CO2-Fußabdruck: Das kann jeder Einzelne für das Klima tun

Wie der CO2-Fußabdruck kleiner wird : Besser verzehren als verschwenden

An der Hochschule konnten Besucher erfahren, wie schwierig es ist, den CO2-Fußabdruck eines simplen Brotes zu berechnen. Wenn es darum geht, was der Einzelne für das Klima tun kann, kommt es auf andere Dinge an als gedacht.

Nachhaltigkeit ist das Thema der Zeit, das Klima in Gefahr. Von Ökobilanzen und CO2-Fußabdrücken ist die Rede. Aber was heißt das eigentlich und welchen Einfluss können Verbraucher wirklich nehmen? Christof Menzel, Dozent im Modul Nachhaltigkeit am Fachbereich für Oecotrophologie der Hochschule Niederrhein, warnt: „Der gesunde Menschenverstand liegt fast immer falsch.“

Regional oder bio Gerne wird das Beispiel des Apfels herangezogen, der zwar bio ist, aber einen weiten Weg hinter sich hat. „Regional wird meist überschätzt“, sagt Lars Lange, einer der Betreiber des Mönchengladbacher Unverpacktladens „Tante LeMi“. Der Ökolandbau erzeuge massiv weniger klimaschädliche Emissionen. Er ermahnt seine Kunden, nicht extra von weit her mit dem Auto und nur für den Einkauf zu kommen. Denn genau so bekommt ein Produkt eine schlechte Ökobilanz, wenn der Kunde dafür in sein Auto steigt. „Dann sollen sie lieber die Bio-Lebensmittel im Discounter um die Ecke kaufen“, sagt Lange.

„Einen Kilometer mit dem Auto zum Einkaufen fahren kann für das Klima ungefähr so schädlich sein, wie den Einkauf 1000 Kilometer mit dem Schiff zu transportieren“, rechnet Menzel vor. Das Schiff sei einfach deutlich effizienter, was die Ökobilanz angehe. Der berühmte neuseeländische Apfel könne daher tatsächlich günstiger für das Klima sein als der regionale, wenn Kühl- und Lageraufwand in Deutschland mit eingerechnet würden.

Der Unverpacktladen „Tante LeMi“ geht noch einen Schritt weiter. Er hat fast alle Produkte aus dem Laden verbannt, die nicht mindestens aus Europa kommen und ökologisch angebaut wurden. Zusätzlich verhandle er mit Biohöfen aus der Umgebung, um die Versorgung mit regionalen Bio-Produkten weiter zu erhöhen. Lange setzt außerdem auf vegane Lebensmittel. Denn „der CO2-Fußabdruck von Fleisch ist in Deutschland so groß wie der des gesamten deutschen Verkehrs“, sagt Lange.

Selbstversuch Am Tag der Nachhaltigkeit konnten Besucher der Hochschule Niederrhein den CO2-Fußabdruck eines Brotes berechnen. Schnell wurde den Teilnehmern klar: So einfach ist das nicht. Welcher Strom wurde zum Backen verwendet, woher kommt das Mehl? Und was sagt die Zahl am Ende aus? Menzel betont: „Dem Normalsterblichen bringt der CO2-Wert erstmal gar nichts. Zahlen bringen nur dann etwas, wenn wir sie in einen Zusammen einordnen können.“

Wie viele Brote noch produziert werden können, bevor das Restkontingent an CO2 erschöpft ist, ließe sich aber nicht zuverlässig ausrechnen. Denn mit jeder Maßnahme, die ergriffen wird, verändere sich die Berechnungsgrundlage. „Fährt der Traktor künftig etwa mit Bio-Diesel, kann das seine Bilanz verbessern“, erklärt Menzel. Steigen die Temperaturen, wird der Anbau möglicherweise erschwert, was die Bilanz wieder verschlechtern könnte.

Im Workshop mit den Besuchern tritt schnell noch ein weiteres Problem auf: In der Datenbank sind für Weizenmehl noch keine Werte hinterlegt. Mit anderen Worten: Forscher in diesem Bereich haben noch viel zu tun.

Aber auch mit gut geschätzten Werten wird klar, wo die großen CO2-Baustellen eines Brotlaibs liegen. „Die Agrarproduktion trägt den einen Löwenanteil, der Verbraucher den anderen“, sagt Menzel. Verarbeitung, Transport, Lagerung und Handel trügen nur vergleichsweise wenig bei.

Im Alltag Wie nun jeder beim Lebensmitteleinkauf dazu beitragen kann, weniger CO2 zu erzeugen, fasst Christof Menzel in einen Satz: „Verputzen statt verschwenden!“ Was er damit meint: Jedes Lebensmittel, das weggeworfen wird, schadet dem Klima. Denn dadurch produzieren wir deutlich mehr Lebensmittel als wir eigentlich benötigen. „Wir müssen im Auge behalten, was wir im Kühlschrank haben“, mahnt Menzel, „und dürfen nicht für jede Kleinigkeit mit dem Auto zum Supermarkt fahren.“ Der große Wocheneinkauf sei dem klimatechnisch in jedem Fall vorzuziehen.

Wer ganz auf die Fahrt verzichten will, kann auf Lebensmittellieferdienste wie etwa Picnic setzen. Picnic lädt die Waren für mehrere Haushalte in einen Elektro-Laster und fährt dann von Tür zu Tür. Picnic zufolge ist bereits jeder dritte Haushalt in Mönchengladbach bei dem Dienst angemeldet. Zudem würden alle Picnic-Kunden pro Jahr etwa eine Million Kilometer einsparen.

Der ökologische Nutzen hängt aber stark vom eigenen Einkaufsverhalten ab. Wer den Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt, tut dem Klima beispielsweise keinen Gefallen, wenn er sich die Lebensmittel stattdessen liefern lässt. „Gegenüber dem eigenen Auto ist ein Lieferdienst sicher eine gute Sache“, sagt Sabine Rütten, Vorsitzende des BUND Mönchengladbach. Rütten mahnt aber, dass dies nichts an der Verpackungsflut ändere. „Selbst im Discounter gibt es wiederverwendbare Obst- und Gemüsenetze, das könnten die Lieferdienste doch auch einsetzen und die Waren vor Ort direkt auspacken“, fordert sie.

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