für andere Krankenhäuser in der Stadt? Wie sind die Kliniken vorbereitet? Am Donnerstag trafen sich Vertreter aller vier Mönchengladbacher Akutkrankenhäuser mit dem Gesundheitsamt und dem Rettungsdienst der Stadt. Darin bestätigten die Krankenhäuser, dass sie auf die Situation vorbereitet und einsatzfähig seien. „Es ist Standard in jedem Krankenhaus, dass es Isolierzimmer hat, in denen hochinfektiöse Patienten untergebracht werden. Das gilt nicht nur für Corona-Fälle, sondern auch für alle anderen hochansteckenden Krankheiten“, sagt Angela Pontzen, Kommunikations-Referentin des Neuwerker Krankenhauses. Solche Isolierzimmer seien mit einer Schleuse versehen, in der medizinisches Personal Schutzkleidung anziehe. In diesen Zimmern werden beispielsweise auch Influenza- oder Norovirus-Patienten untergebracht, sagt Geschäftsführer Sebastian Baum. „Wenn wir eine größere Anzahl von Corona-Patienten hätten, bekämen wir die auch ohne Probleme untergebracht und behandelt. Wenn nötig, machen wir eine ganze Station zur Isolierstation“, sagt Baum. Und: „Die Corona-Situation ist aus meiner Sicht weniger schlimm als die Grippe, die gerade umgeht.“

Auch das Rheydter Elisabeth-Krankenhaus könne bei Bedarf sogar auf einer ganzen Station Einzelzimmer für Infizierte einrichten, sagt dessen Ärztlicher Direktor Harald Lehnen. Schon in der Notaufnahme des „Eli“ können – nicht nur bei Corona-Verdacht – möglicherweise an ansteckenden, gefährlichen Krankheiten leidende Menschen über eine Schleuse von anderen Patienten getrennt werden. Das wurde vor etwa vier Wochen auch schon einmal praktiziert, als Patienten kamen, die Kontakt zu einer Familie aus China gehabt hatten und Symptome zeigten. Ein Test ergab jedoch: kein Corona-Virus, sondern ein normaler grippaler Infekt. „Wir haben uns schon vor Wochen vorbereitet, als erste Informationen über Wuhan kamen“, sagt Lehnen. Unter anderem werden auf der Intensivstation seitdem drei Beatmungsplätze freigehalten.

Wie beurteilen Ärzte die Lage? Bislang behandelt auch das Eli zwar etliche Grippekranke und Menschen, die an Atemwegserkrankungen leiden, die das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) verursacht hat. Aber das ist keine ungewöhnliche Situation in dieser Jahreszeit. „Das RSV ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege in jedem Lebensalter und einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen und Kleinkindern. In Saisonalität und Symptomatik ähneln RSV-Infektionen der Influenza“, erläutert das Robert-Koch-Institut auf seinen Internetseiten. Auch Prof. Dinko Berkovic, Ärztlicher Direktor des Neuwerker Krankenhauses sagt: „Nicht jede Grippe oder jeder grippaler Infekt ist jetzt eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus.“

Sein Kollege Harald Lehnen vom Elisabeth-Krankenhaus mahnt zu Besonnenheit und warnt vor Hysterie. Im Winter 2017/18 habe das Elisabeth-Krankenhaus nach Karneval sieben Wochen lang mit einer Grippewelle zu kämpfen gehabt. „Damals hatten wir täglich bis zu 50 Fälle von Schwerstkranken, das war furchtbar“, erinnert sich der Ärztliche Direktor. Die Lage dagegen aktuell: In den vergangenen Wochen gab es im Eli mehr als 100 Tests auf Corona, aber bislang waren alle negativ – kein Corona-Virus. Immer wieder kommen auch Menschen, die keinerlei Anzeichen von Krankheit zeigen und sich dennoch testen lassen wollen. Getestet wird jedoch nur bei begründetem Verdacht, wenn Menschen Symptome zeigen, krank sind und einen besonderen Risikohintergrund haben – beispielsweise, dass sie in Italien in Urlaub waren oder die Karnevalsveranstaltung in Langbroich-Harzelt besucht haben, an der auch der 47-jährige Corona-Patient teilgenommen hat.

Warum sind öffentliche Gebäude und Schulen in Mönchengladbach nicht geschlossen wie im Kreis Heinsberg? Die Stadt bekräftigte am Donnerstag die Entscheidung, die der Krisenstab Mittwochnacht getroffen hatte. „Der Infektionsherd war nicht auf Mönchengladbacher Gebiet und die Kontaktpersonen des Arztes in Mönchengladbach sind identifiziert“, sagte Wolfgang Speen. Dies habe sich ausschließlich auf das Arbeitsumfeld des Arztes beschränkt. Diese Vorgehensweise sei von den Kliniken als richtig und angemessen eingeordnet worden. „Es gibt keinen Anlass zur Panik“, betonte Speen.

Was muss ich tun, wenn ich Symptome habe? Menschen, die zurzeit grippeähnliche Symptome aufweisen, werden gebeten, ihren Hausarzt beziehungsweise die Notarztpraxis zunächst telefonisch zu kontaktieren, um die weitere Vorgehensweise abzuklären.      Die Stadt bittet außerdem Bürger darum, die Notrufnummern 112 und 110 nicht unnötig zu blockieren. Auch sollte nicht jeder Patient mit Erkältungssymptomen oder unkritischen Atemwegserkrankungen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser kommen.              

(angr, hh)